Welche Überlegungen zur zukünftigen Konzeption der Ausbildung

5. Im Koalitionsvertrag vom 19. Oktober 2001 heißt es: Durch geeignete Fördermaßnahmen werden die Deutschkenntnisse aller Kinder ab der ersten Klasse sichergestellt. In Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil erhalten Kinder, die eine Kindertagesstätte besuchen, schon vom dritten oder vierten Lebensjahr an ein Sprachtraining.

Gibt es in der zuständigen Behörde bereits Überlegungen zur Durchführung solcher Fördermaßnahmen?

a) Wenn ja, wie sieht diese Konzeption aus und wann soll mit deren Umsetzung begonnen werden?

Vgl. die Antworten zu 2. und zu 3.

5. b) Wenn nein, wann werden die konzeptionellen Überlegungen abgeschlossen sein?

Entfällt.

6. Welche Überlegungen zur zukünftigen Konzeption der Ausbildung bzw. zur Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern sind in diesem Zusammenhang angestellt worden?

In dem dreijährigen Bildungsgang Erzieherin/Erzieher wird in den drei Fachschulen für Sozialpädagogik in Hamburg ab August 2002 ein neuer Bildungsplan erprobt. Der Bereich Kommunikation und Sprache umfasst fünf Lernfelder mit insgesamt 400 Unterrichtsstunden und bildet damit einen Schwerpunkt der Ausbildung. In den Lernfeldern Sprachliche Kompetenzen fördern und Kinder- und Jugendliteratur vermitteln werden ausdrücklich Kompetenzen zur Sprachförderung vermittelt. In der Abschlussprüfung ist der Bereich Kommunikation und Sprache verbindliches schriftliches Prüfungsfach. Darüber hinaus können die zukünftigen Erzieherinnen und Erzieher im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts einen Vertiefungskurs zum Thema Sprachförderung wählen.

7. Der bedarfsgerechte Ausbau der vorschulischen Sprachförderung stellt höhere Anforderungen an die Qualifikation der in diesem Bereich Beschäftigten.

a) Welche Qualifikationen setzt der Senat für die Sprachförderung im Vorschulbereich voraus und wer soll diese Aufgabe übernehmen?

Die Qualifikationsanforderungen sind in den jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsordnungen festgelegt. Über neue Modelle und Materialien für die vorschulische Sprachförderung werden Erzieherinnen und Erzieher sowie Vorschulklassenleiterinnen und -leiter im Rahmen von einrichtungsbezogenen wie -übergreifenden Fortbildungsveranstaltungen informiert. Vgl. hierzu auch die Antworten zu 2., zu 3., zu 6. und zu 7.b).

7. b) Wie viele Vorschulklassenpädagoginnen und -pädagogen nahmen bisher an den Jahresseminaren zur Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache teil? Wird diese Fortbildung weiter angeboten? Ist eine Ausweitung bzw. sind weitere Fortbildungsmaßnahmen geplant?

Seit dem Schuljahr 2000/01 haben 33 Vorschulklassenleiterinnen an den Fortbildungsseminaren teilgenommen. Statt bisher ein Seminar werden ab dem Schuljahr 2002/03 vier Seminare für insgesamt 60 Teilnehmerinnen durchgeführt. Zu weiteren Maßnahmen siehe die Antwort zu 20. a).

8. Welche Kostenentwicklung hinsichtlich Ausbildungskosten und Gehaltskosten kalkuliert der Senat für den Ausbau der vorschulischen Sprachförderung?

Zusätzliche Ausbildungs- und Gehaltskosten entstehen durch die genannten Maßnahmen nicht.

9. Welche Überlegungen zur Sprachförderung von Kindern, die keine Kindertagesstätte und keine Vorschulklasse besuchen, gibt es vor dem Hintergrund der Koalitionsvereinbarung?

Die zuständige Behörde wird durch eine Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere durch gezielte Ansprache von Eltern, darauf hinwirken, dass möglichst alle Kinder, die einer Sprachförderung bedürfen, vor ihrer Einschulung eine institutionelle Förderung erhalten. In diesem Zusammenhang prüft die zuständige Behörde zurzeit die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für die Einrichtung von so genannten Vorlaufgruppen für die Sprachförderung von Kindern, die zum Zeitpunkt ihrer Anmeldung zur Einschulung über geringe Deutschkenntnisse verfügen und weder eine Kindertageseinrichtung noch eine Vorschulklasse besuchen.

