Thüringer Grundschule

Ich frage die Landesregierung:

1. Welche Rolle für die Weiterentwicklung der Thüringer Grundschule misst die Landesregierung der pädagogischen Entwicklung der Schulhorte als Bestandteil eines miteinander verbundenen ganztägigen Betreuungs-, Bildungs- und Erziehungsangebots für jüngere Schulkinder in den kommenden Jahren bei?

2. Wie haben sich die Anmeldungen bzw. die Besucherzahlen für den Hort an Grundschulen seit dem Schuljahr 1998/1999 entwickelt (differenziert nach Klassenstufen sowie nach Voll- bzw. Teilbetreuung; absolute Zahlen und Relationen zur Gesamtschülerzahl nach Klassenstufen)?

3. Wie viele jüngere Schulkinder besuchen Tagesstätten bzw. Horte in freier bzw. kommunaler Trägerschaft (bitte Zahlenangaben wie unter Frage 2)?

4. Welche Landesmittel pro Schüler werden jährlich für die Betreuung an den unter Fragen 2 und 3 genannten Einrichtungen (ggf. differenziert nach Voll- bzw. Teilzeitbetreuung) eingesetzt?

5. Welche Folgen ergeben sich aus der demographischen Entwicklung für die Größe der Hortgruppen an Grundschulen bzw. für die Betreuungsrelationen sowie für die Beschäftigungsverhältnisse der Horterzieherinnen?

6. Wie werden die räumlichen Bedingungen für die Arbeit in den Schulhorten und die Berücksichtigung der Belange der Schulhorte im Rahmen der Schulnetzplanung derzeit und zukünftig eingeschätzt?

7. Wie wird das pädagogische Zusammenwirken von Lehrerinnen und Lehrern mit Erzieherinnen und Erziehern durch das zuständige Ministerium und die ihm nachgeordneten Einrichtungen (Staatliche Schulämter, Thüringer Institut für Lehrfortbildung, Lehrplanenwiklung und Medien, Studienseminare für Grundschulen) gefördert und unterstützt?

10. April 2000

Das die namens der Landesregierung mit Schreiben vom 30. März 2000 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Der Hort an Thüringer Grundschulen trägt mit seiner besonderen Spezifik zur Profilierung der Thüringer Grundschule bei. Der Grundschulhort eröffnet Möglichkeiten und Chancen, das Schulleben zu bereichern und die Grundschule in ihrer Gesamtheit kindgerechter zu gestalten. Die in den geltenden Rechtsvorschriften festgelegten Rahmenbedingungen entsprechen diesem Anliegen.

Für die weitere Qualifizierung der inhaltlichen Arbeit an Grundschulhorten sowie des pädagogischen Zusammenwirkens von Lehrern und Erziehern wurde die Problematik auch in den vergangenen Jahren mit der regionalen Schulaufsicht, Schulleitern, Hortkoordinatoren, Grundschullehrern, Horterziehern und Elternvertretern diskutiert und die Umsetzung verschiedener Hortkonzepte im Zusammenhang mit der Entwicklung der Thüringer Grundschule erörtert.

Ebenso war dieses Thema Gegenstand einer Vielzahl regionaler und zentraler Fortbildungen.

Darüber hinaus initiierte das Kultusministerium 1996 die Gründung des Arbeitskreises Gestaltung der Thüringer Grundschule, der sich insbesondere mit der Rhythmisierung des Schultags befasst. In ihm arbeiten gleichermaßen Schulleiter, Lehrer, Hortkoordinatoren und Erzieher zusammen. entwickelte die Broschüre Rhythmisierung des Schultages, die 1999 das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien veröffentlichte.

Zu 2.

Zu 3.: Im Schuljahr 1998/1999 besuchten 1 055 Kinder im Grundschulalter Kinderhorte in kommunaler Trägerschaft und 2 975 Kinderhorte in freier Trägerschaft.

Im Schuljahr 1999/2000 besuchten 970 Kinder im Grundschulalter Kinderhorte in kommunaler Trägerschaft und 2 919

Kinderhorte in freier Trägerschaft.

Zu 4.: Ausgehend von der Zahl der Hortanmeldungen im Schuljahr 1998/1999 und der im Haushaltsjahr 1999 verauslagten Personalkosten ergibt sich pro angemeldetes Hortkind ein Betrag von 2 550 Deutsche Mark.

Für die Betreuung in Kinderhorten wurden bzw. werden in den Schuljahren 1998/1999 und 1999/2000 durch Landesmittel pro Platz und Jahr 1 800 Deutsche Mark gleichermaßen für Kinderhorte in kommunaler und freier Trägerschaft ausgereicht. Bei Plätzen in Kinderhorten in freier Trägerschaft kamen bzw. kommen pro Platz und Jahr 600 Deutsche Mark Sachkostenpauschale hinzu.

Zu 5.: Die Landesregierung reagierte bereits 1996 mit einer Vereinbarung eines Modells zur Erreichung einer sozial verträglichen Personalentwicklung auf den zu erwartenden Rückgang der Schülerzahlen, in das auch die Erzieher an staatlichen Grundschulen einbezogen wurden.

Die Teilnahme am so genannten Floating-Modell sicherte bzw. sichert jedem beteiligten Erzieher Kündigungsschutz bis 2008.

Darüber hinaus erarbeitet die Landesregierung derzeit ein aktuelles Entwicklungskonzept, das auch das Personal an Grundschulhorten umfassen wird.

Zu 6.: Nach den dem Kultusministerium vorliegenden Unterlagen standen auch in den vergangenen Jahren für eine ordnungsgemäße Hortbetreuung ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung. Teilweise war es jedoch erforderlich, Horträume in anderen Gebäuden zu nutzen. Durch die derzeit zurückgehenden Schülerzahlen werden verstärkt frei gewordene Kapazitäten an den Schulen zur Hortbetreuung genutzt. Dadurch verbessern sich die Bedingungen zur Organisation des Hortbetriebs.

Zu 7.: Ein erfolgreiches Zusammenwirken von Grundschule und Hort im Sinne einer umfassenden inhaltlichen Entwicklung von Grundschule bedingt eine enge und effektive pädagogische Zusammenarbeit von Grundschullehrern und Horterziehern. Beide Schwerpunkte können daher nicht voneinander losgelöst betrachtet werden.

Das Kultusministerium trägt dem Rechnung, indem die erlassenen Rahmenrichtlinien dieses Zusammenwirken von Lehrern und Erziehern ermöglichen und befördern.

Darüber hinaus werden im Rahmen der Fortbildung den Grundschulen vielfältige Angebote zu dieser Thematik unterbreitet. Das Interesse an diesen Themen ist ausgesprochen hoch.

In diese Fortbildungsmaßnahmen eingebunden sind die Hortkoordinatoren der Staatlichen Schulämter sowie das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien.