Geplante Strecken-Stilllegung im Schienennetz der Deutschen Bahn in Thüringen

Nach Information der Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands droht die Stilllegung zahlreicher Nebenstrecken, die für den flächenhaften Anschluss der Regionen bedeutsam sind.

Ich frage die Landesregierung:

1. Welche Strecken in Thüringen sollen ab Fahrplanwechsel Mai 2000 nicht mehr bedient werden (Verbindungen, Anzahl der Haltepunkte und Streckenkilometer bitte angeben)?

2. Welche Strecken davon sollen aus Gründen der Nutzungsinanspruchnahme, aus dem Fahrwegzustand oder aus Rationalisierungsgründen bei der Deutschen Bahn AG (DB AG) nicht mehr bedient werden?

3. Welche der eingestellten Strecken stimmen mit den im Nahverkehrsplan für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) im 1998 als SPNV-Angebot vorgesehene Einstellung SPNVAngebot aufgrund Bewertung überein?

4. Welche Strecken werden darüber hinaus laut Zielkonzept-Produktangebot 2002 des genannten Nahverkehrsplans im Zeitraum bis 2002 weiterhin eingestellt?

Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Infrastruktur hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 25. April 2000 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Der Vorstand der DB AG hat auf der Verkehrsministerkonferenz am 3./4. April 2000 erläutert, dass die Bahn nicht an einen Rückzug aus der Fläche denkt. Daher wird nur die Strecke Wünschendorf-Werdau, die bereits seit dem 30. Mai 1999 gesperrt ist und auf der bislang Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet war, ab Mai 2000 nicht mehr bedient.

Verbindungen: 2 SEV-Paare Wünschendorf-Seelingstädt Zwischen Seelingstädt und Werdau hat der Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) den SEV bereits durch Straßenpersonennahverkehr ersetzt. Von Montag bis Samstag verkehren vier Buspaare zwischen Seelingstädt und Werdau.

Zu 2.: Siehe Antwort zu Frage 1.

Zu 3.: Die Strecke Wünschendorf-Werdau wurde gemäß Nahverkehrsplan als Strecke ohne Erschließungsfunktion für die Region bewertet. Ihre Bedeutung ergab sich jedoch in der kürzesten Verbindung zwischen den beiden Oberzentren Gera und Zwickau.

Aufgrund der gegenwärtigen Situation (Sperrung des Gleises durch DB Netz AG) fanden zwischenzeitlich Abstimmungsgespräche zum künftigen länderübergreifenden SPNV-Angebot zwischen Thüringen und Sachsen statt. Es wurde vereinbart, dass die Regionalexpress-Linie Gera-Zwickau über die Mitte-Deutschland-Schienenverbindung bzw. über die Sachsenmagistrale geführt wird. Da beide Strecken im Rahmen des vordringlichen Bedarfs des Bundesverkehrswegeplans ausgebaut werden sollen, können die kürzesten Fahrzeiten (ca. 50 Minuten) zwischen den beiden Oberzentren bei dieser Linienführung realisiert werden.

Zu 4.: Die notwendigen Untersuchungen zur Vorbereitung der entsprechenden Entscheidungen sind noch nicht abgeschlossen.