Verringerung des Hamburger Sondervermögens auf Grund veränderter HafenCity Konzeption 1162 1024

Folgenutzen und -kosten für die FHH

Die dauerhaften Investitionen (Olympiastadion, Olympia-Dome) am zentralen Standort können nach den Olympischen Spielen zu Belastungen für den öffentlichen Haushalt führen. Die Höhe der Belastungen wird davon abhängen, inwieweit

­ eine Gesamtkonzeption des zentralen Standortes gelingt, die nach den Olympischen Spielen bei der Bevölkerung auf Nachfrage im Sinne einer Nachnutzung stößt. Die Lage des olympischen Kernensembles in seiner maritimen Umgebung und dessen verkehrlicher Anbindung spricht dafür, dass es sich hierbei um eine attraktive Lokalität handelt und

­ ein effizienzorientiertes Management- und Betreibermodell gewählt wird,

­ in Hamburg erfolgreich betriebene oder bis dahin durchgeführte Public-Private-Partnership-Modelle (z. B. AOL-Arena, Color Line Arena) analoge Anwendung finden.

Nachnutzungskonzept der zentralen olympischen Sportstätten (Wenzel 2002) Wenzel (2002) hat ein Nachnutzungskonzept erstellt, in dem Optionen im Sinne eines Urban Resorts für die zentralen Sportstätten erörtert werden. In diesem Gutachten werden Beispiel-Projekte (z. B. Allerpark in Wolfsburg, Hotel und Veranstaltungszentrum Estrel in Berlin, Hafenentwicklungsgebiet in Cape Town / Südafrika) als Bezugsgröße dargestellt.

Für den zentralen Standort gibt es demnach zwei Optionen: Bei der Option 1 Maritim steht der Tourismus im Vordergrund. In einem nach den Olympischen Spielen entstehenden typischen Freizeit- und Erlebnispark ist eine Nutzung der Anlagen für Musicals, Aquarium, Casino, Wellness- oder Freizeitangebote vorgesehen. Zudem wird ein Hotel mit einer Kapazität von 750 Zimmern inkl. Erweiterungsoption vorgeschlagen. Bei der Verwirklichung eines derartigen Gesamtarrangements wird davon ausgegangen, dass für die FHH keine Folgekosten entstehen werden. Auch sind bei einer frühzeitigen Einbindung privater Investoren in die Planungsphase erhebliche Entlastungen bei den Investitionen zu erwarten. Die Höhe dieser Entlastungen wird durch das Gutachten allerdings nicht quantifiziert. Darüber hinaus wird die Frage der Nachnutzung des Olympiastadions im Rahmen des maritimen Konzeptes nicht geklärt.

Die Option 2 heißt Sport und Bildung. Hier wird eine Nachnutzung aller zentralen Sportstätten vorgeschlagen:

Im Bereich Schwimmen durch einen Olympia-Stützpunkt und für die anderen Sportstätten durch universitären Sport und Ausbildung sowie durch Vereinssport. Die Folgekosten für die FHH werden allerdings nicht quantifiziert.

Für die Nachnutzung aller zentralen Sportstätten wird eine Kombination der beiden Optionen vorgeschlagen.

Allerdings werden die Folgekosten dieser Kombination nicht quantifiziert.

Olympiastadion

Das Olympiastadion wird mit einer Bruttogeschossfläche (BGF) von 175 000 m2 für die Olympischen Spiele gebaut, danach jedoch um 40 000 m2 BGF auf 135 000 m2 BGF bzw. eine Zuschauerkapazität von 30 000 Personen zurückgebaut.

Zur Bestimmung der minimalen Folgedefizite nennt Lexington (2002) eine erfolgreiche, vollständige Wandlung des Stadions in Gewerbe- und Wohnnutzung oder aber eine das Stadion regelmäßig auslastende Nutzung und setzt daher einen Minimum-Wert von 0 Euro an.

