Einrichtung einer Produktionsschule

Die Grundlagenvereinbarung über eine Koalition zwischen SPD und GAL sieht im Punkt die Einrichtung einer Produktionsschule mit 40 Plätzen für 1998 vor. Presseberichten zufolge soll diese Schule nach dänischem Vorbild in Altona zum 1. August 1998 in der Leverkusenstraße als Modellprojekt eingerichtet werden, um als Alternative zu den Berufsvorbereitungsklassen der beruflichen Schulen, besonders benachteiligten Jugendlichen ohne Schulabschluß, eine Hinleitung zu Ausbildung und Ausbildungsabschlüssen zu ermöglichen.

Ich frage den Senat:

1. Ist es sichergestellt, dass die Produktionsschule ihren Betrieb zum 1. August 1998 aufnehmen kann?

Nach gegenwärtigem Planungsstand: Ja.

2. Welche besonderen Zugangsvoraussetzungen müssen die Schülerinnen und Schüler - auch im Vergleich zu den Berufsvorbereitungsklassen (BVK) der Berufsschulen bzw. zum Programm Qualifizierung für Schulabgänger (QUAS) ­ erfüllen, um die Produktionsschule besuchen zu können?

Keine. Die Produktionsschule wird in erster Linie Schülerinnen und Schüler aufnehmen, die eine allgemeinbildende Schule ohne Schulabschluß verlassen und durch eine praxisorientierte Berufsvorbereitung angesprochen werden.

3. An der Produktionsschule sollen die Schülerinnen und Schüler ganztags sowohl unterrichtet werden als auch praktisch arbeiten.

In welcher Weise werden die Schülerinnen und Schüler durch den Unterricht an der Produktionsschule auf den Hauptschulabschluß vorbereitet?

Haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, den Hauptschulabschluß direkt an der Produktionsschule zu erwerben? Wenn nein:

a) Aus welchen Gründen nicht?

b) Welche weiteren Möglichkeiten zum Erwerb eines Schulabschlusses werden den Schülerinnen und Schülern dieses Modellprojektes generell geboten?

Das Nachholen des Hauptschulabschlusses soll zwar ermöglicht werden, steht jedoch nicht im Mittelpunkt der Zielsetzung der Produktionsschule. Ihr vorrangiges Ziel ist es, Jugendliche auf den Übergang in eine betriebliche Berufsausbildung ­ ersatzweise auf eine außerbetriebliche Berufsausbildung oder Beschäftigung ­ vorzubereiten. Mit dem erfolgreichen Abschluß der dualen Berufsausbildung erhalten die Jugendlichen einen Abschluß, der den Berechtigungen des Hauptschulabschlusses entspricht.

Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Wolfgang Drews (CDU) vom 04. 06. 98 und Antwort des Senats

Betreff: Einrichtung einer Produktionsschule

Welche Angebote bzw. Maßnahmen zur Förderung lernschwacher, lernunmotivierter oder mit sozialen Problemen belasteter Jugendlicher sieht der Modellversuch vor?

Welche Betriebe und überbetrieblichen Werkstätten konnten bereits für eine Zusammenarbeit mit der Produktionsschule gewonnen werden?

Welche praktischen Kenntnisse sollen dort den Schülerinnen und Schülern in welchen Ausbildungsberufen konkret vermittelt werden?

In der Produktionsschule soll die Produktion von Waren und Dienstleistungen an einem Ort mit der Vermittlung der dazu gehörenden theoretischen Inhalte verknüpft werden. Die Waren und Dienstleistungen sollen auf dem freien Markt verwertet werden.

Der Standort der Produktionsschule in der Leverkusenstraße im Gewerbegebiet wurde gewählt, um die Zusammenarbeit mit dort ansässigen Betrieben zu ermöglichen. Darüber hinaus sollen die Qualifizierungskapazitäten der Träger Bildungswerkstatt Altona (Metall- und Holztechnik), Jugendhilfe Ottensen e.V. (Gartenbau, Bürobereich), Nutzmüll e.V. (Raumausstattung, Malerwerkstatt), Stadtteilkulturzentrum. Die Motte (Zweiradwerkstatt, Druckerei) mitgenutzt werden. Gegenwärtig ist noch nicht abschließend geklärt, welche Gewerke neben einem Küchen- und Kantinenbereich in der Produktionsschule zusätzlich eingerichtet werden.

