Studiengang

1. Auftrag

Die Bürgerschaft hat den Senat aufgefordert, zeitgleich mit der Vorlage des Haushaltsplan-Entwurfs 2003 über die wesentlichen Ergebnisse der Ausstattungs-, Kosten- und Leistungsvergleiche norddeutscher Hochschulen sowie ihre Bewertung ­ insbesondere hinsichtlich der einzelnen Hamburger Hochschulen ­ zu unterrichten und darzulegen, welche Konsequenzen er aus der Analyse der Vergleiche ziehen will.

2. Vorbemerkungen

Mit dem Verfahren des Ausstattungs-, Kosten- und Leistungsvergleichs (AKL) haben die beteiligten Länder, Hochschulen und die HIS weitgehend Neuland betreten, da übergreifende vergleichende Kostenberechnungen und quantitative Leistungsbeschreibungen für den Hochschulbereich bisher nur in vereinzelten Ansätzen existieren. Eine Modellstudie des Wissenschaftsrates zu finanzstatistischen Kennzahlen ausgewählter Studiengänge von 1997 sah sich noch erheblicher methodischer Kritik ausgesetzt. Erstmals werden bei diesem AKL nunmehr für Hochschulen nach einem einheitlichen Verfahren

­ Kosten und Leistungen in Form von Kennziffern gegenübergestellt,

­ Standards für die eindeutige Zuordnung von Kosten entwickelt,

­ Leistungen definiert und beschrieben,

­ der Ressourcenverbrauch für Lehre und Forschung quantitativ voneinander abgegrenzt,

­ curriculare Verflechtungen zwischen den Studiengängen abgebildet sowie

­ Stellen und Studierendenzahlen über Äquivalente vergleichbar gemacht.

Seit der ersten Durchführung des AKL in 1998 wurde in weitem Umfang Entwicklungsarbeit geleistet. Die Ergebnisse, die inzwischen für alle Hochschularten vorliegen, liefern wichtige Informationen über Ausstattung und Leistungen der Hochschulen. Zum Teil bedarf der Vergleich allerdings ­ wie im Folgenden erläutert werden wird ­ noch weiterer und ergänzender Untersuchungen.

Die Qualitätssicherung wird durch Anschlussprojekte, in denen offen gebliebene methodische Fragen gelöst werden, und den Aufbau von Zeitreihen erreicht.

Im Mittelpunkt des AKL steht ein umfangreiches Kennzahlenset zur Beurteilung der den Hochschulen für die Erledigung ihrer Aufgaben zur Verfügung stehenden Ressourcen und einiger Leistungsdaten in Kernprozessen.

Die Kennzahlen lassen für eine Reihe von Bereichen und zum Teil mittelbar Schlüsse auf die Qualität ­ beispielsweise auf Forschungsleistungen anhand von Drittmittelvolumen ­ zu. So können die Hochschulen hervorragende qualitative Leistungen vorweisen, die sich in diesen Zahlen nicht abbilden lassen, was auch nicht der Zweckbestimmung der Kennziffern entspricht.

3. Überblick über den AKL norddeutscher Hochschulen

Ausgangsprojekt und Vertragspartner Verfahren und Grundlagen des AKL sind zunächst zwischen der HIS einigen niedersächsischen Hochschulen sowie dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium erarbeitet und erprobt worden.

1997 hat die Konferenz der norddeutschen Wissenschaftsminister auf Initiative der Behörde für Wissenschaft und BÜRGERSCHAFT

01.10.0217.Wahlperiode Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft Stellungnahme des Senats zu dem Ersuchen der Bürgerschaft vom 15./16./17. April 2002 (Drucksache 17/612) Hochschulstandort Hamburg stärken ­ Konsequenzen aus dem Ausstattungsund Kostenvergleich norddeutscher Hochschulen

Forschung (BWF) die Idee aufgegriffen, in einem gemeinsamen Projekt einen AKL für sämtliche norddeutschen Hochschulen durchzuführen. Ziel war es, länderübergreifend Informationen mit gleichen Standards über den Hochschulbereich zu erhalten, um die Position der eigenen Hochschulen, Fachbereiche und Studiengänge im Vergleich mit anderen Hochschulen besser beurteilen zu können. Dies lag insbesondere auch im Interesse Hamburgs mit seinen in der Regel nur jeweils einmal im Land vorhandenen Studiengängen (Unikat-Situation).

