Stromerzeugung

Im folgenden wird exemplarisch aufgezeigt, wie sich das Referenzszenario in den verschiedenen Fällen ermitteln lässt.

1) Brennstoffwechsel:

Unter Brennstoffwechsel ist der Einsatz eines anderen Brennstoffes zu verstehen, wobei folgende drei Unterkategorien unterschieden werden:

a) Brennstoffwechsel ohne Investition in eine Anlage

b) Brennstoffwechsel mit Investition in eine Anlage

c) Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Zu a) Brennstoffwechsel ohne Investition in eine Anlage Kann ein Brennstoff gewechselt werden, ohne dass eine wesentliche Änderung der bestehenden Anlage vorgenommen wird, gilt als Referenzszenario der Weiterbetrieb der Anlage in Verbindung mit dem erwarteten Aktivitätsniveau. Projektbeispiel 1:

Die Firma A verfügt über einen Fuhrpark mit zahlreichen dieselbetriebenen Fahrzeugen, die hauptsächlich im Hamburger Raum zu Auslieferungsfahrten eingesetzt werden. Zur Einsparung von CO2-Emissionen entscheidet sich das Unternehmen ohne irgendwelche äußeren Zwänge, in Zukunft Bio-Diesel einzusetzen. Die Verwendung fossilen Diesels kann daher für das Referenzszenario verwendet werden. Durch Angabe des erwarteten Gesamtverbrauchs des Fuhrparks im Laufe des Wettbewerbs lassen sich mit Hilfe des Emissionsfaktors für Diesel die Emissionen im Referenzszenario bestimmen. Die Fahrleistung sollte sich aus den bisherigen Daten bzw. möglichen Expansionsplänen konsistent ableiten lassen.

Weiteres Beispiel: Ko-Feuerung von Holz in Kohle beheizten Öfen

Zu b) Brennstoffwechsel mit Investition in eine Anlage Geht ein Brennstoffwechsel mit einer Investition in eine Anlage einher (z.B. beim Wechsel von Öl- auf Gasfeuerung), muss wie in den Fällen 2 oder 3 vorgegangen werden.

Zu c) Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Bei der Erzeugung von Strom durch erneuerbare Energien wird unterstellt, dass dieser an anderer Stelle nicht mehr durch konventionelle Anlagen erzeugt wird. Somit ist der spezifische Faktor für Emissionen bei der Stromerzeugung in Höhe von 600 g / zu verwenden und durch die Multiplikation mit der erwarteten Produktion an Kilowattstunden die Emissionen im Referenzfall zu bestimmen. (Es sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Anlagen, die bereits nach dem EEG gefördert werden, nicht teilnahmeberechtigt sind.)

2) Vorzeitiger Ersatz

Für diesen Fall ist zunächst zu zeigen, dass es sich bei dem Projekt um einen vorzeitigen Ersatz handelt. Es ist darzustellen, dass eine Anlage nicht ohnehin aufgrund ihres Zustandes erneuert worden wäre. Der Nachweis von vorzeitigem Ersatz ist erbracht, wenn die Betriebsund Reparaturkosten bei Weiterbetrieb der Anlage geringer sind, als die Summe aus Betriebsund Kapitalkosten einer Neuanschaffung. Da dieses abstrakte Kriterium im Einzelfall u.U. schwer zu berücksichtigen ist, sind je nach Projekt auch andere Nachweise denkbar: z. B. noch nicht erreichte vom Hersteller garantierte Mindestbetriebsstundenzahl; Anlage noch nicht abgeschrieben o.ä.. Als Referenzszenario gilt der Weiterbetrieb der Anlage in Verbindung mit dem erwarteten Aktivitätsniveau. Projektbeispiel 2

Firma B beschließt, den veralteten Heizkessel in ihrem Werk vor Ende seiner ökonomischen Lebenszeit durch eine effizientere Anlage, die mit dem gleichem Brennstoff betrieben wird, auszutauschen. Ein Ersatz wäre unter Berücksichtigung von Wartungs-, Reparatur- und Betriebskosten erst in drei Jahren gerechtfertigt. Der Weiterbetrieb des alten Heizkessels für drei Jahre wird für das Referenzszenario unterstellt. Da nicht absehbar ist, dass das Wetter im Laufe des Wettbewerbs in einer bestimmten Weise signifikant vom bisherigen Durchschnitt abweicht, sollte der durchschnittliche Brennstoffverbrauch aus den letzten 5 Jahren für die Berechnung der erwarteten Emissionen zugrunde gelegt werden. Unter Verwendung des Emissionsfaktors für den eingesetzten Brennstoff können dann die aus der Weiterverwendung des alten Heizkessel resultierenden Emissionen berechnet werden.

Weitere Beispiele: jeder vorzeitige Ersatz von Betriebsmitteln (z.B. Produktionsanlagen oder Fahrzeuge)

3) Kapazitätsausbau und Ersatzinvestition

Diese beiden Investitionsarten werden im Hinblick auf das Referenzszenario gleich behandelt.

Ein Kapazitätsausbau liegt vor, wenn die Gesamtkapazität (z.B. Produktion, Transport etc.) eines Unternehmens absolut erhöht wird. Um eine Ersatzinvestition handelt es sich, wenn eine Anlage am Ende ihrer ökonomischen Lebensdauer (siehe zur Abgrenzung: 2) vorzeitiger Ersatz) außer Betrieb genommen und durch eine neue Anlage ersetzt wird. Für derartige Vorhaben wird der Stand der Technik für die Ermittlung des Referenzszenarios verwendet.

Kann dieser nicht klar gefasst werden, kann als zweite Option der Ansatz die letzten vergleichbaren Investitionen verwendet werden.

Projektbeispiel 3: Wohnungsbaugesellschaft C plant in Hamburg den Neubau einer großflächigen Wohnanlage. In der Verordnung zur Umsetzung der Heizungskesselwirkungsgradrichlinie sind die Wirkungsgrade der einzusetzenden Heizkessel festgelegt. Die Gesellschaft entscheidet sich jedoch, einheitlich Wärmepumpen in den Gebäuden zu installieren. Der Einsatz der vorgeschriebenen Heizkessel wird als Referenzfall angelegt. Da nicht absehbar ist, dass das Wetter im Laufe des Wettbewerbs in einer bestimmten Weise signifikant vom bisherigen Durchschnitt abweicht, sollte der Wärmeverlust bei den durchschnittlichen Aussentemperaturen der letzten 5 Jahren in vergleichbaren Gebäuden unter Berücksichtigung der Energieeinsparverordnung für die Berechnung des Wärmebedarfs zugrunde gelegt werden. Unter Verwendung der Anforderungen der Verordnung zur Umsetzung der Heizungskesselwirkungsgradrichlinie können dann der theoretische Brennstoffbedarf und somit die Emissionen im Referenzfall berechnet werden.

Weitere Beispiele: Jeder Kapazitätsausbau oder Ersatz von Betriebsmitteln (z.B. Produktionsanlagen oder Fahrzeuge).