10. Soll es zukünftig vor der Einschulung von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, eine Überprüfung der Deutschkenntnisse geben? Wenn ja, welches methodische Verfahren hält der Senat für angemessen?

Im Auftrag der zuständigen Behörde wird zurzeit unter der Leitung von Professor Hans H. Reich am Institut für Interkulturelle Bildung der Universität Koblenz-Landau ein einfach zu handhabendes Screening-Verfahren entwickelt, das die Identifizierung von Kindern im Alter zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Jahren mit Sprachentwicklungsverzögerungen oder mit geringen Deutschkenntnissen ermöglicht. Das Verfahren dient der Diagnose des Sprachentwicklungsstandes und liefert Anhaltspunkte für die Sprachförderung in der Zeit bis zum Eintritt in die Grundschule. Es soll sowohl für einsprachig deutsche als auch für zweisprachig aufwachsende Kinder geeignet sein. Bei Kindern, die Deutsch als zweite Sprache erwerben, soll der Entwicklungsstand in beiden Sprachen erhoben werden. Das Verfahren beruht auf der Methode der Profilanalyse; dabei werden mündliche Äußerungen der Kinder auf Ton4 band aufgezeichnet und nachträglich im Hinblick auf aussagekräftige sprachliche Gesichtspunkte analysiert.

Die Erprobung wird im Schuljahr 2002/03 voraussichtlich in 25 Einrichtungen (Vorschulklassen und Kindertageseinrichtungen) erfolgen, die flächendeckende Einführung ist für das Schuljahr 2003/04 geplant.

11. Plant der Senat, Kinder, die das sechste Lebensjahr vollendet haben und die nötige Reife besitzen, aber nicht über hinreichende Deutschkenntnisse verfügen, vom Schulbesuch zurückzustellen? Welche Fördermaßnahmen sind für diese Kinder vorgesehen?

Nein. Die zuständige Behörde prüft zurzeit die Einrichtung von so genannten Fördergruppen für Kinder, die ohne ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache in die erste Klasse der Grundschule eintreten. In diesen Gruppen sollen die Schülerinnen und Schüler ergänzend zum Regelunterricht täglich ein bis zwei Stunden Deutschförderunterricht erhalten. Vgl. auch die Antwort zu 9.

12. Wie aus der Sprachstandserhebung aus dem Jahr 2000 bekannt ist, ist die Sprachentwicklung von Kindern auch bei Besuch von Einrichtungen des Elementarbereiches deutlich geprägt durch die Bedingungen des familiären Umfeldes. Welche Maßnahmen zur sprachlichen Förderung von Eltern wurden in der vergangenen Legislatur durchgeführt?

a) Wie viele Eltern wurden mit diesen Maßnahmen erreicht? Werden die bisherigen Maßnahmen in vollem Umfang fortgesetzt bzw. ist eine Ausweitung geplant? Wenn ja, in welchem Umfang werden hierfür zusätzliche Mittel bereitgestellt?

Seit April 2000 werden für Mütter zweisprachig aufwachsender Kinder, die eine Vorschulklasse besuchen, Deutschkurse eingerichtet. Träger dieser Kurse ist die Hamburger Volkshochschule. Die Sprachkurse finden zweimal wöchentlich mit je zwei Unterrichtsstunden nach Absprache mit der jeweiligen Schule und den Müttern vormittags in den Räumlichkeiten der jeweiligen Grundschule statt. Das Kursangebot wurde zwischenzeitlich auf 32 Kurse mit ca. 350 Teilnehmerinnen ausgeweitet. Eine weitere Aufstockung auf 47 Kurse für ca. 550 Teilnehmerinnen noch im Jahr 2002 ist in Vorbereitung. Hierfür wurden im Haushalt 2002 zusätzlich 125000 E bereitgestellt. Zu Einzelheiten siehe die Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage Drucksache 17/299.

12. b) In welcher Weise findet eine Verknüpfung von Sprachförderung für Eltern mit der Sprachförderung für Kinder statt?

