Konsequenzen aus der Lernausgangslagen- und Lernentwicklungsuntersuchung

Betreff: Schulen verbessern: Konsequenzen aus der Lernausgangslagen- und Lernentwicklungsuntersuchung (LAU 9) Untersuchungen statt Vorurteile: Wissenschaftliche Untersuchungen sichern Qualität von Schule Hamburg hat erheblich früher als andere Bundesländer die Leistungsfähigkeit der Hamburger Schulen durch empirische Untersuchungen dokumentiert und daraus Schlussfolgerungen gezogen.

1996 wurde durch die Untersuchung über Aspekte der Lernausgangslage der Klassenstufe 5 (LAU 5) eine Vollerhebung der Leistungsstände in einigen zentralen Lernbereichen vorgenommen. Durch die Fortführung der Untersuchung im Zweijahresabstand (LAU 7 und 9) konnten die individuellen Lernzuwächse von allen Hamburger Schülerinnen und Schülern dieses Jahrgangs ermittelt werden. Dies war die erste Längsschnittuntersuchung in der Bundesrepublik Deutschland. Aus den Ergebnissen wurden in Hamburg zügig Konsequenzen gezogen, die in verschiedenen Punkten später von der Kultusministerkonferenz (KMK) aufgegriffen wurden und bundesweit in den Diskussionsprozess über die Verbesserung der Schulen Eingang fanden:

­ Einführung von Vergleichsarbeiten in Hamburg. So wurden Überprüfungen der Lernstände klassenund schulübergreifend ermöglicht.

­ Verlängerung der Zeit zum Lernen für Kinder, insbesondere im Grund-, Haupt- und Realschulbereich und die damit verbundene Stärkung der Kernkompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik,

­ Erarbeitung von einheitlichen Bewertungsmaßstäben, um die Leistungsbeurteilung von Schülerinnen und Schülern in Hamburg vergleichbar zu machen und

­ Stärkung der Kompetenzen von Lehrkräften, Lernverzögerungen und Lernstörungen bei Kindern schnell zu erkennen, hier zu unterstützen und zu fördern.

Der zweite Durchgang, der die Kinder der siebten Klassen untersuchte (LAU 7), ergab, dass potenzielle Zuwächse beim Lernen bei lernstarken Kindern offensichtlich nicht ausgeschöpft werden konnten. Dies führte zur modellhaften Einführung von Springerklassen, in denen besonders leistungsstarke Kinder die Möglichkeit erhalten haben, im Klassenverband ein Schuljahr zu überspringen, indem sie das Lernpensum von drei Unterrichtsjahren gemeinsam in zweien bewältigen, sowie zum Ausbau besonderer Lernangebote für Kinder mit besonderen Begabungen.

Auch die Einführung der Verlässlichen Halbtagsgrundschule (VHGS) sowie die Einführung des flächendeckenden Englischunterrichts ab Klasse 3 und die Ausweitung des Unterrichts in Deutsch und Mathematik haben einen erheblichen positiven Einfluss auf die Leistungsfähigkeit der Schulen in Hamburg.

Der Schulausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft hat sich in einer öffentlichen Anhörung am 6. Juni 2002 eingehend mit den Ergebnissen des dritten Untersuchungsdurchganges, der Untersuchung der neunten Klassen in Hamburg (LAU 9), befasst. Auch hier wurde deutlich, dass ein sehr schwerwiegendes und grundlegendes Problem darin liegt, dass noch immer die soziokulturelle Herkunft eines Kindes ein entscheidender Faktor für seine Schullaufbahn ist, nicht die Fähigkeiten, Begabungen und Leistungen. Die PISA-Studie kommt für die Bundesrepublik Deutschland ebenfalls zu diesem Ergebnis.

Alle Schulen erhalten die jeweiligen Untersuchungsergebnisse ihrer jeweiligen Klassen einzeln aufgeschlüsselt. Diese Ergebnisse werden noch nicht optimal zur Verbesserung der Qualität des Unterrichtes eingesetzt. Die einzelnen Schulen müssen angeregt und unterstützt werden, um die Untersuchungsergebnisse sinnvoll einzusetzen.

