Sie finanzieren ihre gesundheits und sozialpflegerischen Angebote über personenbezogene Dienstleistungen

Sozialstationen Sozialstationen gelten üblicherweise nicht als Einrichtungen der Behindertenhilfe im engeren Sinne; sie sollen aus Vollständigkeitsgründen und weil sich ihre Angebote in der Regel auf kranke und ältere Menschen beziehen, dennoch erwähnt werden. Die Sozialstationen wurden Anfang der siebziger Jahre in den alten Ländern gegründet. Im Bereich ambulanter sozialpflegerischer Dienste sind sie mittlerweile als Organisationsform am weitesten verbreitet. Zu den klassischen Aufgabenstellungen der Sozialstationen gehören Angebote der Gemeindekranken-, Alten- und Familienpflege. Ihre spezifische Angebotsstruktur weist dabei jedoch teilweise erhebliche Unterschiede auf. Schon seit einiger Zeit gibt es deshalb Diskussionen zur konzeptionellen Umgestaltung von Sozialstationen unter dem Aspekt einer stärkeren Öffnung zur Gemeinwesenarbeit bzw. deren Angebotserweiterung.

Sie finanzieren ihre gesundheits- und sozialpflegerischen Angebote über personenbezogene Dienstleistungen. In Abhängigkeit von den Finanzierungsmöglichkeiten durch die Kranken- und Pflegekassen decken die Angebote vor allem den Bereich der Grund- und Behandlungspflege sowie hauswirtschaftliche Versorgungen ab. Versorgungsangebote im Bereich der psychosozialen Beratung, der Kommunikation, Mobilität oder im Freizeitbereich können von den Sozialstationen nur relativ selten übernommen werden.

Die ambulante Versorgung pflegebedürftiger und behinderter Menschen in Thüringen wird im wesentlichen durch Sozialstationen und Pflegedienste freier oder privater Träger erbracht. Hauptfinanzierungsträger dieser Leistungen sind die gesetzlichen Krankenkassen und die Pflegekassen. Hierbei muss zwischen häuslicher Krankenpflege gemäß den Bestimmungen des SGB V § 37 und den Pflegeleistungen nach dem SGB XI unterschieden werden.

Insgesamt gibt es zur Zeit in Thüringen 169 Sozialstationen bzw. Pflegedienste, die der Liga der freien Wohlfahrtsverbände angeschlossen sind und 192 private Pflegedienste (Stand 01.07.1996). In den Einrichtungen der freien Wohlfahrtsverbände arbeitet folgendes Personal:

Die Krankenkassen können hiernach häusliche Krankenpflege durch geeignete Pflegepersonen gewähren, wenn Krankenhauspflege geboten, aber nicht durchführbar ist oder wenn sie durch die häusliche Krankenpflege vermieden bzw. abgekürzt werden kann (§ 37 Abs. 1 SGB V); weiterhin können Versicherte in ihrem Haushalt oder ihrer Familie als häusliche Krankenpflege Behandlungspflege erhalten, wenn sie zur Sicherung des Ziels der ärztlichen Behandlung erforderlich ist (§ 37 Abs. 2 SGB V).

Tab. Quantitativ ist die ambulante Versorgung behinderter und pflegebedürftiger Menschen in Thüringen hinreichend gesichert, von prinzipieller Bedeutung sind jedoch die grundsätzliche Ausrichtung, Gestaltung und die Konzepte des ambulanten Sektors der Behindertenhilfe.

Beratungsstellen Diejenigen Träger, die Sozialleistungen für behinderte Menschen erbringen, sind gemäß §§ 13 - 17 SGB I zu Beratungsangeboten hinsichtlich Aufklärung und Information über zustehende Leistungen verpflichtet. Daher gibt es Beratungsstellen für Menschen mit Behinderungen bei den Kranken- und Pflegekassen, den Arbeitsämtern, den Hauptfürsorgestellen oder den Rentenversicherungsanstalten. Meistens konzentriert sich diese Beratung ausschließlich auf rechtliche und finanzielle Fragen; psychosoziale Aspekte von Krankheit und Behinderung werden dagegen kaum beachtet.

Betreutes Wohnen

Unter Betreutes Wohnen werden sogenannte offene Wohnformen verstanden, die i. d.

