Ohne Kinderbetreuung läuft nichts: Berufs(wieder)einstieg und Sicherstellung der Kinderbetreuung

Noch immer sind fast ausschließlich Frauen mit dem Problem konfrontiert, Beruf und Aufgaben in der Familie miteinander zu vereinbaren. Unterbrechen sie wegen der Kinderbetreuung ihre Erwerbstätigkeit, finden sie anschließend nur schwer wieder Zugang zum Arbeitsmarkt.

Es gelingt ihnen vielfach nicht, sich in dieser Lebensphase noch eine tragfähige berufliche Existenz und eine eigenständige Alterssicherung aufzubauen. Dies gilt regelmäßig auch dann, wenn sie die Berufstätigkeit nicht unterbrechen, sondern lediglich reduzieren. Denn Teilzeitarbeit wird oft nur im Bereich der weniger qualifizierten Tätigkeiten angeboten und mündet nicht selten in geringfügige Beschäftigung. Mit den spezifischen Bedingungen weiblicher Erwerbstätigkeit ist es schließlich auch zu erklären, dass Frauen weniger häufig von den Instrumenten der aktiven Arbeitsmarktpolitik profitieren.

Die Erprobung zusätzlicher Wege in der Arbeitsmarktpolitik muss der Frage nachgehen, wie die Erwerbstätigkeit von Frauen durch die Bereitstellung geeigneter Kinderbetreuung gefördert werden kann. Kinderbetreuungsmöglichkeiten nach den individuellen Bedürfnissen müssen integraler Bestandteil der Maßnahmen zur Vermittlung in den Ersten Arbeitsmarkt bzw. zur beruflichen Qualifizierung sein. Frauen nehmen seltener an Weiterbildung teil, wenn Kinder unter 14 Jahren im Haushalt leben. Hinzu kommt, dass auch die zeitliche Organisation von Weiterbildungsmaßnahmen eine Vereinbarkeit mit familiären Verpflichtungen erschweren kann. Fehlende Kinderbetreuung ist das Haupthindernis für Weiterbildung und eine Beschäftigung, die von den meisten Frauen ausdrücklich angestrebt wird.

Der Ausbau von Tageseinrichtungen zur Kinderbetreuung ermöglicht es Eltern, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, und trägt zur Vermeidung von Familienarmut bei.

Es gilt den Bildungs- und Erziehungsanspruch von Kindern einzulösen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund fragen wir den Senat.

Die Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Kindererziehung einerseits und Erwerbstätigkeit, Aus- und Weiterbildung und Studium andererseits für alle Eltern und insbesondere für Frauen zu verbessern, zählt zu den zentralen Zielsetzungen des Senats. Daher misst er der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege wegen ihrer familienergänzenden und bildungspolitischen Dimension eine hohe Bedeutung zu. Die zuständige Behörde prüft deshalb, wie eine Reorganisation der Angebotsplanung und der Finanzierung der Kindertagesbetreuung in Hamburg erreichbar ist. Angesichts der schwierigen Haushaltslage muss jede Anstrengung unternommen werden, die Effizienz des Mitteleinsatzes und damit die Reichweite der Kindertagesbetreuung zu steigern.

Dies vorausgeschickt, beantwortet der Senat ­ unter Einbeziehung von Auskünften des Arbeitsamtes Hamburg ­ die Fragen wie folgt.

1. Wie viele Alleinerziehende (Frauen und Männer bitte gesondert ausweisen) waren in den Jahren 2000, 2001 und im laufenden Jahr in Hamburg als erwerbsuchend gemeldet?

Wie viele davon befanden sich im Erziehungsurlaub (Frauen und Männer bitte gesondert ausweisen)?

Wie viele Kinder in welchem Alter haben die Alleinerziehenden zu versorgen?

Wie viele sind auf staatliche Unterstützung angewiesen (Sozialhilfe/Arbeitslosengeld/Arbeitslosenhilfe bitte getrennt ausweisen)? (Frauen und Männer bitte gesondert aufführen.)

Im Jahr 2000 waren im Jahresdurchschnitt 45115 Männer und 29541 Frauen, im Jahr 2001 im Jahresdurchschnitt 42757 Männer und 27891 Frauen und im Mai 2002 47091 Männer und 30184 Frauen als arbeitslos gemeldet.

Die Arbeitslosenstatistik der Arbeitsverwaltung erhebt die Zahl der Arbeitslosen nicht nach Familienstand, Kinderzahl und Anspruch auf staatliche Unterstützung.

Wichtig ist auch die Anmerkung, dass Arbeitslose diejenigen sind, die der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen. Das bedeutet, dass Erziehende die Kinder so untergebracht haben, dass eine Voll- oder Teilzeitarbeit zu bestimmten festen und marktüblichen Arbeitszeiten möglich ist. Erziehende ohne gesicherte Kinderbetreuung stehen der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung und gelten deshalb nicht als arbeitslos.

Wie viele (Frauen und Männer bitte gesondert aufführen) haben nach Angeboten für eine Weiterqualifizierung nachgefragt?

Im Mai 2002 nahmen insgesamt 7973 Personen an Weiterqualifizierungsmaßnahmen teil, davon 4291

Männer und 3682 Frauen. Die Anzahl aller Nachfragen wird nicht erfasst.

Welche durchschnittliche Dauer haben vorhandene Sind es eher Maßnahmen von kurzer Dauer (bis zu einem halben Jahr) oder Maßnahmen, die ein Jahr und länger dauern?

Die Dauer der geförderten Weiterbildungsmaßnahmen richtet sich nach Lernziel und Zielgruppe. Die Maßnahmen dauern zwischen einem Monat und zwölf Monaten. Etwa die Hälfte der Maßnahmen dauert von einem Monat bis sechs Monate, die andere Hälfte von sieben bis zwölf Monate.

Wie ist für diese Maßnahmen eine Kinderbetreuung gewährleistet?

Die Betreuung wird durch Tagesmütter, Kindergärten und andere Betreuungseinrichtungen geleistet.

Wie hoch ist die Nachfrage nach Umschulungsmaßnahmen? (Frauen und Männer bitte gesondert aufführen.)

Im Mai 2002 nahmen insgesamt 3785 Personen teil, davon 1968 Männer und 1817 Frauen. Der Frauenanteil liegt hier mit 48 Prozent etwas höher als im Gesamtbereich der beruflichen Weiterbildung, der bei 46,6 Prozent liegt.

Welche durchschnittliche Dauer haben vorhandene Umschulungsmaßnahmen?

Bei Vollzeitumschulungen beträgt die Dauer 21 Monate, einige wenige Umschulungen umfassen einen Zeitraum von 24 Monaten, Teilzeitumschulungen dauern ca. drei Jahre.

Wie ist für diese Maßnahmen eine Kinderbetreuung gewährleistet?

Vgl. die Antwort zu 1.4.2. Eine Umschulungsmaßnahme beinhaltet Kinderbetreuung.

2. Wie viele Kinder unter drei Jahren leben in Haushalten Alleinerziehender und bräuchten ein Betreuungsangebot, wenn die Mutter bzw. der Vater das Angebot einer Weiterqualifizierung, einer Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf vor Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes wünschten? Wie hoch schätzt der Senat den Bedarf ein?

Rund 10000 Kinder unter drei Jahren leben in Haushalten allein Erziehender. Der zuständigen Behörde liegen keine Daten über die Anzahl allein Erziehender mit Kindern unter drei Jahren vor, die eine Weiterqualifizierung, eine Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf vor Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes wünschen. Eine belastbare Einschätzung der Betreuungsbedarfe ist deshalb nicht möglich.

3. Wie viele Schulkinder leben in Haushalten Alleinerziehender und bräuchten ein Betreuungsangebot speziell in den Ferien, wenn die Mutter bzw. der Vater das Angebot einer Weiterqualifizierung, einer Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf wünschten?

(Auflistung nach Kindern in den verschiedenen Schulformen; insbesondere die Zahl der Kinder im Grundschulalter.) Wie hoch schätzt der Senat den Bedarf ein?

62300 Kinder im Alter von sechs bis unter 18 Jahren leben in Haushalten allein Erziehender. Eine Aufgliederung dieser Zahl nach Kindern im Grundschulalter oder nach den besuchten Schulformen ist nicht verfügbar. Der zuständigen Behörde liegen keine Daten über die Anzahl allein Erziehender mit Schulkindern vor, die eine Weiterqualifizierung, eine Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf wünschen. Eine belastbare Einschätzung der Betreuungsbedarfe ist deshalb nicht möglich.

4. Wie viele gemeinsam erziehende (verheiratete und unverheiratete Elternpaare bitte gesondert aufführen) Eltern waren in den Jahren 2000, 2001 und im laufenden Jahr in Hamburg als erwerbsuchend gemeldet? (Frauen und Männer bitte gesondert ausweisen.)

Wie viele davon befanden sich im Erziehungsurlaub? (Frauen und Männer bitte gesondert aufführen.)

Wie viele Kinder in welchem Alter haben diese Haushalte zu versorgen?

