Defizite in der Wasserversorgung in Ostthüringen

Der Talsperrenverwaltung und der Landesregierung ist die Wasserversorgung in Ostthüringen durch die mangelhaft ausgebaute Fernwasserversorgung Schwarza angespannt bzw. potentiell angespannt.

Dazu frage ich die Landesregierung:

1. Wie viele Anträge auf Aussonderung von Wasserschutzgebieten für örtliche Wasserdargebote mit welcher Fläche und Ergiebigkeit liegen für die Region Ostthüringen vor?

2. In welchem Umfang (Fläche und Ergiebigkeit) wurde den beantragten Aussonderungen in Ostthüringen in den letzten Jahren stattgegeben?

3. Welche Gründe lagen für die Aussonderungen vor?

4. In welchem Umfang (Fläche und Ergiebigkeit) existieren in Ostthüringen örtliche Dargebote, die ungenutzt sind, aber bei Bedarf nutzbar wären?

5. In welchen Fällen gibt es Probleme bei der Schützbarkeit vorhandener örtlicher Dargebote in Ostthüringen, für die keine Aussonderung beantragt wurde?

6. In welchem Umfang (Fläche und Ergiebigkeit) wurden in Ostthüringen örtliche Wasserdargebote neu erschlossen?

7. Mit welchen Kosten müssen die lokalen Wasserversorger in Ostthüringen nach Ansicht der Landesregierung rechnen, um ihre örtlichen Dargebote dauerhaft zu schützen?

8. Wie hoch ist die Auslastung des Wasserwerks Großstöbnitz (Altenburger Land)?

9. Wie bewertet die Landesregierung die Prognose zum spezifischen Gesamtwasserbedarf in Ostthüringen, die in der Gutachterlichen Stellungnahme zu der Entscheidungshilfe zur Begründung der Wasserstrategie hinsichtlich des Talsperrensystems Leibis/Lichte im Jahre 1996 gemacht wurde, im Vergleich zum tatsächlichen spezifischen Wasserverbrauch 1995?

10. Wie bewertet die Landesregierung die Bestimmung und die Höhe des Spitzenfaktors der Wasserversorgung für Ostthüringen unter dem Blickwinkel, dass reale Spitzenfaktoren in den neuen Bundesländern zwischen 1,22 und 1,3 liegen?

Das Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 13. März 1998 wie folgt beantwortet:

Vorbemerkung: Amtliche statistische Daten zur Aussonderung von Wasserschutzgebieten für örtliche Wasserdargebote, zu ihren Flächen und Ergiebigkeiten für die Region Ostthüringen liegen nicht vor.

Die Landesregierung stützt sich bei der Beantwortung auf Informationen der Wasserwirtschaftsverwaltung. Angaben zum Flächenumfang ausgesonderter Wasserdargebote in Ostthüringen sind nicht verfügbar. Eine Erhebung wäre nur mit unverhältnismäßigem Verwaltungsaufwand möglich.

Zu 1.: Von März 1991 bis Januar 1998 sind in Ostthüringen insgesamt 261Anträge von Wasserschutzgebieten gestellt worden.

Davon betrafen 74 Anträge nichtöffentliche Eigenwasserversorgungen, für die Wasserschutzgebiete ab 19. Mai 1994 rechtlich nicht mehr möglich sind.

Zur betroffenen Fläche können keine Angaben gemacht werden (siehe Vorbemerkung).

Die Ergiebigkeit (Förderkapazität) der 187 öffentlichen Versorgungsanlagen beträgt maximal 19.600 Kubikmeter pro Tag.

Zu 2.: In 229 Fällen wurden Wasserschutzgebiete bis Dezember 1997 aufgehoben. Zur betroffenen Fläche können keine Angaben gemacht werden (siehe Vorbemerkung).

Zur Förderkapazität liegen nur für 164 der oben angeführten 229 vor; diese 164Anlagen hatten maximal 31.800 Kubikmeter pro Tag Förderkapazität.

Zu 3.: Die Gründe für die Aussonderungen lagen in der größten Zahl der Fälle in bereits seit längerer Zeit unzureichender Wasserqualität. Dies war sowohl geogen (z. B. überhöhte Gehalte an Eisen-, Mangan-, Arsen- und Sulfat-Ionen, aggressive Kohlensäure) als auch anthropogen (z. B. überhöhte Gehalte an Nitrat- und Ammonium-Ionen, unzulässigen Pflanzenschutzmittelgehalten und Gehalten an leichtflüchtigen Kohlenwasserstoffen) bedingt.

