Entwicklung der Thüringer Theater und Orchester

In einem Redaktionsgespräch mit der Thüringer Allgemeinen vom 7. März 2000 wird Frau Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Thüringer Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, zitiert: Ich lege aber großen Wert darauf, dass Thüringen in einigen Jahren wenigstens über ein Ensemble verfügt, das auch internationalen Maßstäben genügen kann.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie bewertet die Landesregierung den derzeitigen Stand der Annäherung der Thüringer Theater und Orchester an das perspektivisch erwartete Niveau, das internationalen Maßstäben genügen soll?

2. Wie bewertet die Landesregierung die derzeitigen strukturellen Bedingungen und die Standortverteilung in der Thüringer Theaterlandschaft im Hinblick auf zukünftige Entwicklungserfordernisse?

3. In welcher Verantwortung sieht sich die Landesregierung bei der Vorgabe struktureller Leitlinien bzw. Grundideen, die den regionalen Trägern und den Ensembles der Theater und Orchester die Entwicklung eigener konstruktiver Vorschläge für ihre Stellung in der zukünftigen Theater- und Orchesterlandschaft in Thüringen ermöglichen?

4. Von wem, in welcher Form und in welchen Schritten erwartet die Landesregierung bis zum Herbst 2000 die kreativen Vorschläge, von denen Frau Ministerin Schipanski in dem oben genannten Redaktionsgespräch spricht, und wie werden diese Vorschläge initiiert bzw. eingefordert?

Das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 26. April 2000 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Die Bewertung des künstlerischen Niveaus erfolgt durch Publikum, Rezensionen und künstlerische Wettbewerbe und ist nicht Aufgabe der Landesregierung. Theater und Orchester sind tarifrechtlich in die Kategorien A, B, C und D gegliedert. Diese Kategorisierung beschreibt zugleich die differenzierten Leistungsmöglichkeiten eines Theaters (z. B. unterschiedliche Gagenhöhen, unterschiedliche Orchesterstärken).

Bei dem seit jeher dichten Netz von Theatern und Orchestern in Thüringen werden auch künftig nicht alle Ensembles durchgängig überregionalen Ansprüchen gerecht werden können. Dies schließt bemerkenswerte und überregional beachtete einzelne Inszenierungen der Ensembles nicht aus.

Mit einer gezielten Förderung können jedoch die notwendigen personellen und finanziellen Voraussetzungen geschaffen werden, die zumindest an einzelnen Standorten ein Spitzentheaterangebot in Thüringen ermöglichen. Deshalb verbietet sich auch künftig eine Nivellierung bei der Höhe der Landesförderung.

Zu 2.: Auch gegenwärtig hat Thüringen eine der dichtesten Theater- und Orchesterlandschaften. Als Kehrseite dieser Dichte stoßen die Theater an Grenzen in den Auslastungszahlen. Geändert hat sich das Umfeld des Theaters. Aufklärung und Unterhaltung wird vermehrt auch auf andere Weise vermittelt. Musicalbühnen, Tourneetheater und andere Kulturangebote ziehen - begünstigt durch gewachsene Mobilität - vermehrt Besucher an.

Mit dem regional angelegten Theaterkonzept wurden einerseits die historisch in den Residenzstädten entstandenen Theater und Orchester weitergeführt und mit Fusionen zugleich erreicht, dass an allen Standorten das bisherige Mehrspartenangebot erhalten blieb. Das Publikum hat diese Fusionen in der Mehrzahl als Qualitätsgewinn wahrgenommen.

Die fünfjährige Garantie der Landesförderung für den Zeitraum 1999 bis 2003 hat für die Theater und Orchester und ihre Träger Planungssicherheit gegeben.

Das Ziel besteht auch weiterhin im Mehrspartenangebot an den bisherigen Theaterstandorten, jedoch wird sich im Zusammenhang mit der Tarifentwicklung, insbesondere der Angleichung des Tarifniveaus Ost/West, verschärft die Frage nach der Finanzierbarkeit aller Orchester und eigener Ensembles in allen Sparten stellen.

Zu 3. und 4.: Das Land ist selbst nicht Träger von Theatern und Orchestern. Aus dem hohen Niveau der Landesförderung ergibt sich - bei Wahrung des Grundsatzes der Subsidiarität - jedoch zugleich eine besondere Verpflichtung des Landes bei der Gestaltung einer regional ausgewogenen und regionale Besonderheiten berücksichtigenden Theater- und Orchesterstruktur im Land.

Deshalb hat die Landesregierung in der Vergangenheit eine moderierende Führung bei der Gestaltung der Theaterstruktur übernommen und wird sich dem auch künftig nicht entziehen. Das konkrete Forum werden die Verhandlungen um die Neufassung der Theaterverträge ab dem Jahr 2004 sein, über die vertragsgemäß bis zum 31. Dezember 2001 entschieden werden muss.