Anerkennung der Zentralklinik Bad Berka als Akademisches Lehrkrankenhaus der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Ausstattung der Zentralklinik Bad Berka hinsichtlich der Eignung als Akademisches Lehrkrankenhaus bietet hervorragende Voraussetzungen.

Ich frage die Landesregierung:

1. Ist es zutreffend, dass durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und das Ministerium für Soziales und Gesundheit eine Berücksichtigung der Zentralklinik als Akademisches Lehrkrankenhaus ausgeschlossen wurde und warum?

2. Welches Akademische Lehrkrankenhaus in Thüringen bietet in Sonderheit in den Bereichen Pulmologie, Kardiologie/Kardiochirurgie und interventionelle Kardiologie vergleichbare Angebote zur Zentralklinik?

3. Welche Investitionssumme wird in der Friedrich-Schiller-Universität erforderlich, um eine Universität in den bringen?

Das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 23. Juli 1996 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: In § 101 des Thüringer Hochschulgesetzes ist bestimmt, dass das Land mit dem Krankenhausträger vertragliche Regelungen für die Aufgabenerfüllung eines Lehrkrankenhauses trifft. Gemäß § 3 der Approbationsordnung für Ärzte ist diese Entscheidung im Einvernehmen mit der zuständigen Gesundheitsbehörde, d.h. dem Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit (TMSG), zu treffen. In § 101 Abs. 1 ist festgelegt, daß dem medizinischen Fachbereich auf dessen Vorschlag kommunale, gemeinnützige oder andere geeignete Krankenanstalten oder deren Abteilungen nach Maßgabe der Approbationsordnung für Ärzte als Lehrkrankenhäuser zugeordnet werden können. Da die Zentralklinik Bad Berka nicht vorgeschlagen wurde, bestand für das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und das Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit kein Anlaß zur Entscheidung. Es gibt keine rechtliche Regelung, die das Vorschlagsrecht der Hochschule einschränkt oder die Ministerien ermächtigt, den Vorschlag zu erweitern.

Zu 2.: Aufgabe der Akademischen Lehrkrankenhäuser ist es, die Ausbildung der Studierenden im Fach Humanmedizin im letzten Klinischen Ausbildungsabschnitt zu gewährleisten. Im sechsten Studienjahr (Praktisches Jahr) soll der Student seine bisher erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten im Krankenhaus praktisch erweitern. Ziel ist es, dass die Studierenden eine Vielzahl an typischen Krankheitsbildern kennenlernen, bevor sie nach erfolgter Approbation ihre mehrjährige Facharztausbildung und damit ihre Spezialisierung beginnen. Um dieses Ausbildungsziel zu erreichen, schreibt § 3 Abs. 1 eine Gliederung des Praktischen Jahres in Tertiale von je 16 Wochen in den Gebieten Innere Medizin und Chirurgie sowie wahlweise einem der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete (Wahlfach) vor. Da die Zahl an Patienten im Universitätsklinikum dafür nicht ausreicht, werden hierfür geeignete Krankenhäuser in diesen Ausbildungsabschnitteinbezogen.

In der Approbationsordnung für Ärzte sind die fachlichen und ausstattungsmäßigen Kriterien zur Anerkennung eines Akademischen Lehrkrankenhauses festgelegt, die für die Ausbildung von Studierenden der Humanmedizin im dritten Klinischen Studienabschnitt erwartet werden.

Dies sind insbesondere nach den §§ 3 und 4 eine Innere Abteilung und eine Chirurgische Abteilung mit jeweils mindestens 80 Betten und eine gesicherte konsiliarische Betreuung durch Ärzte für Augenheilkunde, für Hals-, Nasenund Ohrenheilkunde, für Neurologie und für Radiologie. Für das Wahlfach werden keine Festlegungen getroffen. die studentische Ausbildung im dritten Klinischen Ausbildungsabschnitt keine spezielle Ausbildung in den Bereichen Kardiologie, Kardiochirurgie, interventionelle Kardiologie und Pneumonologie. In diesem Ausbildungsabschnitt stehen daher geeignete Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung gleichberechtigt neben Fachkrankenhäusern.

Zu 3.: Da keine quantitativen Angaben zur Ausrüstung und zum Fachstand der Spezialgebiete Pneumonologie und Kardiologie der Zentralklinik Bad Berka gegeben werden, sind nur qualitative Aussagen möglich.

Die gerätemäßige Ausrüstung in der Pulmologie der Universität Jena entspricht weitgehend internationalem Standard, weswegen mit Herrn Universitätsprofessor Dr. Kroegel (Universität Freiburg) zum 1. Februar 1996 ein kompetenter Fachvertreter auf die Professur für Pulmologie erfolgreich berufen werden konnte.

Der Aufbau eines Zentrums für Herz- und Kreislaufdiagnostik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wurde seit 1991 durch das Bundesministerium für Gesundheit im Rahmen eines Modellvorhabens mit 3,3 Millionen Deutsche Mark gefördert, das Land unterstützte die Profilierung dieser Klinik mit weiteren 3 Millionen Deutsche Mark. Das Interesse an dem ausgeschriebenen Lehrstuhl für Kardiologie bei Bewerbern aus dem In- und Ausland zeigt, dass die Klinik für Kardiologie und Angiologie gleichfalls internationalen Ansprüchen genügt.

Wie in jedem anderen Lehr- und Forschungsgebiet der Universität wird es auch in diesen beiden Fachgebieten Weiterentwicklungen geben, die immer wieder zu weiteren Investitionen führen werden.