Arbeitslosigkeit von Frauen

Frauen sind in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, bei hoher Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich stark betroffen, geraten leicht in wirtschaftliche und damit auch persönliche Abhängigkeit. Im Betrachtungszeitraum 1992 bis 1995 liegt der Anteil der Frauen an den Arbeitslosen über 60 %. Ihre Arbeitslosenquote ist annähernd doppelt so hoch wie der Männer. Seit 1992 sind mehr als drei Viertel aller Langzeitarbeitslosen Frauen (vgl. Kap. 4.1.3.4.2).

Es gilt, vor allem die negativen Folgen der Langzeitarbeitslosigkeit aufzufangen, durch gezielte Qualifikation und Weiterbildung Zukunftsperspektiven zu schaffen. Frauen müssen weiterhin in überdurchschnittlichem Maße durch arbeitsmarktpolitische Instrumente gefördert werden.

Dabei sollte Arbeitsmarktpolitik in erster Linie eine Brücke zu wettbewerbsfähigen Arbeitsplätzen sein.

Den Maßnahmen nach § 249h und § 242s AFG kommen deshalb eine besondere Bedeutung zu.

Erfreulich ist die überproportionale Beteiligung von Frauen im Bereich Soziale Dienste, Jugendhilfe und Kulturarbeit, die im Land Thüringen realisiert werden konnten.

Die Thüringer Landesregierung hat insbesondere mit dem Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und mit der Bereitstellung von Krippen- und Hortplätzen bundesweit einmalige Rahmenbedingungen geschaffen.

Mobilität von Frauen Soziale, kulturelle, ökologische und materielle Bedingungen sind Elemente der Infrastruktur eines Gebietes. Verschiedene Bevölkerungsgruppen nutzen aufgrund ihrer Lebensbedingungen den öffentlichen Raum auf unterschiedliche Weise.

Da Frauen seltener einen Führerschein als Männer besitzen, sind sie vor größere Anforderungen bei der Organisation des Alltags gestellt.

Die größere Abhängigkeit der Frauen vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kann bedeuten, dass sie ihre Berufstätigkeit aufgeben müssen, da der ÖPNV zu unflexibel den Bedürfnissen entspricht.

Diese Beispiele bedeuten Einbußen der Lebensqualität von Frauen. Frauen, die im Dorf leben, werden durch ihre soziale Lage und die veränderte Infrastruktur (zunehmend entstehende zentrale Orte der allgemeinen Versorgung) einerseits gezwungen, mobil zu sein und sind andererseits besonders stark auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Das muss zukünftig bei der Landesplanung berücksichtigt werden.

Betrachtet man die Planung der Städte, so muss festgestellt werden, dass die Mobilitätsbedürfnisse von Frauen noch zu wenig im ÖPNV eingesetzt werden.

Anstöße zu Veränderungen gehen momentan in Thüringen v.a. von den Gleichstellungsbeauftragten aus.

Ein wichtiger Schwerpunkt ist eine Koordination von Arbeitszeit und ÖPNV. Als positives Beispiel kann Eisenach genannt werden, wo zwischen dem ÖPNV und zwei großen Betrieben der Stadt vertraglich vereinbart wurde, die in der zweiten Schicht Tätigen vom Betrieb abzuholen. Außerdem wurden die Taktzeiten des ÖPNV mit den Arbeitszeiten abgestimmt. Frauen aus dem ländlichen Raum haben somit die Möglichkeit, zum einen ohne eigenen Pkw einer Tätigkeit nachzugehen und zum anderen ihre Wohnung sicher zu erreichen.

Durch veränderte Infrastrukturen sowohl in der Stadt, verstärkt jedoch auf dem Land, ist es auch tagsüber für bestimmte Bevölkerungsgruppen oft schwierig, Behördengänge oder Einkäufe in Gewerbegebieten zu erledigen. In Erfurt wird diesem Problem durch eingerichtete Hol- und Bringedienste zwischen 8.00 - 16.00 Uhr begegnet, die individuellen Wünsche von v. a. älteren Bürger/-innen nachkommen.

Grundsätzlich ist es nötig, flexibler bestimmte Strecken, die wenig genutzt werden, nach Bedarf zu befahren oder Sammeltaxis zu schaffen. Ängste von Frauen sollten ernst genommen werden.

Hier spielen besonders schlecht beleuchtete Haltestellen und Parkplätze, aber auch das Benutzen von wenig frequentierten öffentlichen Verkehrsmitteln eine große Rolle. Dem könnte u. a. mit speziellen Frauenabteilen in Nachtzügen und Straßenbahnen begegnet werden. Frauentaxis o. ä. sind eine Möglichkeit, die Mobilität von Frauen zu erhöhen.

Momentane und in Planung befindliche Strukturveränderungen in Thüringen müßten im Kontext der anderen Nutzung durch Frauen gesehen werden.

Spezielle Gruppen von Frauen:

Alleinerziehende:

Die Pluralisierung der Lebens- und Familienformen zeigt sich auch in der Zunahme von Alleinerziehenden.

1995 lebten in Thüringen 459.555 Familien mit Kind(ern) darunter 108.700 (23,7 %) Alleinerziehende.

Von diesen Alleinerziehenden sind 93.600 (86,1 %) Frauen und 15.100 (13,9 %) Männer.

Thüringen liegt damit etwas über dem Durchschnitt der neuen Länder.

Alleinerziehen bringt eine Vielzahl von Belastungen mit sich, die die Lebenssituation der Erwachsenen und Kinder dieser Familienform beeinflussen. Ein wichtiger Faktor ist die finanzielle Situation von Alleinerziehenden. Das Gesamteinkommen liegt in der Regel bedeutend unter dem von 2-Eltern-Familien, wovon aber wiederum Frauen besonders betroffen sind, da das durchschnittliche Einkommen der Frauen ein Drittel unter dem der Männer liegt.

Dies ist in der Regel nicht auf direkte Lohndiskriminierung zurückzuführen, sondern auf die berufliche Situation von Frauen, die viel häufiger in schlechter bezahlten Branchen arbeiten.

Je mehr Kinder in einer alleinerziehenden Familie leben, um so ungünstiger ist die finanzielle Lage der Familie (siehe Kap. 3.2).

Ca. 1/3 der Alleinerziehenden lebt unter schwierigen finanziellen Bedingungen. Dies wird z. B. an den Zahlen zum Sozialhilfebezug deutlich. Haushalte mit Kindern sind der Haushaltstyp, der am häufigsten auf Sozialhilfe angewiesen ist, Alleinerziehende sind davon besonders betroffen (siehe Kap. 3.6).

Bei den Alleinerziehenden ist demzufolge die ökonomische Notwendigkeit von Erwerbstätigkeit in besonderem Maße gegeben.

Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik Mikrozensus April 1995.