Wie viele sind auf staatliche Unterstützung angewiesen (Sozialhilfe/Arbeitslosengeld/Arbeitslosenhilfe bitte getrennt ausweisen)? (Frauen und Männer bitte gesondert aufführen.)

Wie viele davon haben nach Angeboten für eine Weiterqualifizierung nachgefragt?

(Bitte Frauen und Männer getrennt aufführen.)

Welche durchschnittliche Dauer haben vorhandene Sind es eher Maßnahmen von kurzer Dauer (bis zu einem halben Jahr) oder Maßnahmen, die ein Jahr und länger dauern?

Wie ist für diese Maßnahmen eine Kinderbetreuung gewährleistet?

Wie hoch ist die Nachfrage nach Umschulungsmaßnahmen? (Frauen und Männer bitte gesondert aufführen.)

Welche durchschnittliche Dauer haben vorhandene Umschulungsmaßnahmen?

Wie ist für diese Maßnahmen eine Kinderbetreuung gewährleistet?

Arbeitslose und Teilnehmende an beruflicher Weiterbildung werden von der Arbeitsverwaltung nicht nach Familienstand und Kinderzahl erfasst. Im Übrigen vgl. die Antwort zu 1. bis 1.3.

5. Wie viele Kinder unter drei Jahren leben in Haushalten von verheirateten und unverheirateten Elternpaaren und bräuchten ein Betreuungsangebot, wenn die Mutter bzw. der Vater das Angebot einer Weiterqualifizierung, einer Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf vor Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes wünschten? Wie hoch schätzt der Senat den Bedarf ein?

36800 Kinder unter drei Jahren leben in Haushalten verheirateter Eltern. Die Zahl der in Haushalten unverheirateter Eltern lebenden Kinder unter drei Jahren ist nicht bekannt. Der zuständigen Behörde liegen keine Daten über die Anzahl von Paaren mit Kindern unter drei Jahren vor, bei denen ein Partner eine Weiterqualifizierung, eine Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf vor Vollendung des dritten Lebensjahres seines Kindes wünscht. Eine belastbare Einschätzung der Betreuungsbedarfe ist deshalb nicht möglich.

6. Wie viele Schulkinder leben in Haushalten von verheirateten und unverheirateten Elternpaaren und bräuchten ein Betreuungsangebot speziell in den Ferien, wenn die Mutter bzw. der Vater das Angebot einer Weiterqualifizierung, einer Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf wünschten? (Auflistung nach Kindern in den verschiedenen Schulformen; insbesondere die Zahl der Kinder im Grundschulalter.) Wie hoch schätzt der Senat den Bedarf ein?

199100 Kinder im Alter von sechs bis unter 18 Jahren leben in Haushalten verheirateter Eltern. Eine Aufgliederung dieser Zahl nach Kindern im Grundschulalter oder gemäß den besuchten Schulformen ist nicht verfügbar. Die Zahl der in Haushalten unverheirateter Elternpaare lebenden Kinder der entsprechenden Altersgruppe ist nicht bekannt. Der zuständigen Behörde liegen keine Daten über die Anzahl von Paaren mit Schulkindern vor, bei denen ein Partner eine Weiterqualifizierung, eine Umschulung bzw. den Wiedereinstieg in den Beruf wünscht. Eine belastbare Einschätzung der Betreuungsbedarfe ist deshalb nicht möglich.

7. Wie viele minderjährige und junge Mütter ohne Haupt- oder Realschulabschluss sind zurzeit in Hamburg gemeldet? Wie viele davon beziehen Sozialhilfe?

Wie viele Kinder in welchem Alter haben diese Mütter zu versorgen?

Hierzu liegen keine statistischen Informationen vor.

Wie viele dieser Mütter sind zurzeit in welchen Maßnahmen, um einen Schulabschluss nachzuholen?

22 junge Mütter holen zurzeit im Hauptschulabschlussprojekt Röbbek der Hamburger Volkshochschule ihren Hauptschulabschluss nach.

Wie viele dieser Mütter sind zurzeit in welchen Maßnahmen, die Umschulungsangebote auf der Basis flexibler Vollzeit bzw. auf Teilzeitbasis anbieten?

Siehe Antwort zu 7. und 7.1.

Welche Angebote gibt es für die Kinder dieser Mütter in den entsprechenden Maßnahmen (sowohl Schulabschluss als auch Umschulung)?

Im Hauptschulabschlussprojekt Röbbek (vgl. die Antwort zu 7.2.) wird keine Kinderbetreuung angeboten. Die Unterrichtszeit ist jedoch so gestaltet, dass eine anderweitige Unterbringung der Kinder möglich ist.