Kinder lernen Deutsch in Krippe und Kindergarten

Die sichere altersgemäße Beherrschung der Sprache ist für Kinder die Voraussetzung für Chancengleichheit, für schulischen Erfolg und Lust am Lernen.

Kinder nicht deutscher Muttersprache brauchen für das Erlernen der deutschen Sprache eine qualitativ hochwertige, gezielte, ihrem Alter und ihren Vorkenntnissen entsprechende Förderung und viel Zeit. Das ist das Ergebnis der gemeinsamen Anhörung von Expertinnen und Experten des Jugendund des Schulausschusses vom 20. Juni 2002. Alleinige wöchentliche Deutschkurse für Fünfjährige, so die einhellige Meinung der Expertinnen und Experten, sind nicht Erfolg versprechend. Zum Erlernen einer zweiten Sprache brauchen die Kinder eine kontinuierliche Förderung von vier bis sieben Jahren Dauer. Voraussetzung ist zudem eine sorgfältige individuelle Diagnose und Beobachtung des Sprachstands, eine qualifizierte Förderung durch Erzieherinnen, die bereits in Beziehung zu den Kindern stehen, und ein wertschätzender Umgang mit der Muttersprache der Kinder. Die Einbeziehung der Eltern und insbesondere die Sprachförderung für die Mütter wurde als weitere wichtige Grundvoraussetzung für den Erfolg der Kinder benannt.

Die Bürgerschaft möge beschließen:

Der Senat wird aufgefordert:

1. In Absprache mit den Trägern, den Aus- und Fortbildern eine Qualifizierungsoffensive Sprachförderung in der Kita für Erzieherinnen und Erzieher aufzulegen.

2. In die Qualitätsentwicklungsvereinbarungen mit Trägern aufzunehmen, dass Sprachförderung an den Kitas von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet wird und nicht Aufgabe von Honorarkräften ist.

3. Einen Plan aufzustellen, an welchen Standorten bereits Sprachförderung auf Grundlage der neuesten Erkenntnisse durchgeführt wird und welche Standorte im nächsten und übernächsten Kindergartenjahr ausgebaut werden sollen.

4. In Kooperation zwischen dem Amt für Kindertagesbetreuung und dem Amt für Schule einen Bildungsplan Sprachförderung zu erstellen, der die Zusammenarbeit von Kitas und Schule koordiniert.

5. Die Entwicklung einer Sprachstandserhebung, die die Sprachentwicklung der Kinder bei Eintritt in den Kindergarten und bei Schuleintritt untersucht. Diese Untersuchung dient nicht nur der weiteren angemessenen Förderung der Kinder, sondern evaluiert auch den Sprachförderungserfolg der Kindertagesstätten.

6. Das Programm zur Sprachförderung von Müttern in den Krippen und Kindergärten ihrer Kinder in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und anderen Bildungsanbietern weiterzuentwickeln und auszubauen.

7. Über den Fortgang dieser Bemühung im Dezember 2002 zu berichten.