Dr Hermann Rauhe Hamburger Symphoniker bedankte sich für die Übernahme der durch die Tariferhöhungen entstandenen zusätzlichen Kosten und hob die Bedeutung der Hamburger Symphoniker hervor


Der Kulturausschuß beschloß in seiner Sitzung am 8. Mai 2001 die Selbstbefassung mit dem Thema Hamburger Symphoniker gemäß § 53 Absatz 2 der Geschäftsordnung der Hamburgischen Bürgerschaft. Der Ausschuß befaßte sich in seiner Sitzung am 10. Juli 2001 im Rahmen einer Anhörung von Auskunftspersonen gemäß § 58 Absatz 2 der Geschäftsordnung der Hamburgischen Bürgerschaft mit dieser Angelegenheit.

II. Beratungsinhalt Herr Prof. Dr. Hermann Rauhe (Hamburger Symphoniker) bedankte sich für die Übernahme der durch die Tariferhöhungen entstandenen zusätzlichen Kosten und hob die Bedeutung der Hamburger Symphoniker hervor. Ihm sei es in seiner Doppelfunktion als Vorstandsvorsitzender und Experte der Orchesterszene sowie als Rektor der Hochschule für Musik und Theater Hamburg möglich, zu beurteilen, daß die qualitative und quantitative Leistung des Orchesters nachweislich einzigartig sei und unter dem neuen Chefdirigenten, Herrn Yoav Talmi, nochmals gesteigert werden konnte. Es überrasche ihn daher auch nicht, dass im Orchesterbereich immer wieder Wettbewerbe gewonnen würden. Im Bereich der Ausbildung für Gesang, Oper und Musiktheater nähmen die Hamburger Symphoniker seit 1997 im weltweiten Ranking den ersten Platz ein. Besonders hervorzuheben sei darüber hinaus, dass die Musikstudenten ­ nicht nur die Dirigenten, sondern auch die Gesangs- und Instrumentalsolisten ­ in einem Konzertexamen die Möglichkeit erhielten, ihr Können in Zusammenarbeit mit einem professionellen Orchester zu präsentieren. Herr Prof. Dr. Rauhe informierte, dass mittlerweile die Wahl zwischen einem großen und einem kleinen Abonnement bestünde, und wies darauf hin, dass die Hamburger Symphoniker auch im pädagogischen Bereich sehr engagiert seien. Neben Kinderklassikern und -konzerten stünden für das jüngere Publikum Sonderkonzerte mit Text und Musik sowie Kammerkonzerte auf dem Programm. Er hob hervor, dass die oratorische Musikszene in Hamburg ohne die Hamburger Symphoniker vermutlich nicht existieren würde, und unterstrich, dass die Arbeit der Musikhochschule auf die Orchestertätigkeit angewiesen sei.

Herr Peter Dannenberg (Hamburger Symphoniker) wies darauf hin, dass der Vorstand der Hamburger Symphoniker bereits in früheren Zeiten zusammen mit dem Kulturausschuß das Zahlenwerk ausführlich besprochen habe, und gab an, dass sich seitdem keine grundlegenden Veränderungen ergeben hätten. Strukturell seien die Hamburger Symphoniker ­ auch im bundesdeutschen Vergleich ­ immer noch erheblich unterfinanziert. Herr Dannenberg berichtete, dass die Bezuschussung der Hamburger Symphoniker für die Spielzeit 2000/2001 durch die Kulturbehörde aus der diesem Bericht als Anlage beigefügten Unterlage ersichtlich sei.

Er führte aus, dass Gehaltskosten in Höhe von ca. 6,5 Millionen DM anfielen, bei denen die Honorare für Chef- und Gastdirigenten, Solisten und Verstärkungen noch nicht eingerechnet seien. Demgegenüber stünde ein Zuschuß in Höhe von bislang 5,3 Millionen DM. Die bisherigen Einnahmen dieser Spielzeit lägen bei ca. 2,9 Millionen DM, das seien 36,4 Prozent Kostendeckungsgrad und werde nur von den Berliner Philharmonikern überboten, die einen Kostendeckungsgrad von 50 Prozent erreichten.