R. nicht unmittelbar an Heime angegliedert sind. Hierfür werden meist Mietwohnungen in möglichst zentraler Lage benutzt. Dadurch sollen die Voraussetzung für ein integratives Wohnen von Behinderten und Nichtbehinderten geschaffen werden. Es werden zwei Formen unterschieden:

- betreute Wohngemeinschaft (BWG) und

- betreutes Einzelwohnen.

In einer BWG wohnen zwischen vier und acht Personen. Die Wohnlage muss so gewählt werden, dass Teilnahmemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben, Einkaufsmöglichkeiten und verkehrstechnische Anbindungen gegeben sind. Miet- und Mietnebenkosten werden von den Bewohnern selbst getragen oder gemäß den Bestimmungen des BSHG. Betreuungspersonen sind in der Regel sozialpädagogische Fachkräfte, die die BWG bei der Haushaltsführung und in persönlichen Angelegenheiten unterstützen und beraten.

Aufnahme in eine BWG finden u. a. Körperbehinderte und Mehrfachbehinderte, die über ein ausreichendes Maß an Selbständigkeit und sozialer Kompetenz verfügen.

Dies gilt analog auch als Voraussetzung für das betreute Einzelwohnen. Als Aufnahmevoraussetzungen für beide Wohnformen werden genannt:

- Die Bewohner/-innen sollten werktags einer geregelten Tätigkeit nachgehen, sei es an einem normalen Arbeitsplatz oder in einer - Die Bewohner/-innen müssen - nach einer gewissen Eingewöhnungszeit - verkehrssicher bzw. wegesicher sein, d. h., sie sollten beispielsweise allein zur Arbeit fahren können.

- Die Bewohner/-innen benötigen bei der Haushaltsführung und teilweise auch bei der Freizeitgestaltung Anleitung und Aufsicht, können jedoch nachts und tagsüber für mehrere Stunden allein bleiben.

- Die Bewohner/-innen sind - gegebenenfalls nach einer Eingewöhnungszeit - weitgehend dazu in der Lage, ihren Tagesablauf selbst zu gestalten und vorgegebene Zeiten und Termine einzuhalten.

- Die Bewohner/-innen können sich in der Regel ohne fremde Hilfe waschen und ankleiden und Aufgaben bei der Haushaltsführung übernehmen.

Betreutes Wohnen ist eine unbestritten wichtige Alternative zur stationären Unterbringung.

Daher hat die Landesregierung 1993 Richtlinien für die Förderung nichtinvestiver sozialer Maßnahmen zur Durchführung des Betreuten Wohnens für Behinderte erlassen. Hiernach soll das betreute Wohnen Behinderten, die nicht voll stationär betreut werden müssen, kontinuierlich Hilfe zur Selbsthilfe leisten und die Möglichkeit der Intervention des Fachpersonals in akuten Problemsituationen sichern. Es soll entweder in Wohngemeinschaften oder in Form des Betreuten Einzelwohnens stattfinden und der Erlangung einer völligen bzw. weitgehend selbständigen Lebensführung dienen. Als Bestandteil der sozialen Rehabilitation Behinderter zielt es vor allem auf die soziale und berufliche Eingliederung ab.

Der Freistaat Thüringen gewährt nach Maßgabe dieser Richtlinie Unterstützung, um eine landesweite, bedarfsgerechte Versorgung zu fördern. Zielgruppen sind Körper-, Geistig-, Sinnes- und Mehrfachbehinderte sowie seelisch Behinderte, soweit sie nicht nach § 35a SGB VIII Leistungen erhalten. Sie müssen vorübergehend, für längere Zeit oder auf Dauer nicht zu einer selbständigen Lebensführung fähig und nicht, noch nicht oder nicht mehr auf vollstationäre Hilfe angewiesen sein sowie allein oder in Wohngemeinschaften gemeinsam mit bis zu sieben anderen Behinderten leben und betreut werden können.

Zuwendungsempfänger der Landesmittel können Gemeinden, Gemeindeverbände oder freigemeinnützige Träger sein. Als Voraussetzungen zur Betreuungsaufnahme sollen behinderte Menschen in der Regel die Voraussetzungen für eine schulische oder berufliche Förderung erfüllen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bewohner/-innen während des betreuten Wohnens ständig einer Tätigkeit nachgehen oder an einer schulischen Maßnahme teilnehmen müssen.