Zu 4 Ein höherer Durchimpfungsgrad kann erreicht werden wenn die Bürger aus persönlichem Wissen über Krankheiten

Diese Daten für Deutschland sind mit folgenden Einschränkungen auch auf Thüringen übertragbar: Der Tetanus- und Polio-Immunschutz, der bis 1990 gemäß serologischen Untersuchungsergebnissen bei den Erwachsenen im heutigen auf Thüringen übertragen werden, da die Diphtherieimpfung in Kombination erst 1961 in der ehemaligen DDR als Kinderimpfung eingeführt wurde.

Zu 4.: Ein höherer Durchimpfungsgrad kann erreicht werden, wenn

- sich und andere bereit sind, sich und ihre Kinder schützen zu lassen, auch wenn sie nicht vom Arzt aufgesucht werden, sondern den Arzt aufsuchen müssen,

- Ärzte über das notwendige Fachwissen zu Schutzimpfungen verfügen und jeden Patientenkontakt in Praxis oder Krankenhaus dazu nutzen, den Impfstatus des Patienten zu prüfen, die notwendigen Schutzimpfungen dringend anzuraten und die Schutzimpfungen durchzuführen,

- der öffentliche Gesundheitsdienst, insbesondere die Gesundheitsämter, die Impfaufklärung der Bevölkerung die aus unterschiedlichen Gründen keinen Arzt aufsuchen und

- Bürger, niedergelassene und Krankenhaus-Ärzte und die Mitarbeiter der Gesundheitsämter vertrauensvoll zusammenarbeiten.

In diesem Zusammenhang hat die Landesregierung seit 1990 folgende Maßnahmen eingeleitet:

a) Aufklärung der Bürger über das Wirken und die Notwendigkeit von Schutzimpfungen

- über die Gesundheitsämter,

- über öffentliche Medien,

- (MLVUA) und

- in den Thüringer Gesundheitswochen, wobei die diesjährige besonders deutlich auf die Schutzimpfungen ausgerichtetwar;

b) Impfberatung und -weiterbildung für Ärzte durch die Impfberatungsstelle des Landes - z. B. wurden 1993/94 23

Impffortbildungsveranstaltungen und 1.868 telefonische und schriftliche Beratungen durchgeführt -;

c) personenbezogene Erfassung der durchgeführten Impfungen durch freiwillige Meldungen der niedergelassenen Aussagen für Impfstrategien zu erhalten;

d) Erfassung des Immunstatus der Schulanfänger und der Schüler bei zwei weiteren Schuluntersuchungen, um auf die Erhöhung der Impfrate direkt hinzuwirken;

e) öffentliche Impfempfehlung für 14 aktive Schutzimpfungen;

f) Bereitstellung von Haushaltsmitteln für den Kauf von Impfstoffen für das unentgeltliche Angebot von

- seit 1991 wurden 2,7 Millionen Deutsche Mark aus dem Landeshaushalt bereitgestellt -;

g) Impfangebot für ausländische Bürger, die in Gemeinschaftseinrichtungen leben, durch die Gesundheitsämter;

h) Einbeziehung der Gesundheitsverwaltung in die Impfstrategie-Bildung der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen und in Weiterbildungsveranstaltungen der Landesärztekammer Thüringen und der Kassenärztlichen Vereinigung.

Zu 5.: unter Beachtung des Schutzes der Persönlichkeitsrechte des einzelnen, dem Recht auf körperliche Unversehrtheit und die Landesregierung z. Zt. nicht, die Impfpflicht für ihre Bürger durch ein Gesetz festzuschreiben. Die Impfpflicht in der ehemaligen DDR erbrachte die hohen Durchimmunisierungsraten nur deshalb, weil de fakto den Leiterinnen von Kindereinrichtungen die Pflicht auferlegt wurde, für den Impfschutz der untergebrachten Kinder Sorge zu tragen. Die Leiterin der Einrichtung stellte in der Regel fest, welche Impfung anstand, wann das Kind gesundheitlich geeignet war und wann es dem Arzt, der die Einrichtung betreute, zur Impfung vorgestellt wurde. Auch wenn die Eltern rechtzeitig die Ärzte ihre Berufspflichten gewissenhaft erfüllt haben, waren doch die Eltern in der Regel weitgehend aus ihrer Verantwortungherausgenommen.

Die Durchimpfungsrate, die für den Individual- und Kollektivschutz unter Beachtung der derzeitigen epidemiologischen Situation in Thüringen notwendig ist, soll vor allem durch eigenverantwortliches Handeln seiner Bürger im Zusammenwirken mit den Vertretern der Heilberufe, den Krankenkassen und dem öffentlichen Gesundheitsdienst wie z. B. die USA, haben das gesteckte Durchimmunisierungsziel trotz der gesetzlichen Pflicht nicht erreichen können.