Arbeitslosigkeit

38 Schaubild 3.1

Das Erstarken des klein- und mittelbetrieblichen Elements in der Thüringer Industrie ist differenziert zu beurteilen:

- Einerseits haben die (Re-) Privatisierungen und Neugründungen zur Wiederentstehung eines (in den einzelnen Regionen des Landes unterschiedlich dichten) Netzes (vgl. Kapitel 2.3.4.) von mittelständischen Unternehmen geführt. Dies ist als wesentlicher Schritt zur Beseitigung planwirtschaftlicher Verzerrungen der thüringischen Unternehmensgrößenstruktur zu werten.

- Andererseits ist nicht zu übersehen, dass viele der heute bestehenden mittelgroßen Betriebe aus einem radikalen Schrumpfungsprozeß hervorgegangen sind. Dieser erklärt sich nicht nur aus dem Abbau versteckter Arbeitslosigkeit, sondern in den meisten Fällen auch aus einer sehr geringen Auslastung der bestehenden Produktionskapazitäten, die auf eine nach wie vor bestehende Absatzschwäche zurückzuführen ist. Insofern sind die stark vom westlichen Bundesgebiet abweichenden Betriebsgrößenstrukturen als Symptom für einen noch nicht abgeschlossenen Umstrukturierungsprozeß zu deuten.

Da die industriellen Kleinbetriebe nicht dem Berichterstatterkreis der regelmäßigen Produktionsberichterstattung angehören werden, fehlt ein wesentliches Element in der Betrachtung der mittelständischen Industrie. Die Daten für die industriellen Kleinbetriebe werden in einer monatlichen Spezialerhebung veröffentlicht (vgl. hierzu Tabelle 3.3). Der Kleinbetriebsbestand ist von 1991 bis 1995 stark angewachsen (von 568 auf 938 Betriebe); im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Beschäftigten fast verdoppelt. Zwar nimmt sich die Beschäftigtenzahl der Kleinbetriebe gemessen an der Industriebeschäftigung insgesamt relativ geringfügig aus (rd. 7 indessen ist gerade in diesem Industriebereich ein Saatbeet des industriellen Mittelstandes zu vermuten, das für die künftige Entwicklung der Thüringer Industrie erhebliche Bedeutung haben könnte. Bei vielen der Kleinbetriebe handelt es sich um Neugründungen, die nach ihrer Anlaufphase in den nächsten Jahren ein dynamisches Wachstum erzielen könnten. Unter sektoralem Aspekt ist das Gros der industriellen Kleinbetriebe der Gebrauchsgüterindustrie zuzuordnen (vgl. Schaubild 3.2). Ein erheblicher Teil von ihnen ist aber auch im Verbrauchsgüter- und im Investitionsgütersektor zu finden, kleinbetriebliche Vorleistungsproduzenten spielen hingegen nur eine marginale Rolle.

Das Gewicht des mittelständischen Elements in der Thüringer Industrie erschiene allerdings deutlich geringer, wenn die Zugehörigkeit eines großen Teils der Thüringer Industriebetriebe zu großen westdeutschen und ausländischen Unternehmen

- bei sehr unterschiedlichen Formen und Intensitäten der Konzernbindung - in der Statistik ausgewiesen würde. Da hierfür eine präzise Datenbasis fehlt, sind nur Schätzungen der Größenordnungen möglich. Insgesamt dürften derzeit rund 75 aller Thüringer Industriebetriebe (einschließlich Kleinbetriebe) dem industriellen Mittelstand zuzurechnen sein. Auf diese Unternehmen entfallen überschlägig 55 der Industriebeschäftigten, die übrigen 45 sind dagegen in Betrieben beschäftigt, die westdeutschen oder ausländischen Unternehmen gehören.

Nach Angaben des Thüringer Landesamts für Statistik. - n.v.: aus Datenschutzgründen nicht verfügbar. - 1

Ergebnisse der Kleinbetriebserhebung.