Die erste Durchführung des AKL norddeutscher Hochschulen umfasste den Zeitraum 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 1999. Vertragspartner waren die Wissenschaftsministerien der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Einbezogen in das Projekt waren alle Hochschulen im Zuständigkeitsbereich der Wissenschaftsministerien der genannten Länder; für Hamburg waren dies die Universität, die Fachhochschule (inzwischen Hochschule für angewandte Wissenschaften HAW), die Hochschule für Wirtschaft und Politik (inzwischen HWP ­ Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik), die Technische Universität Hamburg-Harburg, die Hochschule für bildende Künste und die Hochschule für Musik und Theater.

Die Finanzierung erfolgte ­ wie bei den meisten Projekten der HIS ­ in Form einer Mischfinanzierung, d. h. teilweise durch etatisiertes Personal, teilweise durch Zusatzfinanzierung durch die Auftraggeber. Die zusatzfinanzierten Kosten für dieses erste Projekt betrugen DM 516 200,­ insgesamt für die Jahre 1998 und 1999; auf Hamburg entfielen DM 139 200,-. Gesteuert wird das Projekt durch eine Lenkungsgruppe, in der je ein Vertreter der Wissenschaftsministerien sowie der Hochschulen der beteiligten Länder Mitglied sind.

Vorsitzende waren bisher die Vorsitzenden der Landeshochschulkonferenz Hamburg, d. h. bis Februar 1999 der Präsident der HWP, Prof. Lothar Zechlin, seit März 1999 der Präsident der Universität, Dr. Jürgen Lüthje.

Dieses Projekt ist inzwischen abgeschlossen. Die Ergebnisse sind nach Hochschularten gesondert in der Reihe HIS Hochschulplanung veröffentlicht worden ­ in den Bänden 145 (Universitäten), 149 (Fachhochschulen) und 151 (Kunst- und Musikhochschulen).

Anschlussprojekte

Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem ersten Projekt haben die Vertragspartner vereinbart, den AKL in zweijährigem Rhythmus fortzuführen. Zur Etablierung des Verfahrens in den Hochschulen, zur Weiterentwicklung und Verbesserung von Methodik, Standards und Normierungen sowie mit dem Ziel, Zeitreihen aufzubauen, wurde zunächst ein Anschlussprojekt für den Zeitraum 1. Januar 2000 bis 31. Dezember 2001 vereinbart. Seit Beginn dieses Projektes ist das Land Berlin dem AKL norddeutscher Hochschulen beigetreten.

Dieses Projekt ist noch nicht abgeschlossen. Erste veröffentlichte Ergebnisse liegen für die Fachhochschulen im Band 158 der Reihe HIS-Hochschulplanung vor. Die Ergebnisse für die Universitäten werden für den Herbst 2002 erwartet.

Ein weiteres Anschlussprojekt ist für den Zeitraum 1. Juli 2002 bis 31. Dezember 2003 vereinbart. Hinzugewonnen werden konnte das Land Sachsen-Anhalt mit seinen Hochschulen. Hamburg hat weiterhin ein großes Interesse daran, alle Länder, insbesondere auch die süddeutschen Länder und Hochschulen, in den AKL-Vergleich mit einzubeziehen.

4. Methodik des AKL

Der AKL ist keine Kosten-/Leistungsrechnung im engen betriebswirtschaftlichen Sinn. Dies ist dadurch bedingt, dass die Haushaltsrechnungen bisher kameralistisch erfolgen und insoweit lediglich Einnahmen und Ausgaben abbilden. Soweit Hochschulen bereits die kaufmännische Buchführung eingeführt haben oder werden, werden die Daten im Interesse der Vergleichbarkeit kameralistisch abgebildet. Charakterisieren lässt sich der AKL als Ausgabenbasierte Kennzahlenberechnungen mit zentralen Elementen einer Kosten-/Leistungsrechnung. Diese Entwicklungen machten ­ neben Datenerhebung und Verarbeitung ­ einen Großteil der Projektarbeit aus.

