Zukunft des Wirtschaftsstandorts Thüringen

Die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Thüringen bezüglich der Vernetzung von universitärer und außeruniversitärer Forschung mit den Entwicklungen in der Wirtschaft

Die Kleine Anfrage 851 vom 21. Januar 1998 hat folgenden Wortlaut:

Der Freistaat Thüringen hat durch seine zentrale Lage und durch die positive Entwicklung seiner Infrastruktur gute Chancen für einen anhaltenden Dabei ist es nicht zuletzt von Bedeutung, inwieweit die Wissenschafts- und Forschungspotentiale mit der Wirtschaft einhergehen. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Fakt ist die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Es zeigt sich, dass trotz positiver Wirtschaftsdaten der Arbeitsmarkt durch eine angespannte Lage gekennzeichnet ist. Es ist daher lohnend und sinnvoll, den damit im Zusammenhang stehenden Fragen nachzugehen, die die Innovationsfähigkeit in Wissenschaft und Wirtschaft sowie die Relevanz der Arbeitsplätze betreffen. Ziel der Verbindungen von Wissenschaft und Wirtschaft sollten Spitzenleistungen sein, die größere Wachstumsschübe und damit erzeugen. Dabei sind unter anderem auch Standorte von Interesse, die außerhalb des Technologie-Dreiecks Jena­Erfurt­Ilmenau liegen.

Ich frage die Landesregierung:

1. Welche Rahmenbedingungen sind geschaffen worden bzw. sind noch zu entwickeln, um jungen, innovativen Unternehmen größere Gründungs- und Wachstumschancen einzuräumen?

2. Welche ressortübergreifenden Aktivitäten entfaltet die Landesregierung zu dem genannten Problemkreis, und welche Erfolge und Defizite können benannt werden?

3. Wie wird seitens der Landesregierung die Verknüpfung zukunftsorientierter Industriesektoren mit den entsprechenden Dienstleistungen gesehen, und welche Beispiele können hierfür exemplarisch benannt werden?

4. Welche Technologiefelder in welchen Einrichtungsformen bieten die Chance für hohe Beschäftigtenäquivalente?

5. Welche Vorstellungen gibt es seitens der Landesregierung bezüglich der räumlich strukturellen Entwicklung auf diesem Gebiet?

Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur hat die namens der Landesregierung mit Schreiben vom 2. März 1998 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Die Wirtschaftsleistung in Thüringen konnte im vergangenen Jahr weiter verbessert werden. Das Verarbeitende Gewerbe und der Dienstleistungsbereich entwickeln sich zu den Trägern der wirtschaftlichen Entwicklung, zu denen auch junge, innovative Unternehmen zählen.

Das vordringliche Ziel der Wirtschaftspolitik besteht darin, Rahmenbedingungen zu setzen, die dazu führen, dass die Unternehmen in der ganzen Breite wettbewerbsfähig werden und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.

Das Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (TMWFK) und das Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur (TMWI) haben in einem gemeinsamen Bericht an den Landtag Forschungsland Thüringen über eine Vielzahl bereits eingeleiteter oder noch zu verwirklichender Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Forschungs- und Technologielandschaft in Thüringen berichtet. Darin enthalten ist auch eine Reihe von Maßnahmen, die unmittelbar geeignet sind, jungen, innovativen Unternehmen größere Gründungs- und Wachstumschancen einzuräumen.

Der Schwerpunkt der Unternehmensförderung liegt auf der Investitionsförderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GA).

Durch das Landesinvestitionsprogramm (LIP) ist die Förderung solcher Unternehmen möglich, die die GA-Kriterien nicht erfüllen.

Seitens des Landes wird auch Absatzförderung betrieben.

Die Forschungs- und Technologieförderung ist ein wichtiger Bestandteil der Landesförderung geworden.

Das TMWFK fördert seit 1995 die auf ein Jahr befristete Beschäftigung Thüringer Hochschulabsolventen an Thüringer Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen, sofern diese Beschäftigung im Zusammenhang mit einer Kooperation zwischen der Forschungseinrichtung und einem Thüringer Unternehmen stattfindet. Das TMWI fördert den Einsatz von Fachhochschul- und Hochschulabsolventen in Unternehmen. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Personaltransfer zwischen Einrichtungen der Forschung und der Thüringer Wirtschaft zu intensivieren.

Das TMWFK hat darüber hinaus einen Katalog weiterer Fördermaßnahmen zur Unterstützung von Forschung und Entwicklung in Thüringen entwickelt. Sowohl die Förderung regionaler und fachlicher Schwerpunktbildung als auch die Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Verbund zwischen öffentlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft stellen eine substantielle Hilfe für die Entwicklung neuer und international konkurrenzfähiger Produkte in Thüringer Unternehmen dar. Aufgrund günstiger Förderkonditionen kann die Förderung solcher auch von jungen und innovativen, aber kapitalschwachen Firmen in Anspruch genommen werden.

Angesichts der Tatsache, dass der externe Technologiebedarf von Unternehmen häufig durch andere Unternehmen gedeckt wird, ist neben der Verbundforschungsförderung Wissenschaft-Wirtschaft eine Förderung von Innovationsverbünden (Verbundprojekte zwischen Betrieben) erforderlich und im Rahmen der bestehenden Richtlinie des TMWI auch grundsätzlich bereits möglich.

Diese Verbundförderung soll weiter ausgebaut und als eigenständiger Fördertatbestand in die Richtlinie aufgenommen werden.