Vor diesem Hintergrund fordert die Bürgerschaft den Senat auf:

Zur Steigerung der Qualität des Unterrichtes in Hamburg:

­ sicherzustellen, dass sich alle Schulen systematisch an der Auswertung der Ergebnisse von Untersuchungen wie den LAU-Studien beteiligen, und sie fachlich dabei zu unterstützen, hieraus Konsequenzen für die Schulen zu ziehen,

­ auf der Grundlage der Daten Sozialindizes für die einzelnen Schulen zu entwickeln. Diese sollen auch als Grundlage für die Zuwendung zusätzlicher Fördermittel verwendet werden,

­ bei der Umsetzung der Reform der Lehrerausbildung sicherzustellen, dass alle künftigen Lehrkräfte Verfahren der externen Evaluation von Schulen wie PISA, LAU, Vergleichsarbeiten und deren Nutzbarmachung für die Weiterentwicklung der einzelnen Schule und des eigenen Unterrichts als verpflichtenden Bestandteil in allen Ausbildungsphasen erlernen,

­ die Professionalisierung der pädagogischen Diagnostik voranzutreiben mit dem Ziel, dass sie auf eine frühzeitige und langfristige Förderung, nicht aber auf frühe Selektion gerichtet ist.

Den eingeschlagenen Weg, durch regelmäßige Untersuchungen die Qualität an Hamburgs Schulen sicherzustellen, weiterzugehen und hierzu:

­ landesweite Vergleichstests auf der Grundlage der in den Hamburger Bildungsplänen bereits verankerten Vergleichsarbeiten zu entwickeln, die zu Teilen jeweils aus zentralen und aus schulspezifischen Prüfungsanteilen bestehen,

­ die erfolgreichen LAU-Untersuchungen fortzuführen und einen weiteren Durchgang dieser Untersuchung beginnend mit der Klassenstufe 5 durchzuführen, um dauerhaft ein Instrument zur Qualitätssicherung zu haben und um die Veränderungen im Hamburger Schulwesen über die Zeit zu ermitteln,

­ die LAU-Untersuchungen auch für die Jahrgangsstufen 13 bzw. 12 bei den Gymnasien und Gesamtschulen bzw. ULME bei den beruflichen Schulen fortzuführen,

­ sich für eine bundesweite Vergleichbarkeit von Untersuchungen einzusetzen, um die Kosten zu senken und zu standardisierten Vergleichen zu kommen,

­ zu berichten, wann mit der Veröffentlichung der so genannten Diton-Sekundäranalyse zu rechnen ist, die der Frage des Einflusses von Lehrkräften auf die Lernstände von Schülerinnen und Schülern nachgeht,

­ dafür Sorge zu tragen, dass sich alle Hamburger Schulen an der so genannten PITA-Erhebung (PISA-Test für Lehrer) beteiligen, und sich dafür einzusetzen, dass auch die Teilerhebungen, die das eigentliche Unterrichtsgeschehen (Beobachtung mit Video) ins Zentrum der Untersuchung stellen, bundesweit zur Durchführung kommen.

Wichtige offene Fragen aus der Untersuchung über die Lernausgangslagen (LAU) weiterzuverfolgen:

­ und zu berichten, aus welchen Gründen die Lernzuwächse bei Schülerinnen und Schülern an den Gymnasien deutlich hinter den Erwartungen zurück bleiben und welche Maßnahmen dagegen geplant sind,

­ und Maßnahmen zu ergreifen, um der stark verlangsamten Lernentwicklung bei Jungen mit Migrationshintergrund entgegenzuwirken, und der Bürgerschaft darüber zu berichten.

Folgende Konsequenzen zur besseren Steuerung bei der Mittelverwendung zu ziehen:

­ die Zuweisung von Mitteln für besondere Maßnahmen der Förderung an den Schulen zunächst befristet und auf der Grundlage eines von der jeweiligen Schule vorzulegenden Konzeptes vorzunehmen. In dem Konzept sollen insbesondere die Ziele der jeweiligen Maßnahme festgelegt und dieses entsprechend evaluiert werden.