Bericht des Kulturausschusses zum Thema Hamburger Symphoniker (Selbstbefassung gemäß §53 Absatz 2 GO) Vorsitzender: Rolf Mares Schriftführer: Prof. Dr. Franklin Kopitzsch
Im Bundesdurchschnitt werde eine Kostendeckung von 15 bis 20 Prozent erreicht, bei Orchestern in Ostdeutschland liege der Deckungsgrad häufig noch niedriger. Die Einnahmen der Hamburger Symphoniker ergäben sich aus Veranstaltungen, wobei ein Großteil der Einnahmen in Höhe von ca. 1,5 Millionen DM aus Fremdveranstaltungen ­ wie z.B. den Eutiner Festspielen und der Tätigkeit in der Staatsoper ­ erzielt werde. Darüber hinaus würde auch ein wichtiger Anteil der Einnahmen aus Spenden erlangt. Um den Zuschauern bzw. Zuhörern ein angemessenes Programm anbieten zu können, müßten regelmäßig, neben den 67 regulären und derzeit nur 65 besetzten Orchesterplanstellen, Verstärkungen engagiert werden, wodurch erhebliche Kosten in Höhe von bisher 645000 DM anfielen. Die Wiederbesetzung der Stelle des 1. koordinierenden Konzertmeisters sei daher dringend erforderlich; hierdurch würden zusätzliche Kosten in Höhe von ca. 125000 DM jährlich entstehen. Derzeit sei das Orchester in die Tarifgruppe B eingruppiert. Ein Wechsel der Eingruppierung in die Tarifgruppe B mit Fußnote würde eine Gehaltserhöhung um monatlich 245 DM brutto je Orchestermitglied bedeuten und käme auch der Reputation der Hamburger Symphoniker zugute. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, dass Stellen im Moment nicht mehr besetzt werden könnten, da für Musiker nicht nur in Einzelfällen sogar B-Orchester attraktiver seien, weil sie dort zum einen für die gleiche Arbeit besser bezahlt würden und zum anderen die Lebenshaltung in anderen Städten günstiger als in Hamburg sei. Für die Stelle der 1. Geige habe es beispielsweise 80 Bewerber gegeben, von denen 35 zum Vorspielen eingeladen worden seien. Obwohl von den eingeladenen 35 noch 28 Musiker erschienen seien, habe die Stelle aus dieser Auswahl nicht besetzt werden können. Das sei ein unhaltbarer Zustand und werfe die Hamburger Symphoniker, die in der Presse oft mit den Hamburger Philharmonikern oder dem NDR-Sinfonieorchester verglichen würden, langfristig deutlich im Niveau zurück. Abschließend ließe sich sagen, dass die Hamburger Symphoniker zum Erhalt des hohen künstlerischen Niveaus dringend sowohl finanziell als auch personell eine Budgetaufstockung benötigten.

Die CDU-Abgeordneten bekräftigten, dass die Eingruppierung in die Tarifgruppe B mit Fußnote ebenso dringend erforderlich sei wie die zügige Wiederbesetzung der Stelle des 1. Konzertmeisters. Sie erkundigten sich nach den zusätzlichen Kosten, die durch eine geänderte Eingruppierung in die Tarifgruppe B mit Fußnote entstünden.

Herr Dannenberg wies darauf hin, dass eine konkrete Berechnung der zusätzlichen Kosten im Falle einer Änderung der Eingruppierung bereits im Herbst 1995 erfolgt sei. Seinerzeit habe das Defizit rund 1,3 Millionen DM betragen. Werde dieser Betrag um die Tarifsteigerungen der letzten Jahre ergänzt, ergebe sich daraus der Kostenanteil, der einen Wechsel der Tarifgruppe finanziell ermögliche.

