Wie beurteilt die Landesregierung den von Schülern und Eltern gelegentlich beklagten

47. Welchen Stellenwert mißt die Landesregierung der Schule im Zusammenspiel mit sozialen und gesellschaftlichen Einflüssen bei?

48. Wie beurteilt die Landesregierung den Zusammenhang von Schulklima, Lernklima und Lernleistung?

49. Wie beurteilt die Landesregierung den von Schülern und Eltern gelegentlich beklagten Leistungsdruck?

50. Welche Anforderungen sind an ein zukunftsfähiges Schulnetz in allen Schularten zu stellen?

51. Welche Erfahrungen liegen der Landesregierung zur Arbeit mit den bisherigen Lehrplangenerationen vor? Wie ist der Stand bei der Weiterentwicklung der Lehrpläne für alle Schularten?

52. Wie beurteilt die Landesregierung die gegenwärtigen Stundentafeln der allgemeinbildenden Schulen und deren Weiterentwicklung?

53. Welche Erfahrungen wurden nach Erkenntnis der Landesregierung mit neuen Lehrfächern und neuen Unterrichtsmethoden an Thüringer Schulen gemacht?

54. Welches Gewicht kommt im Unterricht an den Schulen fächerübergreifenden Themenstellungen, wie Gesundheitserziehung, Erziehung zu Gewaltfreiheit, Umwelterziehung und Medienerziehung, zu? Welche pädagogischen und finanziellen Maßnahmen hat die Landesregierung ergriffen, um den fächerübergreifenden Themen einen angemessenen Stellenwert zu sichern?

55. Welche Haltung nimmt die Landesregierung zu den Ergebnissen der Studie der Industrie- und Handelskammer Südthüringen vom 9. Juli 1997 in bezug auf Lernleistungen von Absolventen allgemeinbildender Schulen ein?

56. Wie beurteilt die Landesregierung die Entwicklung des Religionsunterrichts seit seiner Einführung?

57. In welchem Umfang wird an Thüringer Schulen derzeit Religionslehre und Ethik unterrichtet, und wie beurteilt die Landesregierung die weitere Unterrichtsversorgung?

58. Wie fördert die Landesregierung einen eigenverantwortlichen Umgang von Kindern und Jugendlichen mit neuen Medien, und welche Haushaltsmittel standen - aufgeschlüsselt nach Jahren - dafür zur Verfügung?

59. Wie beurteilt die Landesregierung die Entwicklung der demokratischen Mitwirkung im Schulwesen?

60. Welches Gewicht wird Eltern- und Schülervertretungen bei der Gestaltung und Weiterentwicklung des Schulwesens beigemessen, und wie schlägt sich dies im Rahmen der geltenden Bestimmungen konkret nieder? Wird der umfassende Anspruch der Schulkonferenz als Mitwirkungs- und Mitbestimmungsorgan an der Schule in inhaltlichen, pädagogischen und organisatorischen Fragen in der Praxis eingelöst?

61. Welche Schwerpunkte sieht die Landesregierung in der außerunterrichtlichen Arbeit an Schulen gegenwärtig und perspektivisch, und welche Haushaltsmittel wurden bzw. werden - aufgeschlüsselt nach Jahren und kumuliert seit 1991 - dafür aufgewendet?

62. Welche Bedeutung mißt die Landesregierung Schülerzeitungen bei; welche Entwicklungen haben sich in bezug auf Schülerzeitungen vollzogen, und welche Unterstützungsmöglichkeiten stehen für Schülerzeitungen zur Verfügung?

63. Nach Grundgesetz und Verfassung des Freistaats Thüringen ist das Recht auf Errichtung von Schulen in freier Trägerschaft garantiert. Wie hoch ist in Thüringen der Anteil von Schulen in freier Trägerschaft im Verhältnis zu anderen Bundesländern, und was hat die Landesregierung unternommen, um die Defizite aus der DDR-Zeit zu überwinden?

64. Wie schätzt die Landesregierung den Beitrag von Schulen in freier Trägerschaft zur Entwicklung eines differenzierten und vielfältigen Bildungsangebots in Thüringen ein?

