Industriedenkmal Wismutregion um Ronneburg

Kürzlich wurde in der Öffentlichkeit bekannt, dass zumindest Teile der Hinterlassenschaften des Uranbergbaus in der Region um Ronneburg unter Denkmalschutz gestellt werden sollen. Dieses Vorhaben löste in den betroffenen aus. Man befürchtet vor allem eine Verzögerung der Sanierungsarbeiten und eine Festschreibung des schlechten Rufs der Wismutregion.

Ich frage die Landesregierung: l. Wird die begonnene Sanierung der Wismuthinterlassenschaften durch den Vorschlag der zumindest teilweisen Unterschutzstellung negativ beeinflußt, verzögert sich die Sanierung oder kann es gar zum Stillstand der Arbeiten kommen?

2. Wird der Bevölkerung der in der Wismutregion liegenden Gemeinden ein Mitspracherecht zum Vorhaben Industriedenkmal, Kunstlandschaft Wismutregion eingeräumt? Wenn ja, wie wird dieses Mitspracherecht realisiert?

3. Kann es durch die Unterschutzstellung zu negativen Auswirkungen auf die Ansiedlung von Gewerben und Unternehmen kommen, z. B. durch Auflagen, höhere Kosten oder Einschränkungen für die Betriebe durch

Das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 25. September 1995 wie folgt beantwortet: Vorbemerkung erfaßt das Landesamt für Denkmalpflege Erfurt als zuständige Fachbehörde Industriedenkmale und wirkt mit, diese zu erhalten und sie nach Möglichkeit und unter Einbeziehung aller Beteiligten einer neuen Nutzung zuzuführen.

Schwerpunkte sind u.a. Projekte im Altenburger Land (Rositz), die Städte Gera und Jena, Pößneck, die Maxhütte Unterwellenborn und nicht zuletzt die Wismutregion.

Dabei werden die materiellen Hinterlassenschaften des Uranbergbaus ebenso einer entsprechenden denkmalpflegerischen Prüfung unterzogen, wie beispielsweise die der Glasindustrie in Thüringen. Gegenwärtig wird in Absprache und in Zusammenarbeit mit der Wismut eine Dokumentation aller noch vorhandener übertägiger Standorte des Uranbergbauseingeleitet.

Neben der Dokumentation werden das Sanierungskonzept der Wismut sowie die Ergebnisse des Umweltkatasters zu Kontaminationen in die Prüfung mit einbezogen. Erst unter Berücksichtigung aller genannten Unterlagen wird eine Grundsatzentscheidung vom Landesamt für Denkmalpflege vorbereitet und mit der Wismut beraten.

Zu l.: negativ beeinflussen, verzögern oder gar zum Stillstand bringen.

Zu 2.: Durch den Uranbergbau wurden in der Wismutregion großflächige Eingriffe in die Siedlungs- und Landschaftsstrukturen vorgenommen. Orte verschwanden vollständig, neue Wohnstandorte wurden geschaffen. Bergbaulandschaften in Form von Halden, industriellen Absetzbecken und Tagebaue entstanden. Geprüft werden muss nach Abwägung aller genannten Faktoren, wie Kontamination, Sanierungskonzept u.a.m. auch die Frage des Erhalts einer in 40 Jahren gewachsenen Bergbau- und Industrielandschaft durch:

- Erhalt von Schachtanlagen und technischen Ausrüstungen,

- Erhalt von hochwertigen Industriebauten und Prüfung einer Umnutzung,

- Erhalt von landschaftsprägenden Elementen wie Halden, Tagebaue.

Das Landesamt ist im Zuge dieser Vorgehensweise bestrebt, auch mit den Kommunen einen Konsens herzustellen.

Nach § 5 Abs. 1 Satz 5 des Thüringer Denkmalschutzgesetzes vom 7. Januar 1992 hat die Denkmalfachbehörde vor der Eintragung eines Kulturdenkmals in das Denkmalbuch die Gemeinde zu hören, in der das Denkmal belegen ist. Dabei zu machen und über die strittigen Objekte zu diskutieren. Innerhalb dieses Anhörungsverfahrens kann die Gemeinde begründen, warum sie den Denkmalwert für bestimmte Objekte nicht als gegeben ansieht.

Zu 3.: Die Industriedenkmalpflege stellt bei der Frage des Erhalts grundsätzlich die Um- und Neunutzung des vorhandenen Bestandes in den Vordergrund. Diese Frage ist keine spezifisch abgeleitete für die Wismutregion, sondern stellt sich genauso für Bauten der Textil- oder Zuckerindustrie, der ehemaligen Schlachthöfe oder Maschinenhallen, Mälzereien

Mit der denkmalpflegerischen Unterschutzstellung gewinnt das Gebiet um Ronneburg an Charakteristik und damit an Attraktivität für die Ansiedlung von Unternehmen. In der Regel kann eine bereitstehende Industriebausubstanz großzügig in neue Nutzungsabsichten einbezogen werden.