Die Kurse finden in den Schulen der Kinder in der Regel parallel zum Unterricht statt. Die Mütter hospitieren zum Teil in den Klassen ihrer Kinder und erhalten in den Kursen unter anderem Hinweise und Anregungen, wie sie die Lernprozesse ihrer Kinder wirksam unterstützen können.

Handlungsfeld 2: Maßnahmen zur besseren Verzahnung von vorschulischem Bereich und Grundschule mit dem Ziel einer frühzeitigen Einschulung

Die PISA-Studie hat gezeigt: In den Ländern, die erfolgreich sind, setzt Bildung früher ein und kommt der vorschulischen Bildungsarbeit ein großer Stellenwert zu. Pädagog/innen in der Elementarerziehung sind in der Regel besser ausgebildet als in Deutschland.

In Hamburg existiert im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern mit der Vorschule eine der Schule vorgeschaltete Institution, die in erster Linie eine Bildungs- und nicht eine Betreuungsfunktion hat.

Die vorzeitige Einschulung wurde durch das Hamburgische Schulgesetz von 1997 erleichtert.

Der Anteil der vorzeitig eingeschulten Kinder steigt in Hamburg seit einigen Jahren an, im laufenden Schuljahr waren es 1194. Die Anzahl der Kinder, die vom Schulbesuch zurückgestellt werden, ist hingegen rückläufig, im laufenden Schuljahr waren es 562.

13. Welche Kooperationen zwischen der Grundschule und vorschulischen Einrichtungen gibt es bisher in Hamburg?

a) Sind diese eher punktuell oder liegt ihnen eine bestimmte Konzeption zugrunde?

Die Kooperation mit benachbarten Schulen ist Bestandteil des Auftrags und Konzepts der Kindertageseinrichtungen. Angesichts der sehr unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten ­ es gibt Kindertageseinrichtungen, die mit nur einer, und solche, die mit mehreren Schulen kooperieren ­ gibt es keine einrichtungsübergreifende Konzeption, vielmehr richten sich die Kooperationen nach den jeweiligen örtlich gegebenen Verhältnissen.

Grundlage der Kooperation von Vorschulklassen mit Kindertageseinrichtungen und Grundschulen sind die Richtlinien für die Erziehung in Vorschulklassen. Der in dem Abschnitt Zusammenarbeit mit den Pädagogen des Elementarbereichs und der Grundschule (1.15) formulierte Auftrag zielt darauf, die Kontinuität der Erziehungsprozesse zu gewährleisten. Vgl. hierzu auch die Antwort zu 14.

13. b) In welcher Form werden diese durch die BBS unterstützt?

Die Kooperationsprojekte werden bilateral zwischen den beteiligten Einrichtungen vereinbart, eine zentrale Steuerung findet nicht statt. 13. c) Sind weitere Institutionen, beispielsweise die Beratungsstelle für besondere Begabungen, in diese Kooperationen einbezogen?

Kooperationen mit weiteren Institutionen wie der Beratungsstelle besondere Begabungen finden anlassbezogen statt, so etwa zur Klärung der Frage der vorzeitigen Einschulung eines Kindes oder zu spezifischen vorschulischen bzw. außerschulischen Fördermöglichkeiten.

14. Welche Überlegungen hat der Senat, die Übergänge zwischen Kindergarten, Vorschule und Grundschule fließender zu gestalten?

Die Gestaltung der Übergänge zwischen Kindergarten, Vorschulklasse und Grundschule sind Gegenstand der Überarbeitung der Richtlinien für die Erziehung in Vorschulklassen, die nach den gegenwärtigen Planungen zum Schuljahr 2003/04 in Kraft treten sollen. Konzeptionelle Überlegungen der zuständigen Behörde richten sich unter anderem auf eine jahrgangsübergreifende Unterrichtsorganisation, die das Vorschuljahr sowie die Klassenstufen 1 und 2 der Grundschule umfassen.

15. Welche organisatorischen und räumlichen Veränderungen hält der Senat für sinnvoll, um eine engere Kooperation zwischen Kindertagesstätten, Vorschule und Grundschule zu ermöglichen?

a) Wann ist mit ersten Veränderungen zu rechnen?

