Einzelhandel ist auch beim Thüringer Großhandel eine deutliche Konzentration festzustellen

86 und Versorgungsfunktionen innerhalb von Plan- und Sollwerten des zentralen Planungssystems. Mit dem Strukturumbruch kam es auch im Großhandel zu einer raschen Entflechtung und Privatisierung sowie zu einem Funktionswandel. Der Produktionsverbindungshandel wurde zum überwiegenden Teil an namhafte Investoren aus den alten Bundesländern verkauft. Die Privatisierung im Bereich des Großhandels war in Thüringen dabei mit erheblichem Personalabbau verbunden.

Im Großhandel des Freistaates Thüringen kamen 1993 und 1994, wenn auch nicht mehr in dem maße wie 1990 bis 1992, Thüringer Unternehmen durch Neugründungen hinzu. Das kann auch für 1995 angenommen werden, obwohl aufgrund der Zusammenfassung der Wirtschaftszweige in der Statistik ein direkter Vergleich zu Vorjahren nicht mehr möglich ist. Nach vorliegenden Ergebnissen der HGZ gab es zum Stichtag 30. April 1993 im Lande 1 881 Großhandelsunternehmen (Jahresumsatz 1992 größer als 25 000 DM) mit Sitz in Thüringen. In diesen Unternehmen waren ebenfalls zum Stichtag 16 267 Personen beschäftigt, das entspricht einem Durchschnitt von 8,6 Beschäftigten je Unternehmen. Die Thüringer Unternehmen waren überwiegend Einbetriebsunternehmen mit kleinbetrieblicher Struktur.

Ähnlich wie im Einzelhandel ist auch beim Thüringer Großhandel eine deutliche Konzentration festzustellen. Rd. 22 der Einrichtungen des Großhandels hatten im April 1993 10 und mehr Beschäftigte, trugen aber zu rund Dreivierteln zum Gesamtumsatz aller Großhandelseinrichtungen bei (vgl. Tabelle 3.21). Auch Tabelle 3. Allein die rund 4 der Großhandelsunternehmen, mit Sitz in Thüringen, die 1992 10 Mill. DM und mehr an Umsatz erzielten, hatten einen Anteil am Gesamtumsatz von fast 54 Wieviele der kleinen und mittleren Großhandelsunternehmen mit Sitz in Thüringer auch dem Thüringer Mittelstand zuzurechnen sind und wieviele rechtlich selbständige, aber wirtschaftlich abhängige Filialen westdeutscher Großhandelsunternehmen darstellen, ist auf der Basis der vorhandenen Daten nicht genau bestimmbar. Es kann jedoch geschätzt werden, dass es sich 1993 bei einem erheblichen Teil der umsatzstarken Thüringer Großhandelsunternehmen um Zweigunternehmen und Filialen auswärtiger Unternehmen handelte.

Vergleichbar der Situation im Einzelhandel weist auch der Thüringer Großhandel Strukturmerkmale auf: Neben umsatzstarken Großunternehmen besteht eine große Zahl von kleinen Einbetriebsunternehmen. Auch der Großhandel in Thüringen weist bei wichtigen Indikatoren unterdurchschnittliche Werte aus, wenn man die Thüringer Situation mit der in den alten Bundesländern insgesamt vergleicht.

- Nach der bereits zitierten Untersuchung der Berliner Forschungsstelle für den Handel hatten die Großhandelsunternehmen der alten Bundesländer im April 1993 durchschnittlich 13 Beschäftigte und 10 Mill. DM Umsatz (1992) ausgewiesen, während die Großhandelsunternehmen der neuen Bundesländer mit durchschnittlich 9 Beschäftigten und nur 3,3 Mill. DM Umsatz wesentlich kleiner waren.

- Die Thüringer Unternehmen des Großhandels lagen laut den Ergebnissen der HGZ sowohl hinsichtlich der durchschnittlichen Beschäftigtenzahl, des Umsatzes je Beschäftigten und des Umsatzes je Unternehmen unter dem Durchschnitt der Neuen Länder. Die Abstände der Thüringer Unternehmen zu den Durchschnittswerten der westdeutschen Großhandelsunternehmen waren beträchtlich (z.B. 200 beim Umsatz je Unternehmen).

Eine ganze Reihe von Ursachen hat dazu beigetragen, dass die Umsätze im Thüringer Großhandel vergleichsweise niedrig waren. In den neuen Bundesländern sind viele meist unabhängige kleine und mittlere Vertriebseinrichtungen aktiv, daneben ist der Großhandel durch Niederlassungen westdeutscher Handelsunternehmen und Verbundgruppen sowie herstellergesteuerten Vertriebseinrichtungen geprägt. Der überwiegende Teil des ostdeutschen Großhandels ist dabei auf lokaler und regionaler Ebene tätig und im Bereich der Versorgung des Handwerks und des kleinbetrieblichen Einzelhandels engagiert. Der regionale Bezug wird dabei häufig primär als Absatzraum und weniger als Beschaffungsraum gesehen. Dies muss vor allem im Hinblick auf die Übernahme des Produktionsverbindungshandels durch westdeutsche Unternehmen gesehen werden. Recht zügig hat sich ein differenzierter Branchenmix entwickelt (zur Zweigstruktur vgl. Tabelle 3.22). Vielfach haben sich Großhandelsunternehmen außerhalb des bauaffinen Bereichs auf den Vertrieb eines sehr eingeschränkten Warensortiments spezialisiert (Nischenanbieter), was jedoch die Expansionsmöglichkeiten stark einschränkt.

- 88 Tabelle 3. Die starken Bauinvestitionen haben in den zurückliegenden Jahren in den bauaffinen Bereichen des Produktverbindungshandels zu einer erheblichen Expansion beigetragen. Aufgrund der zu verzeichnenden Rückgänge im Baugewerbe dürfte dies nicht ohne Rückwirkungen auf den Großhandelsbereich bleiben. Trotz des Wachstums der bauaffinen Bereiche ist der Produktionsverbindungshandel in Thüringen im Vergleich zur Situation in den alten Bundesländern noch nicht sehr stark ausgeprägt.