65. Welche Strukturen wurden auf dem Gebiet der Lehrerfort- und -weiterbildung entwickelt, und wie haben sich diese, gemessen an ihrer Aufgabenstellung der weiteren Qualifizierung von Lehrern, Erziehern und sonderpädagogischen Fachkräften sowie der weiteren Demokratisierung und inneren Erneuerung der Schule, bewährt?

66. Welche finanziellen Mittel wurden - aufgeschlüsselt nach Jahren - seit 1990 für die Lehrerfort- und -weiterbildung aufgewendet, und wie beurteilt die Landesregierung den weiteren Bedarf in der Lehrerfort- und -weiterbildung?

67. Welche Bedeutung mißt die Landesregierung den Studienseminaren bei, und wie beurteilt sie den gegenwärtigen Entwicklungsstand sowie die perspektivische Entwicklung der Studienseminare?

68. An welchen Standorten der Studienseminare wurden - aufgeschlüsselt nach Fächern und nach Jahren - seit 1990 welche Anzahl von Referendaren ausgebildet?

69. Auf welchen Gebieten arbeiten Thüringer Schulen mit außerschulischen Partnern zusammen, und welchen Stellenwert mißt die Landesregierung dieser Kooperation bei?

70. Welchen Beitrag leistet das Thüringer Schulwesen zum Zusammenwachsen der alten und der jungen Länder?

Welche Schulpartnerschaften bestehen zwischen Thüringer Schulen und Schulen in den alten Ländern? Wie beurteilt die Landesregierung den Wert von Begegnungen und schulischer Zusammenarbeit für das Zusammenwachsen Deutschlands?

71. Welchen Stellenwert mißt die Landesregierung der internationalen Zusammenarbeit im Schulwesen bei, und mit welchen schulrechtlichen und schulorganisatorischen Maßnahmen unterstützt die Landesregierung schulische Initiativen auf diesem Gebiet (insbesondere Schulpartnerschaften, Schülerbegegnungen)?

Welche Schulpartnerschaften bestehen zwischen Thüringer Schulen und Schulen im Ausland; und wie hoch ist ihre Förderung durch das Land, den Bund, europäische sowie internationale Organisationen, und wie viele Thüringer Schulen in welchen Schularten haben bisher an diesen Fördermöglichkeiten teilgehabt?

73. Wie werden Thüringer Schüler auf das zusammenwachsende Europa vorbereitet; welcher Stellenwert wird in diesem Zusammenhang dem Fremdsprachenlernen beigemessen, welche Fremdsprachen werden in Thüringen in welchen Schularten von wie vielen Schülern gelernt, und wie wird die Versorgung mit Fremdsprachenlehrern gegenwärtig und perspektivisch gewährleistet?

74. Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung über die Teilnahme von Thüringer Schülern an halbjährigen und ganzjährigen Auslandsaufenthalten vor?

75. Welche Haushaltsmittel stellte die Landesregierung im Zeitraum von 1991 bis 1997 - aufgeschlüsselt pro Jahr und kumuliert - für außerschulische Angebote zur Verfügung?

76. Welche Haushaltsmittel stellte das Land für die Lernmittelfreiheit seit 1991 - aufgeschlüsselt nach Jahren - zur Verfügung, welches sind die Alternativen zur Lernmittelfreiheit; wurden diese auf ihre Eignung für Thüringen überprüft, und sprechen Gründe für die Beibehaltung der derzeitigen Regelungen?

77. Welche Haltung nimmt die Landesregierung zur Praxis der Lernmittelvielfalt ein, und wie wurde nach Erkenntnis der Landesregierung die Umstellung durch Thüringer Lehrer von dem - in der Regel einem - Lehrbuch zur Lernmittelvielfalt bewältigt?

78. Wie stellt sich die Personalentwicklung an allgemeinbildenden Thüringer Schulen dar? Welche Konzepte verfolgt die Landesregierung, insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung?

79. Welche Konsequenzen zieht die Landesregierung aus der Kritik des Thüringer Rechnungshofs an der Personalentwicklung im Grundschulbereich?

80. Was unternimmt die Landesregierung, um jungen Lehrern nach dem Studium und der zweiten Phase der Lehrerausbildung Perspektiven für die Ausübung des erlernten Berufs zu eröffnen? Welche Vorstellungen bestehen für die nächsten Jahre?

