Stromerzeugung

Die Fernwärmeförderung ist im Jahre 1997 ausgelaufen und konnte über das Jahr 1997 hinaus auf Grund der angespannten Haushaltslage nicht fortgesetzt werden.

Fernwärmepreise Ebenso wie die Gaspreise unterlagen auch die Preise für Fernwärme in der Vergangenheit der ständigen Marktbeobachtung durch die Landeskartellbehörde beim Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur.

Im Berichtszeitaum hat die Kartellbehörde auf der Grundlage des vom Verband der Energieabnehmer veröffentlichten Fernwärmepreisvergleiches 1997 die Fernwärmepreise sämtlicher Wärmeversorger in Thüringen untersucht.

Im Ergebnis der Prüfung wurden 25 Unternehmen abgemahnt, mit dem Hinweis, dass die Einleitung kartellrechtlicher Schritte geprüft werden muss, falls die Wärmepreise nicht auf den Thüringer Durchschnitt gesenkt würden. In Verhandlungen konnte erreicht werden, dass der Forderung der Kartellaufsicht nachgekommen wurde und im Oktober 1998 bzw. April 1999 die Fernwärmepreise gesenkt wurden.

Flüssige und feste Energieträger Flüssige Energieträger Flüssige Energieträger werden hauptsächlich im Verkehrsbereich (63 PJ) und im Wärmemarkt (30 PJ) eingesetzt. Seit dem Jahr 1993 ist Mineralöl mit 39 Prozent Anteil am Primärenergieverbrauch wichtigster Energieträger in Thüringen (1998 ca. 43 Prozent). Flüssige Energieträger werden neuerdings auch aus geeigneten Energiepflanzen, u. a. aus Raps, hergestellt. Die in der Thüringer Energiebilanz ausweisbaren Mengen an hier verbrauchten Produkten wie Biodiesel oder kaltgepresstem Pflanzenöl sind bisher noch unbedeutend, während die Kapazitäten zur Verarbeitung der Ölfrüchte für den in Thüringen schon beachtlich sind.

Feste Energieträger

Zu den festen Energieträgern zählen Stein- und Braunkohle, Holz und neuerdings auch schnellwüchsige Energiepflanzen zur Wärme- und z. T. auch Stromerzeugung.

Während in den dezentralen Feuerungsanlagen der Haushalte und Kleinverbraucher der Verbrauch von Kohle stark abnimmt (1997 noch rund 200.000 Tonnen Braunkohlenbriketts), nimmt die Holznutzung - vor allem wegen der wachsenden Zahl moderner und bedienfreundlicher Holzheizkessel - zu. Etwa 50.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe, hauptsächlich Holz und Holzabfälle, wurden 1997 in diesem Sektor verwertet, weitere 80.000 Tonnen für die Strom- und Fernwärmeerzeugung.

Großfeuerungsanlagen zur Erzeugung von Strom und/oder Fernwärme auf der Basis von Braun- oder Steinkohle wurden in Thüringen weder ertüchtigt noch neu errichtet. Einen nennenswerten Einsatz von Braunkohlenstaub (180.000 Tonnen jährlich) gibt es hauptsächlich zur Zementproduktion.

Thüringen verfügt derzeit über Kapazitäten zur Stromerzeugung auf der Basis von Erdgas und erneuerbaren Energien, womit gegenwärtig etwa 28 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Der restliche Bedarf kommt vorwiegend aus Braunkohlekraftwerken der VEAG.

Erneuerbare Energien

Nach Artikel 31 Absatz 3 der Verfassung des Freistaats Thüringen ist mit Naturgütern und Energie sparsam umzugehen. Dieses Verfassungsgebot verpflichtet die Landesregierung u. a., die Nutzung der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Ziel ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieversorgung auszuweiten.

Die Nutzung von Wasserkraft und von Biomasse steht auf Grund der natürlichen Gegebenheiten in Thüringen im Vordergrund, aber auch die direkte Nutzung der Sonnenenergie mittels solarthermischer und photovoltaischer Anlagen sowie die Nutzung der Windenergie genießen, insbesondere seit der Förderung durch Bund und Land, eine hohe Priorität.

Ende 1998 waren 106 Wasserkraftanlagen mit einer Gesamtleistung in Höhe von 21,4 Megawatt (MW) in Betrieb. Daraus ergibt sich eine Jahresarbeit von ca. 111 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht etwa einem Anteil von 4 Prozent an der gegenwärtigen jährlichen Stromerzeugung in Thüringen.

Neben der Wasserkraft wird auch der Nutzung der Biomasse (wegen der vorhandenen Agrarstruktur sowie des umfangreichen Rest- und Schwachholzanfalles) eine große Bedeutung beigemessen. Insbesondere kleinere Anlagen in einer Größenordnung von bis zu 50 Kilowatt thermischer Leistung werden zunehmend eingesetzt. Allein durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur ist die Installierung von mehr als 2.650 Anlagen mit einer thermischen Leistung von über 104 MW gefördert worden, davon entfielen auf das Jahr 1998 über 700 Anlagen mit einer thermischen Leistung von 23 MW.

Zum Jahresende 1998 wiesen darüber hinaus 9 Anlagen eine installierte elektrische Leistung in Höhe von über 28 MW aus.

Die erste Windkraftanlage in Thüringen ist im Dezember 1992 in Betrieb gegangen. Ende 1998 waren insgesamt 122 Anlagen mit einer Leistung von 68 MW am Netz. Nach den vorliegenden Jahresergebnissen und den jeweiligen Standortgutachten ist von diesen Anlagen eine Stromerzeugung in Höhe von über 90 GWh pro Jahr zu erwarten. Die Bedingungen für eine verstärkte und geordnete Entwicklung der Windkraftnutzung in Thüringen wurden durch die baurechtliche Privilegierung und durch eine gemeinsame Bekanntmachung des Ministeriums für Wirtschaft und Infrastruktur und des Ministeriums für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt vom 10. Januar 1997 zur planungs- und naturschutzrechtlichen Beurteilung von Windenergieanlagen verbessert.

Die direkte Nutzung der Sonnenenergie mittels photovoltaischer und solarthermischer Anlagen wird in Thüringen erst seit dem Jahre 1991 mit Beginn der Förderung durch Bund und Land in nennenswertem Umfang betrieben.