Zur Bestimmung des maximalen Wertes wird die Hamburger Richtlinie für Kostenschätzung herangezogen. Auf der Grundlage der dauerhaft verbleibenden 135 000 m2 BGF, anteiligen Neubauausgaben für die dauerhaften Teile von 215,3 Mio. Euro und unter der Annahme eines überdurchschnittlichen Technikanteils von 35 % und der höchsten Verschleißstufe ergeben sich für die nächsten zehn Jahre nach Fertigstellung jährliche Folgeausgaben von ca. 6,6 Mio. Euro.

Bei den Einnahmen geht Lexington (2002) davon aus, dass zusätzliche Nutzungsentgelte durch den Sport kaum zu erwarten sind und letztlich nur die Einnahmemöglichkeit Öffentlichkeit übrig bleibt. Deshalb käme es ohne Belastung anderer Betriebe nur zu Einnahmen in Höhe von 1 Mio. Euro. Insofern würde ein jährliches Defizit von 4,5-5,0 Mio. Euro bleiben.

Olympia-Dome

Der Olympia-Dome wird eine dauerhafte BGF von ca. 14 850 m2 haben.

Lexington (2002) weist darauf hin, dass die aktuellen Pläne privater Investoren indizieren, dass eine solche Halle u. U. mit Überschüssen betrieben werden kann. Insofern könne als Minimalwert von Folgedefiziten von 0 Euro ausgegangen werden.

Bei der Schätzung der maximalen Folgekosten geht Lexington (2002) von der Annahme aus, dass keinerlei Einnahmen auf Grund des Wettbewerbs privater Betreiber zu erwarten sind. Die Ausgaben werden nach der Hamburger Richtlinie für Kostenschätzung berechnet. Auf dieser Grundlage berechnen sich jährliche Folgekosten in Höhe von ca. 0.9 Mio. Euro jährlich.

Fazit:

Zur Abschätzung der Bandbreite der möglichen Folgekosten für die FHH können die Berechnungen von Lexington (2002) als Anhaltspunkt genommen werden. Es würden sich daraus maximale jährliche Folgekosten in Höhe von 12,5 Mio. Euro ab 2013 ergeben.

Für den Minimalansatz wird den Ausführungen von Wenzel (2002) gefolgt und bei einer maritimen Nutzung für die Olympia-Schwimmhalle und den Olympia-Dome von jährlichen Folgekosten von Null ausgegangen werden. In diesem Nachnutzungsszenario würden bei einer konservativen Einschätzung (der Annahme von 0 Euro Folgekosten für das Olympiastadion soll hier nicht gefolgt werden) jährliche Folgekosten für das Olympiastadion von 6,6 Mio. Euro anfallen.

6. Volkswirtschaftliche Betrachtung Lexington (2002) weist darauf hin, dass die Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Spiele 2000 in Sydney mit dem längsten wirtschaftlichen Boom in der Geschichte Australiens verbunden waren.

Kurzfristige Betrachtung

Bei der Wertschöpfung in Hamburg (alle weiteren Angaben und Tabelle gemäß Lexington 2002) wird der Sektor Bau derjenige Sektor sein, der mit Abstand die größten Umsatzzuwächse aus den olympischen Aktivitäten ziehen wird. 53 % der Ausgaben entfallen auf diesen Sektor. Auf die sonstigen Dienstleistungen (Finanzierung, Vermietung, öffentliche und private Dienstleistungen) entfallen 27 % der Ausgaben, auf Handel, Gastgewerbe und Verkehr 11 %. Es wird aber durch die Ausrichtung Olympischer Spiele in Hamburg erhebliche spill-over Effekte auf das Umland, den Rest der Bundesrepublik und das Ausland geben.