Zu 4.: In Ostthüringen sind 88 Wasserfassungen (örtliche Dargebote) mit einer Ergiebigkeit von im Mittel 36.100 Kubikmeter pro Tag vorhanden, die nur mit Einschränkungen bei Bedarf nutzbar wären. Voraussetzungen für die Nutzungsfähigkeit sind unter anderem erforderliche Maßnahmen zur Ertüchtigung dieser Anlagen, überdurchschnittlich hohe Aufwendungen für die Aufbereitung und den Trinkwasserschutz.

Zu 5.: Bei rund 30 vorhandenen Wasserfassungen (örtliche Dargebote) mit einer mittleren Kapazität von rund 6.500 Kubikmeter pro Tag bestehen nach Kenntnis der Landesregierung Probleme bei der Schützbarkeit.Anträge der dazugehörigen Wasserschutzgebiete wurden von den lokalen Wasserversorgern bisher nicht gestellt.

Bei weiteren 74 vorhandenen Fassungen (örtliche Dargebote) mit einer mittleren Förderkapazität von 26.800 Kubikmeter pro Tag bestehen nach Kenntnis der Landesregierung Qualitätsprobleme und zum Teil Schützbarkeitsprobleme. Anträge auf Aussonderung sind vorgesehen.

Zu 6.: Sieben örtliche Wasserdargebote mit einer maximalen Förderkapazität von 3.050 Kubikmeter pro Tag wurden seit 1990 neu erschlossen.

Hier sind noch keine Wasserschutzgebiete festgesetzt worden.

Zu 7.: Gemäß der derzeitigen Rechtslage tragen die lokalen Wasserversorger in Thüringen als die Begünstigten der festgesetzten Wasserschutzgebiete mit Ausgleichszahlungen (§ 102 Thüringer Wassergesetz) an die Nutzungsberechtigten zum Schutz der örtlichen Dargebote bei. Zur Höhe dieser Zahlungen liegen bisher keine Ergebnisse aus Erhebungen vor. Die Kosten für diese Ausgleichszahlungen werden von der Landesregierung mit etwa 0,005 bis 0,11 Deutsche Mark pro Kubikmeter gefördertes Wasser eingeschätzt. Mit weiteren Kosten für den dauerhaften Schutz der örtlichen Dargebote werden die lokalen Wasserversorger gegenwärtig nicht belastet. Das trifft gleichermaßen für die Wasserversorger in Ostthüringen zu.

Zu 8.: Nach vorliegenden Informationen der zuständigen Versorgungsträger betrug im Jahr 1997 die des Wasserwerks Großstöbnitz 53,5 Prozent im Jahresmittel.

Zu 9.: Hier wird auf der Landesregierung zu Frage 4 der 891 Dr. Klaus (SPD) verwiesen.

Zu 10.: Als Tagesspitzenfaktor wird das Verhältnis zwischen dem maximalen Tagesverbrauch bzw. -bedarf, z. B. infolge extremer Witterungsbedingungen, zum durchschnittlichen Tagesverbrauch bzw. -bedarf für einen bestimmten Betrachtungszeitraum bezeichnet. Der Tagesspitzenfaktor ist abhängig von der Größe und Spezifik des Versorgungsgebiets und steigt im allgemeinen mit sinkender Abnehmerzahl.

Für Planungen in der Wasserversorgung wird das Technische Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) herangezogen. In dem DVGW-Merkblatt W 410 ist der Tagesspitzenfaktor mit mindestens 1,5 angegeben. Grundlage bilden umfangreiche Erhebungen in den alten Bundesländern über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren.

Derzeitige Spitzenfaktoren zwischen 1,2 bis 1,3 in Ostthüringen sind unter dem Aspekt vorhandener - gegenüber den alten Bundesländern deutlich höherer - Wasserverluste zu bewerten. Mit einer deutlichen Senkung der Wasserverluste ist ein Anstieg der gegenwärtigen Tagesspitzenfaktoren zu erwarten. Es ist Aufgabe der Versorgungsträger, die Entwicklung und Höhe der Spitzenfaktoren in ihren Versorgungsgebieten verantwortungsvoll zu verfolgen und einzuschätzen.