Wie sicher ist ein unvollständiger Reaktor?

Nach einer Pressemitteilung der schleswig-holsteinischen Landesregierung plant die Betreiberin des AKW Brunsbüttel derzeit nicht, das durch eine Wasserstoffexplosion zerfetzte Rohr und das damit zusammenhängende Deckelsprühsystem zu erneuern. Sie habe vielmehr den Antrag gestellt, die schadhaften Teile auszubauen und den Reaktor ohne diese Teile zu betreiben.

Meine Frage aus der Drucksache 17/555 zum Brunsbüttel-Störfall vom Dezember, ob es im Zuge der letzten Wartung, die nach Auskunft des Senats im Juni 2001 durchgeführt wurde, Auffälligkeiten gegeben hätte, die im Nachhinein als Indiz für einen möglichen Zwischenfall hätten gewertet werden müssen, hat der Senat verneint.

Ich frage den Senat:

1. Wie viele Wartungen wurden seit dem jetzt entdeckten weiteren Explosionsfall vor ca. zehn Jahren bis Februar 2002 durchgeführt?

Für atomrechtliche Genehmigungen sowie für die Aufsicht über den Betrieb des Kernkraftwerks Brunsbüttel (KKB) ist das Ministerium für Finanzen und Energie (MFE) Schleswig-Holstein zuständig. Detailinformationen über diese Verfahren liegen der zuständigen Behörde daher nicht vor.

2. Welche Erklärung gibt es dafür, dass der Störfall vor zehn Jahren nicht entdeckt bzw. nicht publik gemacht wurde?

3. Warum ist das jetzt als deformiert vorgefundene Rohr bislang nicht als defekt erkannt worden?

4. Welche Funktion hatte dieses Rohr?

5. Ist es identisch mit dem im Dezember zerfetzten Rohr?

Im Rahmen der Ursachenklärung für das Vorkommnis am 14. Dezember 2001 wurde bei der Vermessung eines Rohrstückes des Deckelsprühsystems oberhalb des Anschlussstutzens an den Reaktordruckbehälter eine Aufwölbung dieses Rohres um einige Millimeter festgestellt. Ein Vergleich mit Fotos von 1995 führte zu der Einschätzung, dass diese Aufwölbung bereits damals vorhanden war, und zu der Vermutung, dass es bereits früher in diesem Bereich eine Radiolysegasreaktion gegeben haben könnte. Allerdings ist der Befund nicht eindeutig und soll durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden.

6. Welche Funktion hatten das im Dezember zerfetzte Rohr und das Deckelsprühsystem im Reaktor?

7. Welche Folgen haben Ausbau und Fehlen der genannten Teile für Betrieb und Sicherheit des Reaktors?

8. Können technische und sicherheitsrelevante Komplikationen bei Fehlen dieser Teile ausgeschlossen werden?

9. Wenn ja, warum wurden diese Teile ursprünglich in den Reaktor eingebaut?

Bei dem Deckelsprühsystem im Kernkraftwerk Brunsbüttel handelt es sich um ein System ohne betriebliche Funktion und ohne sicherheitstechnische Bedeutung. Es dient lediglich dazu, durch Kühlen des Reaktordruckbehälterdeckels den Abfahrvorgang zu verkürzen.

10. Beabsichtigt die Betreiberin, die Teile später zu ersetzen?

11. Welche Schritte schließt ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren des Antrages auf Ausbau und Entfall der Teile ein?

12. Wie lange dauert ein solches Verfahren?

13. Von welchen Parametern hängt eine Entscheidung der Genehmigungsbehörden ab?

Siehe Antwort zu 1.

14. Bringt ein unvollständiger Reaktor vollständige Leistung?

Siehe Antwort zu 6. bis 9.

15. Erwägt die Betreiberin, den Reaktor nach dem jetzigen Bekanntwerden früherer nicht erkannter Vorfälle stillzulegen und die verbleibende Reststrommenge auf einen anderen Reaktor zu übertragen?

Über die Pläne der Betreiberin des Kernkraftwerks Brunsbüttel (KKB ist die für Umwelt und Gesundheit zuständige Behörde in Hamburg nicht informiert.