Unterschiedliche Bauweise von Thüringer Autobahnen

Thüringer Autobahnen werden zum Teil in bestimmten Streckenabschnitten in Beton- oder Schwarzdeckenbauweise erstellt. Dabei sind die Gründe für die unterschiedliche bauliche Ausführung zunächst nicht erkennbar.

Ich frage die Landesregierung:

1. Welche Streckenabschnitte der in Thüringen in Planung und/oder im Bau befindlichen Autobahnen werden in Beton- bzw. Schwarzdeckenbauweise erstellt?

2. Wer entscheidet darüber, welche Streckenabschnitte in Beton- oder Schwarzdeckenbauweise erstellt werden sollen?

3. Welche Vorteile haben die unterschiedlichen Bauweisen hinsichtlich

a) Kosten beim Bau,

b) Haltbarkeit,

c) Tragfähigkeit,

d) Bauerstellungsdauer,

e) Fahrsicherheit,z.B.Aquaplaning,

f) Lärmentwicklung, z. B. Abrollgeräusche,

g) Umweltfreundlichkeit, z. B. Ressourcenschonung beim Materialeinsatz?

4. Gibt es Empfehlungen seitens des Bundes zur Bevorzugung einer bestimmten Bauweise bei Preisgleichheit bzw. Preisvergleichbarkeit?

Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastrukturhat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 22. Oktober 1997 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Der Ausbau der Bundesautobahnen erfolgt grundsätzlich nach dem kostengünstigsten Angebot in Asphalt- oder Betonbauweise, wobei auch die Unterhaltungskosten zu berücksichtigen sind.

Zu 2.: Die Entscheidung trifft das Bundesministerium für Verkehr.

Zu 3. a:

Die Mehrkosten betragen bei der Betonbauweise zirka fünf Prozent. Aber auf Grund einer längeren Lebensdauer wird für die Betonbauweise durch das Bundesministerium für Verkehr ein Kostenbonus von fünf Deutsche Mark pro Quadratmetergewährt.

Zu 3. b: Betonbauweisen sind gegenüber Asphaltbauweisen um rund 30 Prozent langlebiger.

Zu 3. c:

Die Tragfähigkeit ist bei beiden Bauweisen gleichwertig.

Zu 3. d:

Die Bauzeit ist bei Betonbauweisen, bedingt durch die erforderliche Abbindezeit, zirka zwei Wochen länger.

Zu 3. e: Grundsätzlich ist die Fahrsicherheit bei beiden Bauweisen gleich. Allerdings ist die Gefahr der Verformungen und damit die Bildung von Spurrinnen bei der Asphaltbauweise höher. Darüber hinaus haben Betondecken gegenüber Asphaltdecken eine größere Oberflächenhelligkeit und bringen dem Verkehrsteilnehmer bei Dunkelheit bessere Lichtverhältnisse.

Zu 3. f:

Für beide Bauweisen bestehen gleich gute Möglichkeiten durch spezielle Oberflächenausbildung die Fugenabhängt.

Zu 3. g:

Im Straßenunterbau ist bei beiden Bauweisen ein gleichhoher ressourcenschonender Materialeinsatz möglich. Im gebundenen Straßenoberbau ist bei der Schwarzdeckenbauweise ein um zirka 20 Prozent höherer Recyclingmaterialeinsatz möglich.

Zu 4.: Die vom Bundesministerium für Verkehr erlassenen Rundschreiben enthalten keine Vorschriften zur Bevorzugung einer bestimmten Bauweise.

Schuster Minister.