Analphabetentum in Thüringen

In der sozialen Arbeit im Land Thüringen stößt man immer wieder auf das Problem des Analphabetentums.

Daraus ergeben sich für mich folgende Fragen an die Landesregierung:

1. Gibt es eine genaue Vorstellung über die Anzahl der in Thüringen lebenden Analphabeten? Wenn ja, wie viele?

2. Differenzierungen gibt es?

3. In welchen sozialen Gruppen ist Analphabetentum, nach Häufigkeiten geordnet, nachweisbar?

4. Welche Institutionen, Vereine oder Bildungsträger arbeiten gezielt mit Analphabeten?

5. Gibt es konzeptionelle Projekte seitens der Landesregierung über Hilfen für betroffene Personen?

6. Sind finanzielle Mittel geplant, um die Situation der Betroffenen zu verbessern?

7. Welche Vereine und Verbände betreuen gegenwärtig Analphabeten?

8. Welche Fördermöglichkeiten sieht die Landesregierung für Vereine und Verbände, die sich der Beseitigung des Analphabetentumsstellen?

Das Thüringer Kultusministerium hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 22. Dezember 1995 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Es gibt keine Erkenntnisse über die Zahl der Analphabeten in Thüringen.

Zu 2.: Es gibt keine eindeutig abgrenzbaren Grundtypen von Analphabeten. Man kann aber zwischen Nichtlernern und

Da die Schulgesetze in allen deutschen Bundesländern eine Schulpflicht begründen, sind in dieser Fallgruppe nur

2. Wahlperiode

23. Januar 1996

Einzelfälle möglich (Ausländer, Nichtseßhafte o.ä.). Wer der Schulpflicht nachgekommen ist, kann in der Regel lesen und schreiben.

Funktionaler Analphabetismus als zweite Gruppe entsteht durch sogenanntes Verlernen. Begünstigende Faktoren hierfür sind u.a. mangelnde soziale Bindungen, familiäre Aspekte, berufliche Mißerfolge oder Gleichgültigkeit und Ablehnung von seiten der Bezugsperson und Verfestigung eines negativen Selbstbildes.

Zu 3.: Darüber liegen keine Erkenntnisse vor.

Zu 4.: Neben den Schulen bemühen sich verschiedene Träger der Erwachsenenbildung um die Probleme des Analphabetentums, andere Vereine oder Institutionen sind nicht bekannt.

Zu 5.: Konkrete Projekte bestehen nicht. Im Rahmen der Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten nach § Für die Förderung von Schulpflichtigen gelten die Regelungen des Förderschulgesetzes.

Zu 6.: Zusätzliche Mittel sind nicht eingeplant.

Zu 7.: Darüber liegen keine Erkenntnisse vor.

Zu 8.: Zusätzliche Fördermöglichkeiten für Vereine und Verbände, die sich der Beseitigung des Analphabetentums stellen, sind derzeit nicht vorgesehen.