Forschung

Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen auf dem Gebiet der politischen Bildung Wesentliche Vorarbeiten für eine Quellenpublikation in Zusammenarbeit mit dem Hauptstaatsarchiv Weimar zum Thema. Die Bezirkspolizeibehörde des Bezirkes Erfurt im Herbst 1989 und die polizeiinternen Tagesmeldungen über das politische Handeln der Bewohner im Bezirke Erfurt sind erfolgt. Abgeschlossen sind Materialauswahl, Erklärungen und eine inhaltliche Übersicht. Momentan wird daran gearbeitet, die Faksimilevorlagen für die Veröffentlichung computertechnisch für den Druck vorzubereiten, eine gemeinsame Einleitung fertigzustellen sowie den Druckauftrag über eine beschränkte Ausschreibung zu vergeben. Mit einer Veröffentlichung der Quellenausgabe ist Mitte 1995 zu rechnen.

Besetzung der Stasi-Dienststellen getroffen. Der Autor ist Mitarbeiter des Bundesbeauftragten. Die Druckform soll an eine bereits erfolgte Veröffentlichung des Landesbeauftragten anschließen - im Rahmen der Reihe C Monographien von. Der Landesbeauftragte des Freistaates Thüringen... informiert. Mit der Veröffentlichung wird Mitte 1995 gerechnet.

7. Ausblick auf die weitere Tätigkeit des Landesbeauftragten Schwerpunkte für die weitere Tätigkeit des Landesbeauftragten werden sein:

· Öffentlichkeitsarbeit;

· die Bürgerberatung und Einzelfallbegleitung für das Land Thüringen in gleicher Intensität wie bisher;

· Vertretern von politischen Parteien zu Überprüfungsfragen und Fragen der Öffentlichkeitsarbeit.

Folgende Probleme müssen aus der Sicht des Landesbeauftragten dringend gelöst werden:

· die Ermöglichung historischer Forschung und Aufarbeitung in den landeseigenen Archiven durch eine deutlich bessere Personal- und Raumausstattung der Archive; durch die Verfügbarkeit der Archive dokumentiert ein Land, welchen Stellenwert es seiner eigenen Geschichte beimißt;

· die Unterstützung des Bundesbeauftragten bei der weiteren Erschließung von Sachakten durch zeitweilige Abstellung von Landesbediensteten in die Außenstellen;

· ohne einseitige Beschränkung auf die Überprüfung einer · die Novellierung des Thüringer Landesbeauftragtengesetzes hinsichtlich des Aufgabenbereiches;

· die Durchführung einer Erhebung über durchgeführte Überprüfungen in den öffentlichen Stellen des Landes Thüringen.

Arbeit in der zurückliegenden Periode unterstützt haben.

Er freut sich auf eine künftige Zusammenarbeit mit allen Personen und Einrichtungen, die für mehr Gerechtigkeit und Offenheit bei der Bewältigung der Vergangenheit eintreten.

Anlagen Anlage 1:

Im Vorfeld oder unmittelbarem inhaltlichen Zusammenhang mit der Beratung beim Landesbeauftragten steht das Interesse der Bürger an ihren Akten bzw. an ihrer heutigen biographischen Perspektive.

Dieser Personenkreis lässt sich etwa in der folgenden Weise näher charakterisieren:

· Das Spektrum geht quer durch die Bevölkerung: nach Grad der Verfolgung/Anpassung, Alter und Beruf.

· Keine Antragsteller sind in der Regel hauptamtliche Staatsfunktionäre, überzeugte Vertreter des DDR-Systems sowie auch viele IM, wenn nicht unmittelbar arbeitsrechtliche Konsequenzen bevorstehen (manche jedoch auch dann nicht).

· Besonders ältere Personen haben hier oft eine dramatische Aktenlage (Hintergrund ist der Charakter des und die politische Situation in den 50/60er Jahren). Umfang von vorgefunden (werden):

a) Bei etwa einem Drittel, also 60.000, endet die Suche ohne jeden Hinweis. Von etwa 20 bis 25Prozent davon wird dieses Ergebnis nicht akzeptiert und eine Fortsetzung der Suche, unter Bezugnahme auf die noch nicht abgeschlossenen Erschließungsarbeiten, wird gefordert.

b) Zu einem weiteren Drittel, auch 60.000, ergibt die Suche Karteikartenhinweise, d.h. entweder Hinweise auf verlorene Akten meist der ZMA (s.u.) oder - weit häufiger - mit Kurzinformationen (wie Reisetermine, Eignung als Brief u. dgl.). Auch dieses Findergebnis ist in der Regel für die Betreffenden selbst wichtig.

c) Zu etwa 80.000 Antragstellern wird es Unterlagen geben. Allerdings gibt es auch hier einige z. T. substantielle Unterschiede:

- hier bei weniger umfangreicher Aktenlage hohe persönliche Belastungen).

- Operative Personenkontrollen, oft etwa 200 Seiten; diese können sowohl oppositionelles Handeln als auch eine für die Betreffenden spürbar, ausgenommen berufliche Nachteile oder nicht gestattete Reisen o. dgl.

Diese Aktenlage betrifft etwa 15.000 Akteneinsichten.

