Anteil der einzelnen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen an der kumulierten Entlastung des Arbeitsmarktes jeweils zum

Im Beobachtungszeitraum hat sich mit der allgemeinen Verringerung der Entlastungseffekte auch das Gewicht einzelner arbeitsmarktpolitischer Instrumente verschoben. Bis zum Ende des zweiten Quartals 1995 kann die Frühverrentung als das arbeitsmarktpolitische Instrument mit dem stärksten quantitativen Gewicht angesehen werden.

Angesichts dieser Entlastungseffekte treten Probleme, die sich mit der Frühverrentung als Abfederung des Beschäftigtenabbaus ergeben, zunächst in den Hintergrund.

Die Abnahme der Entlastungseffekte dieses Instruments ist darauf zurückzuführen, daß Neubewilligungen für das Altersübergangsgeld mit dem Jahreswechsel 1992/1993 endeten.

Parallel zu dieser Verringerung nimmt die Bedeutung von AB-Maßnahmen und Maßnahmen nach § 249h AFG an der kumulierten Entlastung zu. Hatten diese Maßnahmen im September 1993 nur einen Anteil von 11,4 % an der Gesamtentlastung, waren es im September 1995 bereits über 35 %. Seit März 1996 haben diese Instrumente das quantitativ stärkste Gewicht und lösen damit die Dominanz der Frühverrentung ab, ohne jedoch deren Entlastungsniveau zu erreichen.

Auffällig ist sowohl der absolute Anstieg der Kurzarbeit seit Beginn des Jahres 1996 als auch die Zunahme der Entlastungswirkung. Das Instrument der Kurzarbeit, das insbesondere in den ersten beiden Jahren nach der Wende ganz massiv offene Arbeitslosigkeit verhindern half, verlor in den darauffolgenden Jahren nachhaltig an Bedeutung. Der erneute Anstieg im Januar 1996 ist dabei in erster Linie auf die schwache konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen. Mit über 9 % erreicht die Kurzarbeit im März 1996 den im gesamten Betrachtungszeitraum höchsten Entlastungsanteil.

Die Dynamik am Thüringer Arbeitsmarkt

Eine allgemeine Verschlechterung der Arbeitsmarktparameter - der überproportionale Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit zu Beginn des Jahres 1996 ist hier ein Indiz zeigt sich auch in der Dynamik des Arbeitsmarktes. Bereits 1995 steigt die Jahressumme der Zugänge in Arbeitslosigkeit wieder an, nachdem sowohl 1993 und 1994 eine rückläufige Entwicklung zu beobachten war. Dabei ist nicht nur der Verlauf der Zugänge steigend; mit einer Jahressumme von 307.486 Arbeitslosenmeldungen erreicht dieser Indikator ein im Untersuchungszeitraum einmalig hohes Niveau. Parallel dazu geht 1995 der Zugang offener Stellen zurück, während der Abgang aus der Arbeitslosigkeit im Verhältnis zu 1994 nur leicht zunimmt. Zugang an A rbeitslosen B estand an A rbeitslosen A bgang an A rbeitslosen Zugang an offenen S tellen Abb. 129: Die Dynamik am Thüringer Arbeitsmarkt Quelle: LAA S-A-T, Berechnungen des IWSP Interessant ist, dass sich diese Entwicklungen zunächst nicht negativ auf die Höhe der Arbeitslosigkeit auswirken. Der jahresdurchschnittliche Bestand an Arbeitslosen geht sogar leicht zurück. Als mögliche Erklärungen für diese Diskrepanzen bieten sich laut Auskunft des Landesarbeitsamtes (LAA) zum einen die differenziertere statistische Erfassung nach der Einführung neuer datentechnischer Verfahren an, die Jahresvergleiche nur bedingt möglich macht.

Die Anteilssteigerung der Zugänge an Arbeitslosen ergäbe sich in einer solchen Perspektive aus der Registrierung auch kurzzeitiger Unterbrechungen der Arbeitslosigkeit, d. h. von Mehrfacharbeitslosigkeit.

Zum anderen drängt sich eine Ursachenerklärung auf, die an der Struktur der Arbeitslosenzugänge ansetzt. Eine Zunahme der Zugänge bei gleichzeitiger Abnahme der Arbeitslosenbestände wäre denkbar, wenn sie in verstärktem Umfang auf Personengruppen zurückzuführen wäre, die nur ein geringes Verbleibsrisiko in der Arbeitslosigkeit aufweisen.

Und in der Tat hat sich die Struktur der Zugänge seit 1991 gravierend verändert. Ausbildung Zugang aus Nichterwerbstätigkeit Abb. 130: Struktur der Zugänge an Arbeitslosen Quelle:LAA S-A-T, Berechnungen des IWSP Kamen am Anfang des Betrachtungszeitraums noch 97,9 % der Zugänge insgesamt aus vorheriger Erwerbstätigkeit, waren es 1995 nur noch 63,5 %. Stark angestiegen - von 1,8 % (1991) auf 34 % (1995) - sind dagegen die Zugänge aus vorheriger Nichterwerbstätigkeit.

Trifft diese Annahme zu, muss die Tendenz einer Verfestigung der Arbeitslosigkeit, die sich u. a. zwischen 1992 und 1994 in der Verringerung der Zugänge an Arbeitslosen und dem weitgehend gleichbleibenden Bestand an Arbeitslosen zeigt, nicht unbedingt revidiert werden. D. h., was im Jahresdurchschnitt bzw. in der Jahressumme 1995 als Trendbruch erscheint - hierunter fällt auch die Verkürzung der durchschnittlichen Dauer der Arbeitslosigkeit - beruht in erster Linie auf einer differenzierteren datentechnischen Erfassung.

Möglich ist jedoch auch, dass sich die Verschlechterung der Arbeitsmarktparameter erst zeitversetzt, d. h. in der Jahressumme und im Jahresdurchschnitt 1996 auswirkt.