Kontinuität zur DDR-Zeit

Bei der Entwicklung der betrieblichen Struktur in der Handwerkswirtschaft ist ein bedeutend höheres Maß an Kontinuität zur DDR-Zeit festzustellen als in allen nichthandwerklichen Wirtschaftsbereichen. Dies hat seine Ursache darin, dass das Handwerk bis zum Untergang der DDR der einzige Wirtschaftsbereich war, in dem private Unternehmen von staatlicher Seite in erheblichem Umfang geduldet, zuletzt auch - in vorsichtiger Weise - ermutigt worden waren. Allerdings unterlagen alle privaten Handwerksbetriebe bis zuletzt staatlichen Restriktionen, die dem betrieblichen Wachstum enge Grenzen setzten. Hieraus erklärt sich, dass 1989 das private Handwerk zwar mehr als 95 aller Betriebe stellte, aber nur knapp zwei Drittel der Beschäftigten. Der Rest entfiel jeweils auf die Produktionsgenossenschaften des Handwerks (PGH), die sich nach 1990 sehr unterschiedlich entwikkelten.

Seit 1988 hat sich die Zahl der Handwerksunternehmen in Thüringen von 14 274 auf 19 651 im Jahre 1994 erhöht. Der Unternehmensbestand setzt sich aus schon 1989 bestehenden Privatbetrieben, PGH-Nachfolgern, Neugründungen und privatisierten handwerklichen Betriebsteilen von volkseigenen Betrieben zusammen.

Der Nettozuwachs von 5 377 Betrieben lässt einen ersten Rückschluß auf die Größenordnung der Neugründungen zu, ist indessen nicht mit der Zahl der neu gegründeten Betriebe gleichzusetzen. Berücksichtigt man die Zahl der in der Gewerbestatistik registrierten Marktaustritte (vollständige Betriebsaufgaben) und Markteintritte (Neuerrichtungen) im Handwerk, so ist zu folgern, dass ungefähr 40 aller Thüringer Handwerksbetriebe nach 1989 neu entstanden sind, während es sich bei den übrigen 60 Unternehmen - unabhängig vom möglichen Wandel der Rechtsform, von Veränderungen des Tätigkeitsfeldes usw. - um Unternehmen handelt, die im Kern bereits 1989 bestanden.

Die Aufschlüsselung der selbständigen Thüringer Handwerksunternehmen nach Rechtsformen vermittelt einen ersten Einblick in die betrieblichen Strukturen des Handwerks (vgl. Tabelle 3.11). Wie nicht anders zu erwarten, handelt es sich bei den meisten Thüringer Handwerksunternehmen (76 um Einzelunternehmen dies entspricht etwa der Situation im früheren Bundesgebiet. Daneben ist eine Auffächerung des Spektrums der im Handwerk anzutreffenden Rechtsformen festzustellen, die ebenfalls den westdeutschen Verhältnissen entspricht. Die - der Anzahl der Unternehmen nach - mit weitem Abstand zweitwichtigste Rechtsform bilden die (18 Hierunter sind die meisten der in gewandelter Form überlebenden Produktionsgenossenschaften zu finden. Allerdings handelt es sich nur bei einer Minderheit der um PGH-Nachfolger. Die Zahl der Produktionsgenossenschaften des Handwerks lag 1989 im Thüringer Raum unter 500, die der 1994 jedoch über 3 000. Bei vielen dieser Betriebe handelt es sich um expansionsorientierte, neu gegründete oder bereits 1989 bestehende Privatunternehmen, bei manchen auch um privatisierte Teile volkseigener Betriebe.

Bemerkenswert ist, dass die des Thüringer Handwerks 1994 rund 53 aller Umsätze erzielten, auf die Einzelunternehmen hingegen nur rund 38 entfielen.

Bei den Beschäftigten liegen die jeweiligen Anteile näher beieinander - 47 zu 44 (Einzelunternehmen). Der höhere Umsatzanteil der erklärt sich aus deren höherer Umsatzproduktivität (Umsätze/Beschäftigte), die 30 über derjenigen der Einzelunternehmen liegt. Es wäre allerdings verfehlt, hieraus auf eine generell besonders niedrige Arbeitsproduktivität der Einzelunternehmen zu schließen. Die konzentrieren sich vielmehr auf Handwerkszweige, die eine besonders hohe Umsatzproduktivität aufweisen Elektro- und Metallgewerbe, Bau- und Ausbaugewerbe -, während die Einzelunternehmen in solchen Zweigen stärker vertreten sind, in denen die Umsatzproduktivität deutlich niedriger ist - z. B. Glas-.