- Akten zu IM oder auch zu halboffiziellen Kontaktformen mit dem werden etwa 7.000 Antragstellern Berichtsinhalte).

- Personendossiers gibt es zu über 40.000 Antragstellern. Es handelt sich um gesammeltes Einzelmaterial aus verschiedensten Diensteinheiten (Kreisdienststellen, Abteilungen Wirtschaft o. Reiseverkehr etc.) unter 30

Seiten. Die Gründe des Anlegens der Akten sind vielfältig, das Spektrum reicht von Sicherheitsprüfungen für Grenzsoldaten, Reisekader über zufällige Einzelinformationen oder sogen. Operativ-Bedeutsames bis ins Vorfeld der Beobachtung.

- Täter-Opfer-Profilen.

Ob diese prozentuale Aufteilung der aller Thüringer (also auch der, die keine Einsicht beantragten) zahlreiche Beispiele dafür, dass der Aktencharakter beim zu einer Person durchaus nicht identisch ist mit seinen Auffassungen oder Auftretensweisen zu verschiedenen Zeitpunkten seines Lebens in der DDR.

Die Motive zur Akteneinsicht können unterschiedlich sein:

· Einsichtnehmer, die einschneidende Belastungen wie Haft u. ä. erlitten, wollen diese Zeit gezielt rekonstruieren, unklare Sachverhalte aufklären. Für sie bedeutet eine Einsicht nicht selten auch einen Moment der Erlösung.

· Personen mit bestimmten (z. T. auch solche mit eher irrealen) Ängsten wollen sich oftmals in diesen Ängsten jemand zur Verantwortung gezogen wird.

· aber nicht selten, dass sie sich plötzlich unter anderer Perspektive intensiv mit den Akten befassen.

· Eine größere Zahl von Einsichtnehmern sind eher neugierig und sagen das auch so. Nicht immer bleibt es allerdings nach der Akteneinsicht nur bei der Neugier.

· erklären und auch im nachhinein als unumgänglich erscheinen lassen. Das, was sie selbst erzählen, ist häufig in sich widersprüchlicher als das von ihnen Geschriebene in den IM-Akten. Es gibt aber auch IM, die ehrlich eine Auseinandersetzung suchen.

· DDR sein. Manche sehen sich heute als eigentlich schon immer Oppositionelle. Hier gibt es z. T. sogar Versuche, den eigenen Lebenslauf passend umzudeuten.

· Ebenfalls recht ausgeprägt ist der Wunsch nach Einsicht in die Akten zu verstorbenen Eltern oder Verwandten.

· Viele Bürger beteuern, dass sie niemanden verfolgen wollen. Das kann aus dem privaten Umfeld, aus Gewohnheit sich zu rechtfertigen oder aus dem Bild der Gauck-Behörde in der Öffentlichkeit herrühren.

Erleben der Akteneinsicht:

Die Einsichtnehmer kommen in der Regel mit einer inneren Anspannung zur Einsicht. Im nachhinein hat unseres Wissens jedoch noch niemand sein Bedauern geäußert, Einsicht in die Akten genommen zu haben.

Eine häufige Reaktion ist die Frage, ob das schon alles war. Die Akten stimmen nicht immer mit der eigenen als erwartet und nicht immer Aufzeichnungen zu den Sachverhalten vorhanden sind, zu denen sie vermutet werden.

Ein Aspekt dafür ist, dass das politische Gefüge und Funktionieren auch für den gelernten DDR-Bürger teilweise unübersichtlich war (das hatte eine umgrenzte Position in einer Art Arbeitsteilung). Häufig werden bei der Akteneinsicht Dinge erwartet, die eigentlich der Polizei oder den berüchtigten Abteilungen Inneres zugeordnet waren. nur teilweise Widerspiegelung in den Akten. bezüglich der Mehrzahl der Bürger). Manche Akteneinsichten wandeln sich vom ernsten Beginn in ein schallendes zumindest auf der DDR-Alltagsebene.

Manche Bürger fragen nach Möglichkeiten, wie sie von bestimmten DDR-Amtsträgern oder IM heute Genugtuung erfahren können - hier können nur sinnvolle Ratschläge im Bereich des Strafrechts gegeben werden.

Der Umgang mit IM-Erkenntnissen: es zu Ausschreitungen gegenüber einem IM gekommen wäre. In der Regel gibt es aber auch keine Gespräche, sondern Vergleich zu sich selbst. Nicht selten mußten Bürger auch feststellen, dass sie früher die falschen hinsichtlich einer IMTätigkeitverdächtigthatten.

Ein Fazit über den Sinn der Akteneinsichten erübrigt sich.

Die Ebene des privaten Kontaktes ist hierbei eindeutig bestimmend. Das gegenseitige Weiterinformieren zeugt allerdings auch davon, dass das Thema der politischen DDR-Vergangenheit nicht vom Tisch ist - und das auch, obwohl mitunter eine Vermengung mit individuellen Interessen erfolgt (es gibt in einzelnen Familien sogar echte Krisensituationen). Eine weitere Zunahme des Umfangs und der Art der Akteneinsichten beim Bundesbeauftragten ist auch für die nächste Zeit zu erwarten.