Kindergärten und Grundschulen mit Vorschulklassen, die in örtlicher Nähe zueinander liegen, nutzen bereits heute den jeweiligen Gegebenheiten entsprechend Räume gemeinsam; Veränderungen sind nicht geplant.

15. b) Welchen Stellenwert hat die Elternarbeit in diesem Zusammenhang und wie soll diese in Zukunft ausgestaltet werden?

Der Senat misst der Elternarbeit einen hohen Stellenwert zu. Sie ist integraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit der Kindertageseinrichtungen und Schulen und wird durch die Veröffentlichung von Informationsmaterialien (z.B. vom Arbeitskreis Neue Erziehung e.V., Berlin, herausgegebene Elternbriefe) unterstützt. Zur weiteren Intensivierung der Elternarbeit ist die Herausgabe einer Broschüre vorgesehen, die die Eltern von Vorschulkindern über die vielfältigen Möglichkeiten der familiären und institutionellen Sprachförderung ihrer Kinder informiert; die Fertigstellung ist für September 2002 vorgesehen.

16. Hält der Senat es für sinnvoll, gemeinsame aufeinander aufbauende Lernziele für den vorschulischen und den Grundschulbereich zu entwickeln? Wenn ja, welche konzeptionellen Überlegungen gibt es hierzu? Wann kann mit einer Einführung bzw. Erprobung gerechnet werden?

Ja. Die Neufassung der Richtlinien für die Erziehung in Vorschulklassen, die zum Schuljahr 2003/04 wirksam werden soll, und der neue Bildungsplan für die Grundschule, dessen Entwurfsfassung zu Beginn des Schuljahres 2002/03 vorliegen soll, werden den Gesichtspunkt einer kontinuierlichen Förderung ausdrücklich berücksichtigen. Für die Abstimmung der vorschulischen Bildung und Erziehung mit der pädagogischen Arbeit in der Grundschule wurde eine ämterübergreifende Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern des Amtes für Kindertagesbetreuung und des Amtes für Schule eingesetzt. Geprüft werden darüber hinaus Möglichkeiten berufsgruppenübergreifender Fortbildungsmaßnahmen.

17. Inwieweit gibt es Überlegungen, auch nicht pädagogisches Personal und andere Institutionen in die vorschulische Bildungsarbeit einzubeziehen?

Die Einbeziehung nicht pädagogischen Personals und anderer Institutionen wie z. B. der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen in die vorschulische Bildungs- und Erziehungsarbeit ist bereits heute Praxis der Kindertageseinrichtungen. Der Senat hält eine Ausweitung solcher Kooperationen für wünschenswert. Ihre Umsetzung liegt in der Verantwortung der jeweiligen Einrichtungen, die durch Veröffentlichung von Good-practice-Beispielen unterstützt werden kann.

18. Ist vorgesehen, die Richtlinien für die Vorschulklassen zu verändern? Wenn ja, mit welcher Zielrichtung? Ist in diesem Zusammenhang eine Anbindung der Vorschule an die Verlässliche Halbtagsgrundschule geplant?

Ja. Eine zentrale Zielsetzung der Neufassung der Richtlinien für die Erziehung in Vorschulklassen ist die Stärkung der vorschulischen Sprachförderung, insbesondere für Kinder mit Migrationshintergrund, und eine enge Abstimmung mit dem Bildungsplan für die Grundschule. Eine Einbindung der Vorschulklassen in den organisatorischen Rahmen der Verlässlichen Halbtagsgrundschule ist bereits nach den geltenden Richtlinien möglich. Im Übrigen vgl. auch die Antwort zu 14.

19. Den Kindertageseinrichtungen wird zukünftig verstärkt neben der Betreuung auch ein Bildungsauftrag zukommen. Gibt es Überlegungen, in diesem Bereich verbindliche Standards zu setzen?

Der Bildungsauftrag der Kindertageseinrichtungen wird zukünftig eine stärkere Betonung und deutlichere Akzentuierung erfahren. Die Möglichkeit inhaltlicher Vorgaben findet dabei ihre Grenzen, die sich aus der gesetzlich verankerten Struktur der Jugendhilfe und der Trägerautonomie ergeben.