Die Kennzahlenberechnungen sowie ausgewählte Elemente werden im Folgenden erläutert:

Kosten der Lehre und Forschung

­ Personalkosten

Die beteiligten Länder und Hochschulen haben sich in der Lenkungsgruppe darauf verständigt, bei der Ermittlung der Personalkosten nicht mit den IST-Ausgaben, sondern zunächst mit SOLL-Kosten, d. h. unter Anwendung von Durchschnittswerten zu rechnen, um unterschiedliche Personalstrukturen und insbesondere Besoldungsunterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern für den länderübergreifenden Vergleich zu eliminieren.

­ Abschreibungen

Da die Kameralistik im Gegensatz zur kaufmännischen Buchführung keine Abschreibungen kennt und damit keinen Vermögensverzehr erfasst, wird im AKL der Vermögensverzehr hilfsweise wie folgt berücksichtigt:

· Die Kosten der Gebäudenutzung werden durch kalkulatorische Mieten und Bewirtschaftungskosten abgebildet.

· Investitionen für Anlagegüter werden durch Zweijahresdurchschnitte der Investitionsausgaben, Großgeräteinvestitionen durch einen gleitenden Durchschnitt von 6 Jahren abgebildet.

­ Umlagen Bewirtschaftungskosten, Kosten der zentralen sowie der Fachbereichsverwaltungen und Kosten zentraler Einrichtungen werden anhand geeigneter Schlüssel - wie z. B. Hauptnutzflächen, Personal, Studierendenzahlen ­ auf die einzelnen Bereiche umgelegt.

Aufteilung auf Lehre und Forschung

Die Haushaltsrechnung enthält keine Aufteilung der Kosten auf die beiden großen Hochschulaufgaben Lehre und Forschung/künstlerische Entwicklung, da diese Aufgaben in der Regel nicht quantitativ definiert sind.

Lediglich für die Personalkosten der Universitäten lässt sich anhand der der Lehrverpflichtung zugrunde liegenden Arbeitszeitanteile eine rechnerische Aufteilung vornehmen. Für den AKL mussten daher Normierungen gefunden werden. Die Projektbeteiligten haben sich nach einem intensiven Diskurs ­ die Musik- und Kunsthochschulen z. B. Während dies für den Aufgabenbereich Lehre anhand der Studierendenzahlen ­ unbeschadet der Diskussion über die Aussagekraft einzelner Größen ­ relativ gut möglich ist, treten bei der Beschreibung der Leistungen in der Forschung verstärkt die bekannten Probleme auf, qualitative Leistungen in Quantitäten zu beschreiben.

Die Projektbeteiligten haben sich auf folgende Parameter verständigt: für die Lehre

­ Zahl der Studienplätze

­ Zahl der Studierenden in der Regelstudienzeit

­ Zahl der Absolventen für die Forschung

­ Drittmittel

­ Promotionen

Kennzahlenset

Das Gesamtset der Kennzahlen ist in Anlage 1 im Überblick dargestellt.

5. Auswertungen der Ergebnisse des AKL 1998

Allgemeine Erfahrungen

Die Ergebnisse liefern wertvolle Informationen zur strukturellen und finanziellen Situation an den Hochschulen, in den einzelnen Lehreinheiten sowie für die jeweiligen Studiengänge. Sie sind insoweit Teil eines Controllingsystems, welches sich auch für die Steuerung des Hochschulbereichs entwickelt. Der AKL liefert zunächst nur quantitative Angaben, die unmittelbar keine qualitative Wertung (diese Hochschule, dieser Studiengang ist besser/schlechter als jener) enthalten. Die Ergebnisse liefern Anhaltspunkte, bei Auffälligkeiten den jeweiligen Bereich genauer zu betrachten. Dies ist Gegenstand des Strukturprozesses, der auf der Basis des gemeinsam von der BWF und den Hochschulpräsidenten getragenen Letter of Intent eingeleitet worden ist.