Die Landesregierung betrachtet die Förderung der Verbundprojekte als einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Innovationskraft Thüringer Unternehmen.

Das TMWFK hat die Bewerbung des Standorts Jena im des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF) nachhaltig auch finanziell unterstützt. Die Erarbeitung des erfolgreichen hat zu einer deutlichen Intensivierung des Kontakts zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf einem hoch innovativen Forschungs- und unternehmerischen Geschäftsfeld geführt.

Als Bestandteil des wird u.a. auch die Bildung eines Beteiligungsfonds vorgesehen, der kleinen und mittelständischen Unternehmen in ihrer Gründungsphase Beteiligungskapital anbieten soll. Als ein Ergebnis der Zusammenarbeit im Rahmen des führen die Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Institut für Molekulare Biotechnologie e. V. Jena gemeinsame Existenzgründerseminare durch.

Inzwischen wurde in Thüringen ein Netz von Technologietransfer- und -beratungseinrichtungen aufgebaut, wobei die Technologiestiftung (STIFT) mit der Koordinierungsfunktion betraut wurde.

In räumlicher Nähe zu den Hochschul- und Forschungseinrichtungen Thüringens wurden acht Technologie- und Gründerzentren errichtet.

Die Eigenkapitalbasis von technologieorientierten Unternehmen kann durch Beteiligungen aus dem eigens geschaffenen Innovationsfonds der Technologiestiftung (STIFT) verstärkt werden.

Mit Hilfe von Beteiligungsfonds soll ferner der Auf- und Ausbau sowie die Sicherung wettbewerbsfähiger selbständiger Unternehmen unterstützt werden.

Da die Ursachen der nicht ausreichenden Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in allen Bereichen unternehmerischen Handelns liegen, reichen zur Beseitigung von Defiziten finanzielle Mittel allein nicht aus. Deshalb werden die Unternehmen durch die vorhandene Beratungsinfrastruktur unterstützt. Intelligente Lösungen müssen gefunden werden, um die finanziellen Förderhilfen mit der Beratung zu koppeln.

Die eingeschlagene Wirtschafts- und Förderpolitik wird fortgeführt, damit sich die begonnene positive wirtschaftliche Entwicklung in Thüringen fortsetzen kann.

Zu 2.: Im Ergebnis regelmäßiger Abstimmungen zur Förderpolitik im Bereich Forschung und Entwicklung haben TMWFK und TMWI ihre nächsten Ziele und Maßnahmen in dem bereits zu Frage 1 genannten gemeinsamen Bericht an den Landtag dargelegt. Wichtige ressortübergreifende Projekte zur Entwicklung des Technologiedreiecks Erfurt-Jena-Ilmenau werden derzeit gemeinsam entwickelt.

Besonders zu erwähnen sind die Gründung des Instituts für Mikroelektronik- und Mechatroniksysteme (IMMS) mit den Standorten Ilmenau und Erfurt.Aufgabe des IMMS ist es, Forschungs- und Entwicklungsleistungen für weltmarktfähige Produkte im Dienst kleinerer, mittlerer und mittelständischer Firmen in Thüringen zu erbringen. Die Arbeit des IMMS ist über die Erwartungen positiv angelaufen.

Es ist beabsichtigt, im Rahmen der Umsetzung des möglichst noch in diesem Jahr mit der Errichtung eines dringend benötigten am Standort Jena-Beutenberg zu beginnen.

Dieses soll Laborflächen, die erforderliche Ausrüstung sowie entsprechende Gemeinschaftsdienste für Existenzgründer und neu anzusiedelnde Unternehmen bereitstellen.

In Ilmenau ist der Aufbau eines Forschungs- und Technologieparks, zunächst mit den Bestandteilen

- Applikationszentrum für Bildverarbeitung, Mikrotechniken, Schaltungs- und Hybridtechnik sowie

- Management- und Dienstleistungszentrum für wirtschaftswissenschaftliche Begleitforschung, Managementberatung, Informationsdienste, neue Medien und Umwelttechnik federführend durch das TMWI eingeleitet worden.

Die inhaltliche Vorbereitung des Applikationszentrums Mikroelektronik (APZ) am Standort Ilmenau ist abgeschlossen, Projektskizzen für Startprojekte liegen bereits vor.

Auf dem Gebiet der Mikrosystemtechnik ist der Aufbau eines Applikationszentrums Mikrotechnik (AMT) für Mikrooptik, Mikrosensorik sowie Aufbau- und Verbindungstechniken in Jena gemeinsam mit dem TMWI eingeleitet worden.

Die Bedeutung der neuen Breitbandnetze wurde sehr frühzeitig erkannt. Nach Anschluß aller Thüringer Hochschulen und öffentlichen Forschungsinstitute - das Institut für Bioprozeß- e.V. (IBA) in Heiligenstadt sowie die Fachhochschule Nordhausen werden in der nächsten Zeit diesen Pool komplettieren - sind inzwischen auch die Thüringer Technologie- und Gründerzentren in das Wissenschaftsnetz Thüringen integriert worden. Innerhalb des Netzes wurde ein hochleistungsfähiges Rückgrat durch Installation einer 155 Mbit-Vernetzung der Standorte geschaffen.

Das TMWFK und das TMWI haben begonnen, eine gemeinsame Patentstrategie für eine bestmögliche Vernetzung der in der Wirtschaft und in den öffentlichen Forschungseinrichtungen vorhandenen Kompetenzen und Infrastrukturen zu