Daten

Soziale Lage/Lebensgefühl - Einschätzungen und Entwicklungen

Die soziale Lage älterer Menschen in Thüringen ist nicht durch lediglich objektivierbare Kriterien beschreibbar. Eine wesentliche Komponente der Selbständigkeit und des Eingebundenseins in soziale Netzwerke und Gemeinschaftsstrukturen drückt sich in subjektiven Befindlichkeiten aus, die das Lebensgefühl, die Selbst- und die Einschätzung des gesellschaftlichen Umfelds, Einstellungen und Zukunftsperspektiven älterer Menschen in Thüringen spiegeln. So ist etwa die Klischeevorstellung von der Einsamkeit älterer Menschen nicht als Zahl der Besuche pro Woche meßbar, wohl aber geben die jeweils subjektiv empfundenen Einsamkeitsgefühle einen Einblick in die Lebenswelt der Befragten. Weiterhin sollten die Empfindungen älterer Menschen hinsichtlich der Veränderungen und Entwicklungen in einigen Lebensbereichen, die sich seit 1990 für ihre persönliche Lage ergeben haben, erfragt werden. Abschließend wurde eine offene Frage nach dem Lebensgefühl als ältere/r Mitbürger/in in Thüringen gestellt, die von einer überwältigenden Mehrheit der Befragten (1.055 Nennungen) dazu genutzt wurde, ihre subjektiven Befindlichkeiten und soziale Lage, teilweise sehr ausführlich, zu beschreiben.

Sowohl im Straßenverkehr als auch hinsichtlich der Gefährdung durch Kriminalität fühlen sich die Befragten mehrheitlich verunsichert. Lediglich 9,9 % geben an, sich in bezug auf die persönliche Gefährdung durch Kriminalität sicher zu fühlen, 24,9 % fühlen sich sehr unsicher (gefährdet). Etwas größer ist das Sicherheitsgefühl der befragten älteren Menschen im Straßenverkehr (21,4 % geben an, sich sicher zu fühlen). Jedoch fühlt sich die überwiegende Mehrheit der Befragten auch im Straßenverkehr mehr oder minder stark verunsichert.

Fühle mich gefährdet 24,9 % Fühle mich unsicher 33 % Geringes Risiko 32,1 % Fühle mich sicher 9,9 % Abb. 168: Persönliche Sicherheit im Alltagsleben: Gefährdung durch Kriminalität

Für beide Fragestellungen zur persönlichen Sicherheit im Alltagsleben werden deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar. Die befragten Männer geben sowohl hinsichtlich des Straßenverkehrs als auch der subjektiven Gefährdung durch Kriminalität deutlich häufiger als die Frauen an, sich sicher zu fühlen. 32,6 % der Männer, aber nur 18,6 % der Frauen geben an, sich im Straßenverkehr sicher zu fühlen, ebenso übersteigt auch der Anteil der Männer, die sich durch Kriminalität nicht gefährdet sehen, mit 15,4 % den entsprechenden Anteil unter den Frauen (8,6 %) erheblich.

Umgekehrt fühlen sich 26,2 % der befragten Frauen durch Kriminalität und 18,9 % im Straßenverkehr sehr unsicher (gefährdet), während die entsprechenden Anteile unter den Männern mit 19,9 % (durch Kriminalität) bzw. 13,8 % (im Straßenverkehr) deutlich geringer sind.

Die Entwicklung der Gefährdung durch Kriminalität in den vergangenen Jahren (seit 1990) wird von der überwiegenden Mehrheit der Befragten sehr negativ beurteilt. 79 % der Befragten geben an, dass sich die Gefährdung durch Kriminalität seit 1990 vergrößert bzw. verschlimmert habe, lediglich 1 % konstatieren eine Verbesserung der Situation.gute bzw. sehr gute Kontakte habe. 22,6 % fühlen sich etwas einsam und 95 Personen (6,7 %) geben an, dass sie sehr einsam seien.

Die geschlechtsspezifische Auswertung zeigt dabei ein ambivalentes Bild. Die befragten Frauen geben häufiger als die befragten Männer an, sowohl über sehr gute Kontakte zu verfügen als auch, sich einsam oder sehr einsam zu fühlen. Ähnliche Ergebnisse finden sich für die Fragen nach der Entwicklung der persönlichen Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und kultureller Angebote.

Sowohl die Entwicklung der persönlichen Mobilität als auch die Entwicklung hinsichtlich der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben (seit 1990) wird von mehr als der Hälfte der Befragten als gleich geblieben eingeschätzt. Jeweils knapp 25 % empfinden eine Verschlechterung in beiden Bereichen, der Anteil derer, aus deren Sicht eine Verbesserung stattgefunden hat, ist jeweils deutlich geringer (15,7 % empfinden eine Verbesserung hinsichtlich der persönlichen Mobilität, 10,5 % hinsichtlich der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben). (Tab. 41 - 49)

Ob dies lediglich als eine Besonderheit des Antwortverhaltens der befragten Frauen zu deuten ist, oder aber eine tatsächliche Polarisierung hinsichtlich der verschiedenen erfragten Bereiche andeutet, ist aus den vorliegenden Daten nicht ersichtlich.