Kinder und Jugendliche mit Teilleistungsstörungen

In den letzten Jahren hat die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen (MCD/HKS u.a.) deutlich zugenommen. Frühe Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen, Sprachauffälligkeiten und emotionale Labilität verbinden sich zu einem Problem, bei dem die Andersartigkeit der Kinder und Jugendlichen eine große oftmals den Endpunkt. Die Folgen für Kinder und Jugendliche sind dem Status einer Behinderung entsprechend.

Ich frage die Landesregierung:

1. Wie hoch schätzt die Landesregierung die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Thüringen ein?

2. a) Sind der Landesregierung Ursachen für Teilleistungsstörungen bekannt, und wie bewertet sie diese?

2. b) Wie beurteilt die Landesregierung die stetige Zunahme der Zahl der auffälligen Kinder und Jugendlichen mit in der Zukunft für geboten?

3. Sieht die Landesregierung Zusammenhänge zwischen Teilleistungsstörungen im Kindes- und Jugendalter und Alkohol- und Drogenkonsum sowie Kriminalität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen?

Wenn ja, welche Präventionsmaßnahmen hält sie für erforderlich?

4. Wie sieht das gegenwärtige Therapieangebot in Thüringen konkret aus, und hält es die Landesregierung für ausreichend?

5. Ist die Landesregierung der Meinung, dass die Bevölkerung ausreichend über Teilleistungsstörungen aufgeklärt ist?

Das Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit hat im Einvernehmen mit dem Thüringer Kultusministerium und dem Thüringer Ministerium für Justiz und Europaangelegenheiten die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 15. Januar 1996 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in Thüringen wird nicht erfaßt. Ebenso werden auch keine Teilerhebungen durchgebührt, so dass Schätzungen oder Hochrechnungen ebenfalls nicht vorgenommen werden können.

Gleichzeitig sei auf folgendes hingewiesen:

Die in der Anfrage aufgeführten Symptome - wie Bewegungsstörungen, Sprachauffälligkeiten und emotionale Labilität - sind natürlich nicht zwangsläufig nur den Kindern und Jugendlichen mit Teilleistungsschwächen zuordnen.

So treten beispielsweise Sprachauffälligkeiten oder Bewegungsstörungen auch als Begleitsymptome anderer Erkrankungen oder Behinderungen auf. Deshalb sind auch aufgrund der recht allgemeinen Fragestellung keine abgesicherten Zahlen zu liefern.

Zu 2. a:

Die Ursachen für Teilleistungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen können möglicherweise neben organischen Anlagen auch psychosoziale und seelische Gründe haben, die beispielsweise durch Gewalt in der Familie verursacht werden. Die Zusammenhänge sind jedoch nicht hinreichend gesichert, so dass eine Bewertung der Ursachen nicht möglich ist.

Zu 2. b:

Eine Zunahme der Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen ist nicht bekannt. von Kindern und Jugendlichen mit Teilleistungsstörungen, wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.

Zu 3.: In der wissenschaftlichen Literatur werden Zusammenhänge zwischen problematischem Alkoholkonsum bei männlichen Jugendlichen und dem Vorliegen folgender, in der Kindheit erhobener Daten dargestellt: nicht kontrollierte Impulsivität, Extraversivität, Betonung der Männlichkeit, geringe Produktivität.

Die Jugendlichen wurden als weniger ruhig, empfindlicher und leichter von den sozialen Bedingungen beeinflußbar geschildert. bei Personen berichtet wird, die als Kinder durch ihre Hyperaktivität aufgefallen waren (Symptom eines Minimalbrain-damage-Syndroms).

In Abhängigkeit von der Schwere der Teilleistungsstörungen haben diese Kinder Schwierigkeiten, die normalen Entwicklungsaufgaben Heranwachsender zu erfüllen. Das bezieht sich sowohl auf das Leistungs- als auch auf das Sozialverhalten. entstehen (Schulschwänzen, Hinwendung zu devianten Gruppen, neurotische Entwicklungen).

Zu den möglichen Folgen einer erschwerten Bewältigung von Entwicklungsaufgaben können auch der Konsum von Alkohol oder anderer psychoaktiver Substanzen gehören, mit deren Hilfe diese Kinder später ihre Defizite und ihr Problemerleben zu kompensieren versuchen. Sie tragen damit ein erhöhtes Risiko, einen schädlichen Alkohol- und Drogenkonsum zu entwickeln.

Kinder und Jugendliche mit Teilleistungsstörungen bedürfen besonderer präventiver Maßnahmen, die zum Teil über den Zuständigkeitsbereich der Suchtkrankenhilfe und -prävention geleistet werden können.

Prinzipiell werden diese Kinder und Jugendlichen durch Maßnahmen miterfaßt, die im Rahmen der primären Suchtprävention in Thüringen angeboten werden. Die Suchtprävention in Thüringen erfolgt nach einem ursachenorientierten Ansatz und hat (vorwiegend) die Förderung der Lebenskompetenz zum Ziel. Sie ist organisatorisch in den Schulbereich und in die Jugendarbeit eingebunden.

Sollen im schulischen Rahmen spezifische, auf die Bedürfnisse dieser Kinder abgestimmte Maßnahmen angeboten gezielte Absprachen mit den Eltern, dem medizinisch-therapeutischen Bereich und dem Lehrpersonal erforderlich.

In Förderschulen, in die jene Kinder aufgenommen werden, deren Teilleistungsstörungen eine Behinderung zur Folge haben, werden gegenwärtig bereits Angebote zur primären Suchtprävention (auf Anforderung) durch Fachkräfte der nichtbehinderte Kinder und Jugendliche Freizeitangebote unterbreitet werden, die ebenfalls auf die Entwicklung der Lebenskompetenz ausgerichtet sind. Dieser integrative Ansatz soll insbesondere auch das Miteinander und das gegenseitige Verständnis fördern (Modellprojekt Schmetterling - Integratives Freizeitzentrum des Lebenshilfe Erfurt e. V.). Allgemeine Erfahrungen und Beobachtungen in der Praxis haben gezeigt, dass verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche eher suchtgefährdet sind als solche, die als normal bezeichnet werden können. Auch ist die Gefahr der Straffälligkeit offensichtlich, da überproportional viele delinquente Jugendliche und Heranwachsende vorausgehende Verhaltensstörungenaufweisen.

Ob Zusammenhänge auch umgekehrt dergestalt bestehen, dass Alkohol- und Drogenkonsum sowie Kriminalität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ursächlich für das Entstehen der genannten Störungen sind, kann aus Sicht der Untersuchungen zu erlangen, die von den Strafverfolgungsbehörden nicht vorgenommen werden.

Zu 4.: klinische Untersuchung und orientierende Tests nach Zeichen einer Wahrnehmungsstörung oder und geistigen Reife und achten auf Verhaltensauffälligkeiten.

(z. B. in Frühförderstellen), eine sozialmedizinische Beratung und Diagnostik bzw. Entwicklungsdiagnostik durch das Sozialpädiatrische Zentrum oder bei Schülern eine Stellungnahme durch die Mobilen Sonderpädagogischen Dienste empfohlen. bedrohte Kinder im Alter von null bis sechs Jahren hinsichtlich der angeführten Teilleistungsstörungen zu therapieren und zu fördern sowie den Eltern Beratung und Hilfestellung anzubieten. Außerdem stehen den betroffenen Eltern für jeder staatlichen Förderschule in Thüringen eine eingerichtet wurde.

Zu 5.: bei Kindern und Jugendlichen grundsätzlich ausreichend ist.