Die Senatsvertreterin und Senatsvertreter fügten ergänzend hinzu, dass sich daraus in der Mittelfristigen Aufgabenplanung ein Mehrbedarf von etwa 0,5 Millionen DM ergebe. Dieser Mehrbedarf setze sich aus den Kosten für die Wiederbesetzung der Stelle des 1. Konzertmeisters und den Tarifgruppenwechsel zusammen. Eine Umsetzung für 2002 sei abgelehnt worden, werde aber für 2003 erneut als Ziel angestrebt.

Die GAL-Abgeordnete erkundigte sich, aus welchen Mitteln die anteilige Tarifsteigerung in den Jahren 1999 bis 2001 bezahlt worden sei.

Die Senatsvertreterin und Senatsvertreter informierten, dass die Verstärkungsmittel in 1999 von der Finanzbehörde zur Verfügung gestellt worden seien. Die erforderliche Fortschreibung der Erhöhung sei für die Folgejahre regulär im Kulturetat erfolgt.

Die CDU-Abgeordneten unterstützten die Ausführungen von Herrn Prof. Dr. Rauhe und sagten, es sei in den letzten Jahren gelungen, die Hamburger Symphoniker fest in das Kulturangebot Hamburgs zu integrieren. Es bestehe keinerlei Zweifel an der Erstklassigkeit des Orchesters und daran, dass dieses auch in Zukunft erhalten werden müsse. Bezugnehmend auf die Tatsache, dass die Finanzierung der Hamburger Symphoniker auf einer äußerst riskanten Einnahmesituation basiere, fragten die CDUAbgeordneten nach, ob die Eutiner Festspiele und die Oper eine langfristig gesicherte Einnahmequelle darstellten.

Herr Dannenberg berichtete, dass die Eutiner Festspiele jährlich Einnahmen in Höhe von 345000 DM einbrächten, und äußerte sich optimistisch, daß, solange die Festspiele existierten, auch das Orchester dort spielen werde. Die Auswirkungen der Kürzungen im schleswig-holsteinischen Landesetat auf die ohnehin nicht allzu positive finanzielle Situation der Eutiner Festspiele versuche das Management durch eine Steigerung der Eigeneinnahmen (z.B. durch höhere Eintrittspreise) zu verbessern. Nach langen Verhandlungen mit dem Intendanten der Staatsoper, Herrn Louwrens Langevoort, sei es den Hamburger Symphonikern gelungen, das Engagement bei der Staatsoper für durchschnittlich 20 Abende jährlich zu sichern. In der kommenden Spielzeit erhielten die Hamburger Symphoniker im ersten Jahr für 16 und im zweiten Jahr für 24 Abende ein Engagement bei der Staatsoper.

Bezugnehmend auf den Hinweis der GAL-Abgeordneten, im Frühjahr 2001 sei den Hamburger Symphonikern vor dem Hintergrund der Entwicklung des gesamthamburgischen und somit auch des Kulturhaushalts Sponsoringunterstützung in Höhe von 0,25 Millionen DM zugesagt worden, führte Herr Dannenberg aus, dass der Sponsor die Unterstützung von der Zustimmung zur Wiederbesetzung der Stelle des 1. Konzertmeisters bzw. der Tarifanhebung abhängig mache.

Herr Hammans (Hamburger Symphoniker) bedankte sich, dass zur Entspannung der finanziellen Situation der Hamburger Symphoniker beigetragen worden sei, und bat, auch im Namen des Orchesters, sich für die Stellenwiederbesetzung des 1. Konzertmeisters sowie für die Eingruppierung des Orchesters in die Tarifgruppe B mit Fußnote einzusetzen.

III. Ausschußempfehlung
Der Kulturausschuß empfiehlt der Bürgerschaft, von diesem Bericht Kenntnis zu nehmen.

Prof. Dr. Franklin Kopitzsch, Berichterstatter Anlage
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