Versicherung

Die Akzeptanz ist jedoch sehr hoch einzustufen, da viele Frauen die Beratungsstelle im weiteren Verlauf aufsuchen.

Der Verein Nitribitt e. V. führt Streetwork durch, um den Kontakt zu den Klientinnen herzustellen. Da die Prostitution in der Regel im Verborgenen stattfindet und viele Frauen häufig die Wohnungen wechseln, müssen die Prostituierten direkt und regelmäßig aufgesucht werden, um die neuen Frauen über das Bestehen von Nitribitt und das Vereinsangebot zu informieren und die bestehenden Kontakte zu vertiefen, um eine Vertrauensbasis herzustellen. In einigen Bereichen der Prostitution wechseln die betroffenen Frauen häufig, sodass die genannte Information nur durch regelmäßiges Aufsuchen der Wohnungen, Clubs etc. auch für Neuzugänge gewährleistet werden kann. Als Vertrauen schaffende Maßnahme werden bei der aufsuchenden Arbeit (Streetwork) neben der Verteilung der Flyer meist Kondome an die Prostituierten verteilt.

10. Wie viele Beratungsstellen für Prostituierte gibt es im Land Bremen, und wie sind diese personell und finanziell ausgestattet? Wie viele davon werden von Bund, Land bzw. Kommune in welchem Umfang finanziert?

Beratungen werden von den Gesundheitsämtern der Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven sowie vom Verein Nitribitt e. V. durchgeführt (siehe auch die Antwort zu Frage 9). Wegen zusätzlicher Aufgaben lässt sich der personelle und finanzielle Anteil nicht exakt angeben. Im Schwerpunkt STD der HIV/STDBeratung der Bremer Gesundheitsämter werden aus Landesmitteln ca. fünf Stellen vorgehalten (ärztliche und pflegerische Aufgaben, Sozialarbeit). Weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HIV/STD-Beratungen werden anteilig und flexibel eingesetzt. Darüber hinaus fallen Kosten für Sachmittel an.

Nitribitt e. V. ist in Bremen und Umland die einzige Beratungsstelle für Prostituierte und ihre Angehörigen, die sich um psychosoziale Fragen und Ausstieg aus der Sexarbeit kümmert. Die Beratungsstelle ist mit 1,15 Stellen ausgestattet und gewährleistet eine verlässliche und qualifizierte Beratungsarbeit. Hinzu kommen Honorarstunden für eine Streetworkerin. Darüber hinaus werden ehrenamtliche Beiträge geleistet. Der Verein wird von der Stadt Bremen über Zuwendungen gefördert (jährlich bis zu 70.400), um das Angebot aufrechterhalten zu können. Neben den Einnahmen aus öffentlichen Mitteln kann der Verein auf geringe weitere Einnahmequellen zugreifen. Hierzu gehören Vereinsbeiträge, Spenden und Geldzuweisungen aus Auflagen vom Gericht.

11. Welche konkreten Beratungsangebote gibt es, und sind diese kostenlos?

Siehe auch die Antwort zu den Fragen 9 und 10.

Sämtliche Angebote sind kostenfrei und beinhalten u. a. · aufsuchende Arbeit,

· eine ärztliche Untersuchung,

· eine psychosoziale Beratung,

· Impfung gegen Hepatitis B,

· Informationen zur Sozialversicherung,

· rechtliche und finanzielle Fragen.

Der medizinische Schwerpunkt liegt bei den Gesundheitsämtern. Die Aufgaben der HIV/STD-Beratung ergeben sich aus den gesetzlichen Grundlagen des Infektionsschutzgesetzes und des Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst. Nitribitt e. V. hat einen eher psychosozialen Ansatz.

12. Welche Ausstiegsprojekte für Prostituierte werden aktuell im Land Bremen gefördert, und wer finanziert diese?

Derzeit gibt es in Bremen kein konkretes Ausstiegsprojekt. Alle genannten Beratungsstellen unterstützen jedoch Ausstiegswünsche aus der Prostitution und beraten im Rahmen ihrer Möglichkeiten, wenn Prostituierte hierzu um Unterstützung bitten.

Nitribitt e. V. hat ein eigenes stufenorientiertes Ausstiegskonzept.

13. Welche Selbstvertretungsmöglichkeiten bestehen für Prostituierte im Land Bremen (wie beispielsweise runde Tische, Arbeitsgruppen)?

Der Verein Nitribitt e. V. als Interessenvertretung und Selbsthilfeeinrichtung für Sexarbeiterinnen bietet einmal im Monat ein offenes Frühstück an, bei dem sich die Sexarbeiterinnen und Ehemalige treffen, vernetzen und austauschen können.