Wettbewerb

1. Veranlassung

Der Jungfernstieg ist im Laufe der Jahrhunderte zur beliebtesten Promenade der Stadt und zu einem der prominentesten öffentlichen Orte überhaupt geworden. Er ist Teil einer einmaligen Stadtkomposition, die trotz aller baulichen Veränderungen und Weiterentwicklungen noch immer eine der wichtigsten Langzeit-Konstanten im historischtopographischen Gefüge der Stadt ist.

Er rangiert in der Hamburg-Kenntnis Auswärtiger gleich nach Hafen und Reeperbahn. Aber auch für die Hamburger selbst ist er ein Mythos ­ inzwischen freilich fast ohne Rückhalt in der baulichen und funktionalen Realität. An vielen Stellen ist die einstige Pracht verloren gegangen und die spannende Nahtstelle zwischen Stadt und Wasser zunehmend zu einer Barriere geworden.

2. Sachverhalt

Die Attraktivität der Stadt zu erhöhen, indem man sich wieder verstärkt um den öffentlichen Raum kümmert, wird in den kommenden Jahren gerade vor dem Hintergrund der Zielsetzung, Hamburg wieder zu einer wachsenden Stadt zu machen, eine große Herausforderung sein.

Die Umgestaltung des Jungfernstiegs im Herzen der Hamburger Innenstadt kann dafür ein wesentlicher Baustein sein und soll der Stadt einen wichtigen Impuls geben.

Insgesamt soll die Nutzungs- und Gestaltqualität verbessert und der Jungfernstieg wieder zur Visitenkarte der Stadt werden. Es soll ein großzügiger multifunktional nutzbarer Gesamtraum geschaffen werden, der einem einheitlichen Gestaltungskanon verpflichtet ist. Gebraucht wird ein neues einprägsames und stimmiges stadtbaukünstlerisches Passpartout, das funktionale Festlegungen auf das notwendige Maß reduziert und damit für möglichst viele Benutzer und Nutzungen seine Anziehungskraft zurückerhält. Er soll wieder stärker mit den angrenzenden Stadträumen verknüpft werden. Konkret geht es um eine verbesserte Verbindung des Rathausmarktes, der Alsterarkaden, des Geschäftsviertels um den Neuen Wall und die Großen Bleichen sowie der Colonnaden und des Gänsemarktes, der Bergstraße und nicht zuletzt der künftigen Europapassage am Ballindamm mit der Binnenalster. Der Blick und der Zugang zum Wasser muss deutlich verbessert werden.

Darüber hinaus soll der Jungfernstieg wohlgestalteter Auftakt für die wichtigste Verbindung zwischen der heutigen Innenstadt und der neuen sein.

3. Das Wettbewerbsverfahren

Zur Konzeptfindung für eine Neugestaltung wurde im März 2002 ein internationaler, einstufiger, anonymer, architektonischer und freiraumplanerischer Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgelobt.

92 Arbeitsgemeinschaften aus Europa haben sich um die Teilnahme beworben.

12 hochqualifizierte Arbeitgemeinschaften wurden von einer Auswahlkommission ausgesucht und mit der Bearbeitung der Aufgabe beauftragt.

Der Wettbewerb richtete sich an freie Künstlerinnen und Künstler, Architektinnen und Architekten bzw. Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten gleichermaßen.

Die Teams waren aufgefordert, die Schnittstellen und Überlappungen zwischen den Disziplinen für den Jungfernstieg produktiv zu machen und neu auszuloten.

Das finanzielle Engagement der Stiftung Lebendige Stadt und des Mäzens Prof. Dr. h. c. Werner Otto hat für die Durchführung des Wettbewerbs die Voraussetzungen geschaffen.

4. Das Wettbewerbsergebnis

Die prämierte Arbeit des Hamburger Architekten Andre Poitiers und der Landschaftsarchitekten WES & Partner BÜRGERSCHAFT

08. 10. 0217.Wahlperiode Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft Haushalt 2003

Kapitel 6300 Tiefbau, neuer Titel 780.

Neugestaltung des Jungfernstiegs wird dem in der Wettbewerbsauslobung formulierten Anspruch in besonderer Weise gerecht. Sie entfacht bewusst kein architektonisches Feuerwerk, erliegen nicht dem vordergründigen Reiz des Spektakulären oder des bloßen schönen Scheins. Mit subtilen und einfachen Mitteln geben sie dem Raum seine angestammte Großzügigkeit zurück und vermeiden jedwedes modisches Formenvokabular.

5. Vorgesehene Baumaßnahmen Herzstück des Entwurfs ist eine großzügige, die gesamte Breite des Jungfernstiegs einnehmende Treppenanlage, die bis zum Wasser reicht. Eine klar konturierte 3-achsige Lindenallee setzt die Promenade rund um die Binnenalster im Bereich des Jungfernstiegs fort und schafft durch Beschnitt und Anordnung auf Lücke Unverwechselbarkeit.

Verkehrsführung und Oberflächenbehandlung des Jungfernstiegs sind überzeugend und klar. Die beiden Pavillonbauten aus den 70er Jahren werden abgerissen und durch einen deutlich kleineren Neubau gewissermaßen als point de vue ersetzt. Die notwendigen Flächen für die Alsterschifffahrt sind gleichwohl nachgewiesen.

Die Gesamtmaßnahme wird nach vorläufiger Kostenschätzung rund 15 Mio. Euro betragen. Der städtische Anteil an den Umbaukosten soll rund 4 Mio. Euro betragen und bezieht sich im Wesentlichen auf die Anpassung und Umgestaltung der Straße Jungfernstieg zwischen südlicher Häuserkante und nördlicher Fahrbahnbegrenzungslinie.

Es ist beabsichtigt, die Kosten von rund 11 Mio. Euro für die Umgestaltung der wasserseitigen Situation durch das Einwerben von Sponsorengeldern zu finanzieren. Aus diesem Grund hat sich ein Verein unter Vorsitz von Senator Mettbach konstituiert, um durch eine Vielzahl von Aktivitäten und gezielter Ansprache zeitnah die notwendigen Mittel einzuwerben.

Im Haushalt 2003 ist für vorbereitende Arbeiten eine Verpflichtungsermächtigung von 500 Tsd. Euro erforderlich.

Die Auswirkung auf das Zahlenwerk des 2003 ist im Einzelnen in der vom Senat nach § 32 LHO vorgelegten 2. Ergänzung zum 2003 dargestellt.

6. Petitum:

Die Bürgerschaft wird gebeten, Kenntnis zu nehmen.