Pflegeversicherung

Dies gilt auch für die nicht mehr Erwerbstätigen in der Altersspanne der über 60- bis 65jährigen. Es gilt, das Augenmerk darauf zu richten, welche veränderten Chancen und Probleme mit dem Altwerden in der Gesellschaft insgesamt verbunden sind.

Auf der anderen Seite muss gesehen werden, dass mit einer größeren Individualisierung der Lebensformen veränderte oder gar neue Formen sozialer Kommunikation notwendig werden, um unter diesen Bedingungen eine verbindliche soziale Vernetzung oder Interaktion untereinander zu erreichen.

Letzteres gilt umso mehr, wenn mit zunehmendem Alter, Abhängigkeit durch Pflege und Betreuung, einem zusätzlichen Bedürfnis nach Gewährleistung notwendiger Hilfe, ggf. auch als Fremdhilfe, Rechnung getragen werden muß. Auch hier verändert sich die Erwartung älterer Menschen an solche Systeme, dadurch nicht in Abhängigkeit zu geraten und fremdbestimmt zu werden.

Die Entwicklung und der Stand von Seniorenvertretungen und Heimbeiräten

Der Interessenvertretung von Senioren im vorpolitischen Raum kommt bei der Mitbeteiligung an der Gestaltung der Lebensräume, der Reflektion spezifischer Bedarfs- und Problemlagen, eine besondere Bedeutung zu. Im Sinne einer Zwischenbilanz kann daher festgestellt werden, dass diese Beteiligungsmöglichkeiten in vielen Bereichen bereits einen festen Raum einnehmen.

In einer vom Vorstand der Bundesseniorenvertretung e. V. herausgegebenen Schrift wird, unter Berücksichtigung der Entwicklung auf Bundesebene, die Aufgabenstellung von Seniorenvertretungen wie folgt umrissen:

- Seniorenvertretungen möchten erreichen, dass die Senioren/-innen ihre Anliegen selbst in die Hand nehmen.

- Seniorenvertretungen fordern mehr Mitmenschlichkeit.

- Durch verstärkte Informationen wollen die Seniorenvertreter/innen die Älteren in die Lage versetzen, ihre gesellschaftlichen, sozialen und politischen Aufgaben besser zu erkennen.

- Aufgabe der Seniorenvertretung ist es, den Älteren mehr Mut zu machen.

- Seniorenvertretungen suchen nach Wegen, die den Älteren zu einem sinnvollen, achtungsgebietenden Lebens verhelfen.

- Seniorenvertretungen sind der Auffassung, dass materielle Zufriedenheit und soziale Betreuung allein noch keinen Sinn des Lebens ergeben.

- Nicht Betreuung wird von den Seniorenvertretungen unterstützt, sondern die Selbständigkeit in der häuslichen Umgebung.

Bundesseniorenvertretung e. V. 1995 S. 30.

- Seniorenvertretungen möchten zu mehr Nachbarschaft anregen, d. h. Senioren zu mehr Kontaktpflege und Hilfe untereinander bewegen.

- Seniorenvertretungen wollen Vorurteile zwischen den Generationen abbauen.

- Seniorenvertretungen arbeiten mit anderen Seniorenvertretungen zusammen und wirken auf die Bildung neuer Seniorenvertretungen hin.

Wenngleich sich in Thüringen die örtlichen Entwicklungen von Seniorenmitwirkungen sehr unterschiedlich darstellen, ist jedoch hervorzuheben, dass nach einer neuen internen Erhebung 13 Seniorenbeiräte und drei Seniorenvertretungen auf örtlicher Ebene bestehen.

Bereits im November 1993 hat sich die Landesseniorenvertretung Thüringen e. V. (LSVTh) konstituiert, die sich aus Mitgliedern der kommunalen Seniorenbeiräte und Seniorenvertretungen zusammensetzt.

Seit Oktober 1994 besteht darüber hinaus ein Landesseniorenbeirat, um sich mit Fragen zur Situation älterer Menschen in Thüringen auseinanderzusetzen.

Es obliegt diesem Gremium, das in der Regel drei bis viermal jährlich tagt, das Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit in Fragen der Seniorenpolitik, der Altenhilfe und Altenpflege zu beraten.

