Belastungen des Grundwassers in Hamburg-Neuland

Über den Umgang mit den Belastungen des Grundwassers in Neuland wird derzeit öffentlich diskutiert. Der Solidarkreis der Siedler aus Wilhelmsburg, Harburg und Süderelbe sieht einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den derzeit im Gewerbegebiet Prime Park ausgeführten Rammarbeiten und der Messung von Vinylchlorid in umliegenden Gräben.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat:

1. Seit wann sind der Umweltbehörde die Schadstoffbelastungen des Grundwassers in Neuland bekannt? Welche Bereiche sind in welchem Umfang von der Belastung betroffen?

In dem Gebiet Harburg/Neuland laufen seit mehreren Jahren Untersuchungen zur Ermittlung der Ursachen von Grundwasserverunreinigungen. Im Zusammenhang mit der Sielbaumaßnahme Gewerbeerschließung Neuländer Straße sind im August 2001 Grundwasserbelastungen durch LCKW (leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe) festgestellt worden. Am 8. August 2001 wurde der zuständigen Behörde bekannt, dass in der Messstelle PB 2 (siehe anliegenden Lageplan) erhöhte Gehalte, insbesondere an cis-1,2-Dichlorethen (270 µg/l) und Vinylchlorid (70 µg/l), gefunden wurden. Am 23. April 2002 wurde die Umsetzung eines zwischenzeitlich entwickelten Gesamt-Untersuchungskonzeptes für das Grundwasser mit einem Ingenieur-Auftrag vergeben.

Die im Juni 2002 durchgeführten Sondierungen mit Wasserprobenahme aus verschiedenen Grundwasserhorizonten sind ebenfalls in dem Lageplan dargestellt. Hohe LCKW-Konzentrationen wurden in den Sondierungen S8, S6, S5, S3, S4, S17, S16, S1 und S2 nachgewiesen. Die maximale Konzentration an Vinylchlorid wurde mit 1700 µg/l in S1 gefunden, die maximale Konzentration an cis-1,2 Dichlorethen mit 4120 µg/l in S2. Nach Osten und nach Süden sind weitere Sondierungen zur Abgrenzung der Kontamination geplant.

2. Welche Einschränkungen (und Vorsichtsmaßnahmen) ergeben sich nach Erkenntnissen der Umweltbehörde daraus:

a) Für die Verwendung des Grundwassers zur Bewässerung von Gemüse- und Obstgärten?

Die Belastung des Grabenwassers mit Vinylchlorid wurde der Umweltbehörde am 27. März 2002 vom Ingenieurbüro eines Bauherrn mitgeteilt. Nach Verifizierung der Befunde wurden die Anwohner in einem Schreiben der zuständigen Dienststelle vom 12. Juni 2002 hierüber informiert, verbunden mit der Bewertung, dass eine akute Gefahr nicht besteht. Gleichzeitig wurden sie zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 21. Juni 2002 eingeladen, in der sie detaillierte Informationen zum derzeitigen Sachstand erhielten. Die Ergebnisse der chemischen Untersuchungen wurden unter toxikologischen Gesichtspunkten eingeordnet und die gesundheitliche Bewertung umweltmedizinisch differenziert dargelegt. Als vorsorgliche Maßnahmen im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes wurde insbesondere empfohlen, das Grund- und Grabenwasser nicht zum Bewässern von Nahrungspflanzen und auch nicht zur Zubereitung von Speisen und Getränken zu verwenden.

2. b) Für Bauarbeiten im Untergrund, insbesondere Gründungsarbeiten im Bereich des schadstoffbelasteten Grundwassers?

Bei das Grundwasser freilegenden Eingriffen in den Boden können Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen erforderlich werden, über die im jeweiligen Einzelfall zu entscheiden ist.

Bei Tiefgründungen mit Pfählen sollen nur Systeme verwendet werden, bei denen ein Aufsteigen von Grundwasser entlang der Pfahlschäfte minimiert wird.

3. Wurden die Anwohner im Umfeld der Baustelle rechtzeitig über den Sachverhalt und mögliche Gesundheitsrisiken informiert? Wenn ja, wann und in welcher Form? Wenn nein, warum nicht?

Siehe Antwort zu 2. a).

4. Wie sind nach Einschätzung der Behörde die Schadstoffe aus dem Grundwasser ins Oberflächenwasser gelangt? In welchem Zeitraum?

Bei der Entwässerung des Marschbodens fließen Anteile des Grundwassers in die Gräben. Hierbei sind vermutlich auch Schadstoffe in das Oberflächenwasser gelangt. Über den Zeitraum des Eintrages liegen keine Erkenntnisse vor.

5. Warum wurde bei den aktuellen Bauarbeiten ein anderes Gründungsverfahren gewählt und genehmigt als bei den bereits fertig gestellten Bauabschnitten?

Bei den aktuellen Bauarbeiten wurden Rammpfähle gewählt, da diese gegenüber Bohrpfählen keinerlei Setzungserscheinungen aufweisen. Setzungsfreiheit ist Voraussetzung für den Einsatz der hochsensiblen Maschinen, mit denen der künftige Betrieb arbeiten wird.

6. Ist mit einer anhaltenden bzw. zunehmenden Belastung der Oberflächengewässer zu rechnen? Wie ist Art und Umfang der Belastung bezüglich der Umweltgefährdung, der Gesundheitsrisiken für die Siedler und der Bewirtschaftung des Bodens jetzt und in Zukunft einzuschätzen?

Über den künftigen Konzentrationsverlauf in den Oberflächengewässern sind genauere Angaben erst nach Bewertung der ausstehenden Untersuchungen im Grundwasser möglich; mit einer weiteren Belastung muss gerechnet werden.

Wie oben zu 2. a) dargelegt, besteht nach den vorliegenden Erkenntnissen keine akute Gesundheitsgefährdung der Siedler. Weitere Empfehlungen oder Maßnahmen sind auf Grundlage der Ergebnisse der eingeleiteten Untersuchungen zu treffen.

7. Welche Sanierungsmaßnahmen sind in Anbetracht dieser Sachverhalte eingeleitet oder bereits durchgeführt worden?

Es ist davon auszugehen, dass der Grundwasserschaden auf private Verursacher zurückzuführen ist.

Im westlichen Grundwasseranstrom wird auf einem Privatgrundstück seit 1993 eine hydraulische Grundwassersanierung durchgeführt. Weitere Sanierungsmaßnahmen können sinnvoll erst konzipiert werden, wenn Art und Ausmaß des Schadens hinreichend erkundet worden sind.