4. 1993 ist vom Senat die Einführung einer Produktionsschule (Drucksache 14/2791 vom 11. November 1992) abgelehnt worden. Nach Berechnungen der BSJB wären zum damaligen Zeitpunkt für die Einrichtung einer 90 Plätze umfassenden Schule Investitionen in Höhe von 2 Millionen DM erforderlich gewesen und Betriebskosten von 3,83 Millionen DM entstanden.

Welche einmaligen Kosten werden für die Einrichtung und welche laufenden Kosten werden für den Betrieb dieser Schule entstehen, und aus welchen Haushaltstiteln erfolgt ihre Finanzierung?

Wie viele Stellen für Lehrer, Sozialpädagogen und sonstige Mitarbeiter sind für den Betrieb der Produktionsschule erforderlich?

Die Bürgerschaft hat am 29. April 1998 die vom Senat vorgelegte Ergänzung des Haushaltsplan-Entwurfs 1998 (Drucksache 16/220 vom 23. Dezember 1997) beschlossen. Die einmaligen Kosten für die Einrichtung einer Produktionsschule sind mit 500 TDM beziffert und im Haushaltstitel 3250.893.

Zuschüsse zu Investitionen des Hamburger Ausbildungsprogramms ausgewiesen. Die laufenden Kosten der Produktionsschule sind mit 20 TDM je Jahr und Platz angesetzt und beim Haushaltstitel 3250.685.42 Zuschüsse zu den laufenden Kosten von Berufsvorbereitungsmaßnahmen im Rahmen der Produktionsschule veranschlagt.

Beim künftigen Träger der Produktionsschule sollen sechs Stellen für Anleiter, Lehrer und Sozialpädagogen finanziert werden. Darüber hinaus werden für den integrierten Berufsschulunterricht 1,5

Lehrerstellen von der zuständigen Behörde zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt die Nutzung personeller Ressourcen der Kooperationspartner der Produktionsschule.

In welcher Höhe wird die praktische Arbeit in Form eines Schülergeldes vergütet?

Mit welchem Erlös durch den Verkauf der in der Produktionsschule hergestellten Erzeugnisse rechnet die BSJB, und welcher Verwendung werden die Erlöse zugeführt?

Vorgesehen ist, das sogenannte Schülergeld in ein Fixum und in eine ertragsabhängige Komponente zu unterteilen. Da gegenwärtig nicht vorhersehbar ist, welcher Ertrag (definiert als Differenz zwischen Erlös und Materialaufwand) durch den Verkauf der von der Produktionsschule hergestellten Güter oder Dienstleistungen erzielt wird, lässt sich die Höhe des Schülergeldes noch nicht beziffern.

Wie hoch werden die Kosten pro Teilnehmer und Jahr an der Produktionsschule sein, und wie hoch sind die entsprechenden Kosten bei den BVK und bei QUAS im Vergleich?

Die Gesamtkosten der Produktionsschule je Teilnehmer und Jahr betragen etwa 24 300 DM (20 000 DM Zuwendungen plus 4300 DM Personalkosten für den Berufsschulunterricht). Demgegenüber betragen die Personalkosten für das Berufsvorbereitungsjahr etwa 13 700 DM je Schüler und Jahr und die Personalkosten und Praktikumsvergütungen für QUAS zusammen etwa 16 500 DM je Teilnehmer und Jahr.

5. Ist es geplant, das Modellprojekt Produktionsschule auszuweiten und diese Schulen auch in anderen Stadtteilen einzurichten? Wenn ja: In welchen Stadtteilen und ab wann?

Nach gegenwärtigem Planungsstand: Nein.

6. Wann wird die Bürgerschaft über die Einrichtung des Modellprojektes Produktionsschule informiert?

7. Ist geplant, die Bürgerschaft über den Erfolg dieser Maßnahme zu unterrichten? Wenn ja:

Wann und in welchen zeitlichen Abständen soll dies erfolgen? Wenn nein: Warum nicht?

Siehe Antwort zu 4.1. und 4.2.

Die Bürgerschaft wird mit dem jährlichen Bericht zur Ausbildungssituation über die Einrichtung (1998) sowie (in den Folgejahren) über den Erfolg der Maßnahme unterrichtet.