Migration

Eine Bestandsaufnahme sollte überprüfen, ob und welcher Fortbildungsbedarf für Fachleute, die mit Gewalt im sozialen Nahraum zu tun haben, besteht und ob sie sich in diesem Feld ausreichend unterstützt fühlen. Dies gilt vor allem für diejenigen, die nicht hauptsächlich, aber auch damit zu tun haben. Im schulischen Bereich wird ein Bedarf darin gesehen, dass Lehr- und Fachkräfte in der Schule mehr Sicherheit im Umgang mit häuslicher Gewalt erlangen.

Vernetzung verbessern

Die ressortübergreifende Arbeitsgruppe regt an, in Bremen alle Akteure in diesem Feld zu mehr fachlichem Austausch einzuladen. Ein runder Tisch Häusliche Gewalt kann eine mögliche Form sein. Die ZGF wird darüber hinaus in Absprache mit allen Beteiligten Fachtage und Fachgespräche umsetzen.

Offene Themen Gewalt in der Pflege18 ist in diesem Bericht nicht aufgenommen, zumal die Grenzen zur häuslichen Beziehungsgewalt unscharf sind. An dieser Stelle wird deshalb auf den umfassenden Bericht Gewalt in der Pflege verwiesen.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung steht aktuell bundesweit auf der Agenda: gerade Frauen und Mädchen mit Behinderung sind besonders von Gewalt betroffen. Im Herbst 2012 werden der Landesbehindertenbeauftragte und die ZGF mit einer Fachveranstaltung zum Thema Gewalt gegen Menschen mit Behinderung einen ersten Schritt für die Bearbeitung dieses wichtigen Themas gehen.

Bis dahin werden sie sich gemeinsam einen Überblick über die bestehenden Aktivitäten im Land Bremen verschaffen.

III. Schwerpunkt der Arbeit im kommenden Berichtszeitraum Migrantinnen besser erreichen Migrantinnen sind im Verhältnis häufiger als deutsche Frauen bei Wegweisung durch die Polizei betroffen. In den Frauenhäusern machen sie etwa die Hälfte der Bewohnerinnen aus. Sie sind daher eine wichtige Gruppe, für die es bislang im Land Bremen kaum angemessene Beratungsangebote gibt.

Migrantinnen sind sehr unterschiedlich. Erfahrungen, die über Studien bestätigt werden19), lehren, dass es besondere Anstrengungen braucht, für sie bedarfsgerechte und jeweils passende Zugehensweisen und Angebote zu entwickeln, auch wenn nur wenige Aspekte der konkreten Arbeit explizit migrationsspezifisch sind wie Aufenthaltsstatus oder das Fehlen deutscher Sprachkenntnisse. Man kann in dieser Arbeit nicht ungeprüft die bestehenden Konzepte anwenden, gegebenenfalls sind neue Wege nötig. Die angeführte Studie fand als eine besondere Beratungsbarriere bei Migrantinnen eine oft schwierige ökonomische Situation, die zusammen mit dem höheren Wert von Familie dazu führte, dass Migrantinnen länger in Gewaltbeziehungen blieben. Darüber hinaus stellt sie fest, dass Migrantinnen in Hilfeeinrichtungen nicht selten auf Vorurteile (Gewalt als kulturüblich) stießen und sie in ihren Möglichkeiten auf der anderen Seite unterschätzt wurden. Bei Konzepten für die Arbeit mit Migranten als Misshandlern muss nach den Ergebnissen auch im Sinne der Frauen darauf geachtet werden, dass die Arbeit nicht von Klischees oder Rassismus geprägt ist.

In Bremen bietet der AWO-Fachdienst Migration und Integration ein mehrsprachiges Angebot für Frauen und Mädchen durch regelmäßige Sprechstunden auch zur Problematik häusliche Gewalt an. In Weiterführung eines Fachtages zur Thematik (2009) erheben Kolleginnen des Fachdienstes und der ZGF im Kontakt mit interessierten Fachkolleginnen weiterer Einrichtungen zurzeit den Sachstand der Betreuungs- und Beratungsangebote für den Umgang mit Gewalterfahrungen bei Migrantinnen. Einigkeit besteht darüber, das Beratungsangebot für Migrantinnen in verschiedenen Sprachen in den nächsten Jahren zu verbessern. Darüber hinaus sollten Bericht Gewalt in der Pflege: PKS zeigt, die meisten der angezeigten Fälle beziehen sich auf das häusliche Umfeld/Verwandtschaft (38 von 53/20 von 30/38 von 50) und könnten daher unter häusliche Gewalt fallen. Die Geschlechterverteilung ist hier allerdings eher ausgeglichen. Forschungsprojekt des Sozialwissenschaftliches der Kontaktstelle praxisorientierte Forschung e. V. an der Evangelischen Fachhochschule Platzverweis ­ Hilfen und Beratung. Abschlussbericht Wissenschaftliche Untersuchung zur Situation von Frauen und zum Beratungsangebot nach einem Platzverweis bei häuslicher Gewalt. Mitarbeiterinnen in den beratenden Diensten für diesen besonderen Aufgabenschwerpunkt qualifiziert werden. Die Erreichbarkeit für die Betroffenen in einzelnen Stadtteilen soll verbessert werden. Eine enge Zusammenarbeit mit Einrichtungen und Gruppen von Migranten und Migrantinnen sowie anderen mit der Integration von migrantischen Bürgerinnen und Bürgern befassten Fachleuten ist dabei die Voraussetzung für ein gutes Gelingen.