Allgemeine Aussagen zu Tabellen

Aus den Tabellen lassen sich neben konkreten Aussagen für einzelne Studiengänge oder Lehreinheiten auch eine Reihe genereller Aussagen ableiten. So zeigen z. B. unterschiedliche Werte der Kosten je Studienplatz und je Studierenden bei demselben Studiengang den Auslastungsgrad an. Sind beide Kosten in etwa gleich groß, ist der Studiengang ausgelastet. Wesentlich höhere Kosten je Studierenden signalisieren z. B. für eine Reihe von Studiengängen in Mecklenburg-Vorpommern, dass die Studienplätze nicht ausgelastet sind. Demgegenüber sind die Kosten je Studienplatz in einer so hoch ausgelasteten Hochschule wie der Universität Hamburg regelhaft signifikant höher als die auf die Studierenden berechneten Kosten. Deutlich werden ebenfalls die gravierenden Kostenunterschiede zwischen den Geisteswissenschaften einerseits und den Ingenieur- und Naturwissenschaften andererseits. Noch deutlicher treten die sehr hohen Ausbildungskosten für die Studiengänge an Musikhochschulen zu Tage.

Die Ergebnisse für die Studiengänge der Hamburger Hochschulen sind ­ fokussiert auf die Kosten je Studienplatz, je Studierenden in der Regelstudienzeit sowie je Absolvent ­ in Anlage 2 im Einzelnen dargelegt. Als Bewertungshilfe ist der Korridor (jeweils der höchste bzw. der niedrigste Wert im AKL für diesen Studiengang) sowie der Median (Wert für die Hochschule, die in der Reihung der Vergleichshochschulen in der Mitte liegt; d. h. die eine Hälfte der Hochschulen hat einen höheren Wert, die andere Hälfte einen niedrigeren) als Anhaltspunkt aufgenommen worden.

Auf ausgewählte Ergebnisse sowie eine Bewertung der Stärken und Schwächen des AKL, bezogen auf die einzelnen Hochschulen, wird nachstehend eingegangen.

6. Darstellung und Wertung ausgewählter Ergebnisse

Universität Hamburg

Die Auswertung des im April 2000 von der HIS vorgelegten Abschlussberichts Universitäten des Projektes Ausstattungs-, Kosten- und Leistungsvergleich norddeutscher Hochschulen mit den Erhebungsdaten aus dem Jahr 1998 hat aus Sicht der Universität den Nachweis geliefert, dass ihre Fächer bzw. Lehreinheiten in der Regel eine unterdurchschnittliche Ausstattung, aber eine überdurchschnittliche Leistung aufweisen.

Werden die Gesamtkosten je Professor betrachtet oder die Lehrkosten je Studierender in der Regelstudienzeit oder die Lehrkosten je Absolvent, so zeigt sich, dass die Universität in den meisten Fächern zum Teil deutlich niedrigere Werte aufweist im Vergleich zum Durchschnitt der übrigen Universitäten. Gleichzeitig lassen die Leistungsparameter Absolventen je Professor und Drittmittel je Professor erkennen, dass in der Mehrzahl der Fälle die Werte über dem Durchschnitt der Universitäten liegen.

Konsequenzen ergeben sich aus Sicht der Universität zum einen im Hinblick auf die Personalstruktur der Fächer der Universität Hamburg und zum anderen im Hinblick auf die Sachmittelausstattung für Forschung und Lehre.

Hinsichtlich der Personalstruktur ist auf die zum Zeitpunkt der Erhebung durch die HIS-Untersuchung festgestellte Unterausstattung in vielen Fächern der Universität Hamburg mit Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs, insbesondere Promotionsstellen, hinzuweisen.