Diese haben sich im Lauf der Zeit gewandelt geblieben ist die Familie als Institution und Ort für die Erziehung von Kindern

Familien in Thüringen

Die Familie im Wandel der Zeit und der Gesellschaften Struktur und Funktionen der Familie unterliegen soziokulturellen Einflußgrößen, die beeinflußt sind von der jeweiligen ökonomischen und sozialen Situation sowie Sitte, Moral und den geltenden Gesetzen.

Diese haben sich im Lauf der Zeit gewandelt, geblieben ist die Familie als Institution und Ort für die Erziehung von Kindern. Die Familie ist dabei den Anforderungen der jeweiligen Zeit ausgesetzt, die heute geprägt sind von hohen Mobilitätsanforderungen bezüglich Arbeitswelt und Versorgung, Konsumdruck sowie sozialer Unsicherheit.

Der Familie bleiben wichtige Funktionen: physische und psychische Versorgung ihrer Mitglieder (Ernährung, Pflege, Entspannung, Erholung), Reproduktion sowie Sozialisation von Kindern. Die Sozialisation (Erziehung) der Kinder ist nach traditionellem Rollenverständnis Aufgabe der Frau. Hier ist allerdings eine Veränderung zu beobachten: immer mehr Frauen möchten einer eigenen Berufstätigkeit nachgehen. Wegen des ökonomischen Drucks ist es oftmals notwendig, dass beide Ehepartner arbeiten, um einen gewissen Lebensstandard ermöglichen zu können.

Die eigene Berufstätigkeit ermöglicht der Frau einen bestimmten Grad an Selbstverwirklichung, was gleichzeitig zu einer Verschiebung der Familienphase auf einen späteren Zeitpunkt führt.

Die Familie steht insgesamt im Spannungsfeld verschiedener widerstreitender Faktoren:

· einem sich wandelnden Rollenverständnis bei Frauen und Männern;

· trotz Zeiten wachsender ökonomischer Unsicherheit und steigendem Konsum- sowie Flexibilitätsdrucks hinsichtlich beruflicher Mobilität soll die soziale Beziehung Ehe stabil und der Nachwuchs, also mit Kindern, gesichert sein;

· die Partnerschaft soll nicht nur Schicksalsschläge (Krankheit, Tod) sowie soziale Krisen (Arbeitslosigkeit) bewältigen, sondern auch die persönlichen Erwartungen erfüllen.

Dadurch ist die Familie insgesamt betrachtet einer größeren Gefährdung ausgesetzt, die zunehmend zu Krisen führt.

Die statistische und die soziologische Familie

Die allgemeine Familienstatistik zählt als Familien Ehepaare bzw. alleinstehende (ledige, verheiratet getrennt-lebende, geschiedene und verwitwete) Väter oder Mütter, die mit ihren ledigen Kindern zusammenleben.

Dies führt häufig zu einer Mehrbelastung der Frau, die neben der Berufstätigkeit noch die traditionellen Aufgaben Haushalt und Kinder zu bewältigen hat.

Statistisches Jahrbuch Thüringen 1995.

Zu den Familien gehören statistisch auch Ehepaare sowie verheiratet Getrennt-Lebende, Geschiedene und Verwitwete ohne Kinder.

Familien sind aber nicht nur das Ehepaar mit Kind(ern), sondern auch die/der geschiedene, getrennt lebende oder alleinlebende Frau oder Mann mit Kind. Bei letzteren handelt es sich um 1-Eltern-Familien.

Das unverheiratet zusammenlebende junge Paar, das gemeinsam in einem Haushalt in Partnerschaft ohne Kindern lebt, ist dagegen aus statistischer Sicht keine Familie. Diese nichtehelichen Lebensgemeinschaften ohne Kinder werden erst dann als Familie anerkannt, wenn sie heiraten.

Alleinstehende werden in die Statistik dann aufgenommen, wenn sie verwitwet, geschieden oder getrennt lebend bzw. wenn sie unverheiratet sind, aber ein Kind haben. Die Zahl der Unverheirateten Alleinstehenden, sog. Singles, eine Lebensform, die immer häufiger wird, lässt sich für 1995 mit 147.000 beziffern.

Allgemeine Angaben zur Familie in Thüringen

Im folgenden werden die Angaben des Mikrozensus (Haushalt und Familie in Thüringen April 1995 - Ergebnis des Mikrozensus) aus dem April 1995 verarbeitet.100 Familien) als mit ledigen Kindern (459.500 Familien) lebten. Ohne ledige Kinder waren 279.300 Ehepaare und 268.800 Alleinstehende. Alleinstehende Männer leben in der Mehrzahl ohne Kinder: nur 13,7 % dieser Männer leben mit Kindern112

(Tab. 1).

Statistisches Jahrbuch Thüringen 1995.

Zur Begrifflichkeit: Wir verwenden nur die Begriffe 1-Eltern-Familie für Alleinerziehende mit Kind(ern) sowie 2-Eltern-Familie für Ehepaare mit Kind(ern). Die Termini Vollständige und Unvollständige Familie setzen ein Familienbild voraus, das sich an der klassischen Familie mit Vater, Mutter und Kind orientiert. In einer Zeit sich pluralisierender Lebensformen, in der Kinder auch in Lebens- und Wohngemeinschaften groß werden, verändern sich diese Leitbilder.

Unveröffentlichte Sonderauswertung des TLS.

Zu qualitativen Aspekten der Familie siehe auch Bertram 1992, Familienreport 1994, Lampert 1996, Sozialreport 1995.

Alle Angaben dieses Teils beziehen sich auf die angegebenen Ergebnisse des Mikrozensus 1995, Haushalt und Familie April 1995.

Ehepaare ohne Kinder machen 1995 in Thüringen einen Anteil von 27,7 % der Familien aus. Hierunter sind eine große Anzahl von Ehepaaren, die sich im Rentenalter befinden.

Die Zahl junger Ehepaare ohne Kinder in einem Alter, in dem Nachwuchs wahrscheinlich ist, beläuft sich auf 110.000.

Das Verhältnis von 2-Eltern-Familien zu 1-Eltern-Familien beträgt 3,1 zu 1. Damit ist nahezu jede 4. Familie mit Kind(ern) in Thüringen eine 1-Eltern-Familie.

Betrachtet man die Entwicklung der Familie seit 1991, ergibt sich folgendes Bild:

Der rückläufige Anteil von Ehepaaren mit Kindern zwischen 1991 und 1994 hat sich im Jahr 1995 nicht fortgesetzt, es ist vielmehr ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Von einer Tendenzwende kann hier jedoch noch nicht gesprochen werden.

Die Quote der Alleinstehenden ist zwischen 1991 und 1995 von 24,9 % auf 26,7 % gestiegen. Der Anteil an Männern steigt dabei stärker: während 1991 noch 29,8 % der Alleinstehenden Männer waren, sind es 1995 schon 39,4 %.