Straßenverkehrsunfälle in Thüringen

Bundesweit ist die Zahl der getöteten Kinder im Straßenverkehr 1994 leicht gesunken. Sie haben als Pkw-Insassen laut Personen sind auch ein Indiz für die Verkehrssicherheit hierzulande.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie viele Unfälle wurden im Zeitraum 1992 bis 1994 polizeilich erfaßt? (Bitte jahresweise auflisten und nach folgenden Kriterien ordnen:

a) Bundesautobahnen,

b) Bundes- und Landesstraßen,

c) Städte und Gemeinden.)

2. waren darunter? (Bitte den unter 1a bis c genannten Unfallschwerpunkten zuordnen.)

3. Wie verteilten sich die verunglückten Personen auf die entsprechenden Altersgruppierungen (vgl. 1. Gesundheitsbericht des Freistaats Thüringen)?

4. Wie waren die verunglückten Personen am Straßenverkehr beteiligt? (Bitte getrennt ausweisen als

a) Pkw-Insassen bzw. -Fahrer,

b) Kraftradbeifahrer bzw. -fahrer,

c) Fahrradfahrer,

d) Fußgänger.)

5. Läßt sich aus Sicht der Landesregierung aus oben gemachten Angaben eine altersspezifische Gefährdung im Straßenverkehr ableiten? Wenn ja, durch welche gezielten Maßnahmen kann an Unfallschwerpunkten und für die besonders betroffenen verunglückten Personen die Verkehrssicherheit in Thüringen erhöht werden?

Das Thüringer Innenministerium hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 22. Dezember 1995 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: In den Jahren 1992 bis 1994 wurden durch die Polizei 66.646 Verkehrsunfälle statistisch erfaßt.

Die sogenannten Bagatellunfälle (Unfälle, bei denen die Schadenshöhe bei keinem der Geschädigten die 4.000,- unterzogen.

Sie werden in Beantwortung der Kleinen Anfrage nicht berücksichtigt.

Die Unfallhäufigkeit auf den nachfolgend aufgeführten Straßen und innerhalb der Städte und Gemeinden stellt sich für den Zeitraum 1992 bis 1994 wie folgt dar:

5.706 Unfälle mit Personen- und schwerem Sachschaden ereigneten sich auf Kreisstraßen (inner- und außerorts) und sonstigen Straßen außerorts.

Die Auswertung der Unfalldaten durch die Polizei erfolgt auf der Grundlage des Bundesstatistikgesetzes. Dieses Regelwerk sieht eine Aufschlüsselung der Verkehrsunfälle nach verkehrsberuhigten Wohngebieten und Straßen ohne Tempolimit nicht vor, so dass in diesem Fall zu den Unterschieden keine Aussage getroffen werden kann.

Zu 2.: verletzt und 27.792 leicht verletzt wurden.

Aufgegliedert nach Bundesautobahnen, Bundes- und Landstraßen sowie auf Städte und Gemeinden ist die Anzahl der verunglückten Personen wie folgt: Tote Verletzte (Schwer- und Leichtverletzte)

a) Bundesautobahnen 145 3.

b) Bundes- und Landstraßen 868 25.

c) Städte- und Gemeindestraßen 128 10.

Auf den Kreisstraßen (inner- und außerorts) und sonstigen Straßen außerorts verunglückten 117 Personen tödlich und 4.350 wurden schwer bzw. leicht verletzt.

Zu 3.: Nach der Art der Verkehrsbeteiligung verunglückten:

a) 30.279 Personen als Pkw-Insassen bzw. -Fahrer,

b) 2.038 Personen als Kraftradbeifahrer bzw. -fahrer (ohne Mofa und Mopeds),

c) 3.206 Personen als Fahrradfahrer,

d) 4.852 Personen als Fußgänger.

Zudem ist zu bemerken, dass 2.908 Personen als Fahrer von Mofas und Mopeds, 1.809 Fahrer und Mitfahrer von Kraftomnibussen und Lastkraftwagen sowie 38 als Mitfahrer auf Fahrrädern verunglückten.

345 Personen verunglückten als Fahrer bzw. Mitfahrer von sonstigen Kraftfahrzeugen.

Zu 5.: 1992 keine wesentliche Veränderung ab.

Die Zahl der getöteten Fahrzeugführer in dieser Altersgruppe ging zwar im Jahr 1994 im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Prozent zurück, die der Verletzten stieg um 6,9 Prozent.

Die Bilanz zeigt, dass junge Erwachsene, insbesondere als Pkw-Fahrer und Mitfahrer in Pkw mit 30,9 Prozent überproportional an schweren Verkehrsunfällen beteiligt sind.

Im Jahr 1994 wurden 120 Unfälle (29,1 Prozent) der 412 von Fahrzeugführern verursachten tödlichen Verkehrsunfälle von 18- bis 25-jährigen verursacht. Diese Tendenz war auch bei Verkehrsunfällen unter dem Verdacht von Alkohol zu verzeichnen, die zu einem Drittel von dieser Altersgruppe verursacht werden. Es lassen sich jedoch keine örtlichen Unfallbrennpunkte feststellen. Vielmehr ist dieses Geschehen insbesondere über den gesamten ländlichen Bereich feststellbar.

Aufgrund der besonderen Bedeutung der Verhaltensverstöße überhöhte bzw. nichtangepaßte Geschwindigkeit und Führen von Fahrzeugen unter Alkoholeinwirkung werden Kontrollen landesweit durchgeführt.

Bei diesen Hauptunfallursachen Geschwindigkeit und Fahren unter Alkoholeinwirkung konnten dadurch generell im Jahr 1994 Rückgänge um 8,4 Prozent bzw. 4,8 Prozent verzeichnet werden.

Dieser Trend war auch bundesweit feststellbar (Rückgang bei den Hauptunfallursachen Geschwindigkeit um 2,6 Prozent und Alkohol um 3,5 Prozent).

Ein geändertes Konzept zur weiteren Zurückdrängung der geschwindigkeits- und alkoholbedingten Unfallursachen verwirklicht die Thüringer Polizei seit dem 30. Oktober 1995, in dem Geschwindigkeitskontrollen mit Anhaltung insbesondere an Unfallbrennpunkten und in schutzwürdigen Zonen (vor Schulen und Altenheimen etc.) durchgeführt werden. Hierbei wird u.a. das Ziel verfolgt, unmittelbar am Ort der Feststellung mit einem Betroffenen das verkehrserzieherische Gespräch zu suchen.

Da die Erhöhung der Verkehrssicherheit eine grundsätzliche Aufgabe ist und in gesamtgesellschaftlicher Trägerschaft liegt, arbeitet die Polizei darüber hinaus mit allen Trägern der Verkehrssicherheit zusammen.

Die Perspektiven und Schwerpunkte für die künftige Verkehrssicherheitsarbeit und die dafür verantwortlichen gesellschaftlichen Kräfte wurden 1995 im Verkehrssicherheitsprogramm Thüringen 2000 - Mobilität und Verkehrssicherheitfestgelegt.