Der Landesseniorenbeirat soll zu allgemeinen Regelungen und Maßnahmen gehört werden, die die Lebenssituation älterer Menschen in Thüringen betreffen. Im Seniorenbeirat sind vertreten: die Landesseniorenvertretung, gewählte Vertreter des Landtags, die nicht Abgeordnete sein müssen, die Liga der freien Wohlfahrtspflege, der Landessportbund, die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und Gesundheitserziehung Thüringen, der Thüringer Gemeinde- und Städtebund, der Thüringer Landkreistag, die Vereinigung der Träger privater Pflegeeinrichtungen, das Thüringer Kultusministerium, das Thüringer Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das Thüringer Innenministerium, das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, der Bund der Vorruhestandsbeamten, Rentner und Hinterbliebenen Landesverband Thüringen, das Sozialwerk des Landesverband Thüringen.

An dieser Stelle soll auch darauf hingewiesen werden, dass die Mitgestaltungsmöglichkeiten von Heimbewohnern in stationären Einrichtungen der Altenhilfe in Thüringen weit fortgeschritten sind. Die Mitwirkungsrechte von Heimbewohnern an der Gestaltung ihrer Lebensbedingungen ist durch die Verordnung über die Mitwirkung der Heimbewohner in Angelegenheiten des Heimbetriebes geregelt.

Bundesseniorenvertretung e. V. 1995 S. 30. BGBl. I. S. 1340.

Diese Heimbeiräte gibt es in allen Altenpflegeheimen. Zu den Mitwirkungsmöglichkeiten sieht die Verordnung folgende Schwerpunkte vor:

Mitwirkung bei der Entscheidung des Leiters oder des Trägers bei der Aufstellung oder Änderung der Musterverträge für Bewohner der Heime,

Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen,

Änderung der Heimkostensätze,

Planung oder Durchführung von Veranstaltungen,

Freizeitgestaltung,

Unterkunft, Betreuung und Verpflegung,

Erweiterung, Einschränkung oder Einstellung des Heimbetriebes,

Zusammenschluß mit einem anderen Heim,

Änderung der Art und des Zweckes des Heimes oder seiner Teile, umfassende bauliche Veränderungen oder Instandsetzungen des Heimes.

Wohnen im Alter Strukturelle und architektonische Rahmenbedingungen für Wohnen stellen nicht nur im Alter einen zentralen Stellenwert für ein möglichst autonomes Leben dar und gelten somit als wichtiger Indikator für Geborgenheit und Sicherheit. Lage, Ausstattung und das Vorhalten von wohnquartierbezogenen Infrastrukturen für soziale Kommunikation und möglicher Hilfen gewinnen für ältere Menschen eine zentrale Bedeutung. Nicht unerheblich ist dabei die Frage, für welchen Teil des vorhandenen Einkommens dieses zu erhalten ist.

Bei der Ausstattung bzw. auch bei dem Zuschnitt von Wohnungen hat sich in den letzten Jahren die Sichtweise durchgesetzt, möglichen Belangen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die Einfluß auf die Bewohnbarkeit der eigenen Wohnung bei gesundheitlicher Beeinträchtigung haben könnten, mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Solche barrierefreien Wohnbedingungen beeinflussen möglicherweise den Umfang fremder Hilfen bei notwendig werdenden Betreuungsleistungen. Die infrastrukturelle auf eine mögliche Pflege und Betreuung angepaßte Gestaltung einer Wohnung gilt nicht nur für die unmittelbare Wohnung, sondern auch für das Wohnumfeld oder auch für die Anbindung an geeignete öffentliche Verkehrsbedingungen.

Die gerade in den neuen Ländern in Gang gekommenen Maßnahmen zur Niveauverbesserung des Wohnumfeldes und der Wohnungen selbst bieten die Chance, solche Belange ausreichend zu berücksichtigen. Hinzu kommen neue Erfahrungen für Maßnahmen der Wohnungsanpassung, eine Möglichkeit, die auch das Pflegeversicherungsgesetz im Leistungsgefüge berücksichtigt hat.

Es gilt also, die zahlreichen Einflüsse, die die Lebenslage der älteren Menschen im Wohnbereich beeinflussen oder beeinträchtigen können, zusätzlich unter dem erweiterten Blickwinkel sozialer und kultureller Teilhabe differenzierter zu gewichten.