Tabelle 13: Einkommensimpulse und Wertschöpfung Handel, direkt Verarbeitendes Gastgewerbe sonstige Bau und Verkehr Dienstleistung wirksam Summe Ausgabenimpulse,

Die Durchführung Olympischer Spiele hat für eine Stadt bzw. Region langfristig positive Effekte. Im Vordergrund stehen dabei positive Image-, Struktur- und Wachstumseffekte. Auch die Hamburger Bewerbung um die Olympischen Spiele 2012 verfolgt durchaus in einem Nebenziel diese Richtung. Dazu passt auch die Zielsetzung des Senats, Hamburg zu einer wachsenden Stadt zu machen.

Lexington (2002) demonstriert anhand von Beispielen, auf welche Weise bisherige Austragungsorte Olympischer Spiele profitieren konnten:

­ München als Austragungsort der Olympischen Spiele des Jahres 1972 kann bis dato 300 Mio. Besucher des Olympiaparks verbuchen, die bei den gegebenen Ausgabegewohnheiten einen Einkommenszuwachs von ca. zwei Milliarden DM hervorgerufen haben. In punkto Arbeitslosigkeit lag München bis zum Jahr 1966 ­ dem Jahr des Zuschlags der Olympischen Spiele ­ im Durchschnitt höher als im Bundesgebiet und auch in Bayern.

Die Arbeitslosigkeit konnte von 1966 bis 1972 zunächst verringert werden und liegt seitdem ­ bis auf zwei Ausnahmen ­ unter dem Niveau des Bundesgebiets und Bayerns.

­ Barcelona (1992) als Austragungsort der Olympischen Spiele investierte z. B. 5 Mrd. DM (laufende Preise) in die Telekommunikationsstruktur. Die Zahl der internationalen Besucher hat sich gegenüber der Zeit vor den Olympischen Spielen um 90 % erhöht. Steigerungen um 10 % bis 50 % an internationalen Besuchern haben auch Seoul, Atlanta und Sydney zu verzeichnen.

­ Atlanta, das die Olympischen Spiele des Jahres 1996 austrug, konnte die Anzahl der Kongresse, die sich 1990 auf rund 1720 mit ca. 1,9 Mio. Teilnehmern beliefen, bis heute ungefähr verdoppeln. Die Stadt hat seit den Spielen 20 neue internationale direkte Flugverbindungen und 20 % mehr internationale Abflüge zu verzeichnen.

Nach einer Untersuchung aus 1997, dem sog. Lou Harris survey, war Atlanta die Nr. 1 unter den US-Städten bei der Expansion oder Neuansiedlung von Unternehmen. In 1997 haben 22 ausländische Firmen ihre Hauptsitze in Atlanta gegründet. Seit den Spielen ist die Stadt die US-Nr. 1 im Häuserneubau und die Nr. 2 bei Hotelneubauten.

­ Sydney: Die Regierung von Australien und von New South Wales haben im Vorfeld der Olympischen Spiele eine vierjährige Promotion-Kampagne Investment 2000 initiiert und damit 45 Firmen motiviert, Niederlassungen in Australien zu begründen.

Lexington (2002) zieht folgenden Schluss: Insgesamt ergibt sich, dass bei guter Planung und effektiver Durchführung der Olympischen Spiele sowie geschickter Einbettung der Spiele in eine systematische Reihe von anderen regionalwirtschaftlich sinnvollen Projekten und ohnehin geplanten Infrastrukturmaßnahmen die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Olympischen Spiele 2012 für die FHH einen deutlichen, langfristigen Impuls für wirtschaftliches Wachstum und Lebensqualität bedeuten werden. Konzeptionelle Änderungen in der Olympiabewerbung der FHH werden dann berücksichtigt, wenn diese den Zuschlag als nationale Bewerberstadt erhält. Dies gilt auch für Ausgaben sparende Änderungen im Baubereich. Bis zu diesem Zeitpunkt gilt, dass das Aufzeigen von unterschiedlichen Alternativen sowie nachträgliche Änderungen im Rahmen der Bewerbung nicht zulässig sind (NOK).