In welcher Höhe nahm das Land jährlich seit 1991 - aufgeschlüsselt auf die Lehrfächer - Neueinstellungen von Lehrern vor, und welche Vorstellungen bestehen für die nächsten Jahre?

82. Was unternahm die Landesregierung, um die Thüringer Lehrer mit ihren Kollegen in den alten Ländern gleichzustellen, und in welchen Zeiträumen wurde bzw. wird das Erste Gesetz zur Änderung des Thüringer Besoldungsgesetzes vollzogen?

83. Welches Konzept verfolgt die Landesregierung bei der Verbeamtung von Lehrern, welche Fakten sprechen für eine Verbeamtung und welche dagegen, und wie stellen sich Thüringer Verbeamtungsraten bei Lehrern im Vergleich zu den Altländern dar?

84. Wie bewertet die Landesregierung den Stand eines flächendeckenden Erwachsenenbildungssystems?

85. Wie hat sich aus der Sicht der Landesregierung die Arbeit mit dem Landeskuratorium für Erwachsenenbildung bewährt?

86. Welche finanziellen Leistungen des Landes - seit 1991 auf Jahre und Träger aufgeschlüsselt - erfolgten im Bereich der Erwachsenenbildung?

87. Welche Erkenntnisse liegen der Landesregierung über Budgetierung für Schulen vor, und welche Haltung nimmt die Landesregierung zur Budgetierung für Schulen ein?

Das Thüringer Kultusministerium hat die Große Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 30. April 1998 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Die politische Wende in der ehemaligen DDR war Ausgangspunkt einer Bildungsreform, die alle Bereiche von Schule und Unterricht umfaßte. Im Mittelpunkt standen dabei zunächst konkrete Forderungen im Rahmen des gesamtgesellschaftlichen Umgestaltungsprozesses und das Aufbrechen der verordneten Einheitlichkeit. Es ging zuerst um Entideologisierung von Schule, die strikte Trennung von Pädagogik und Parteipolitik, um Mitspracherechte für Eltern und Schüler sowie gleiches Recht auf Bildung für alle, unabhängig von sozialer Herkunft, religiöser Überzeugung und politischer Einstellung.

Von zahlreichen Initiativkreisen und Gruppen aus der Bürgerbewegung wurden diese und andere Forderungen bereits im Herbst 1989 öffentlich artikuliert, ohne dass sich daraus ein neues Gesamtbild von Schule als Vision erkennen ließ. Wichtig aber waren in der Folgezeit Sofortmaßnahmen wie die Abschaffung von Staatsbürgerkunde und Wehrkunde, das Betätigungsverbot von SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), FDJ (Freie Deutsche Jugend) und der Pionierorganisation an den Schulen sowie die Einstellung der Jugendweiheveranstaltungen und insbesondere die Abwahl politisch stark belasteter Schulleiter.

Konsens bestand in der Öffentlichkeit darüber, dass notwendige Veränderungen nicht nur von der Schule selbst bzw. von den Lehrern ausgehen konnten, sondern einer breiten gesellschaftlichen Diskussion bedurften. Ein wichtiger Impuls war das im März 1990 verabschiedete Positionspapier des Zentralen Runden Tisches Berlin zu Bildung, Erziehung, Jugend. Zu dessen Kernpunkten zählten u.a. Chancengleichheit/Chancengerechtigkeit in einem differenzierten Schulwesen, die Achtung der persönlichen Integrität aller Kinder und Jugendlichen, der Anspruch auf ganzheitliche Erziehung, freier Zugang zu allen Bildungseinrichtungen und demokratische Mitbestimmung. Wichtige Themen waren auch das Ersterziehungsrecht der Eltern, die rechtlichen Grundlagen für die Zulassung neuer Schultypen bzw. zur Errichtung von Schulen in freier, also auch in kirchlicher Trägerschaft und nicht zuletzt eine umfassende konzeptionelle und inhaltliche Erneuerung des Unterrichts, u.a. durch Erweiterung des Fächerkanons. Besonders nachdrücklich wurde die Forderung nach einer Überprüfung aller Lehrer auf ihre persönliche Eignung für den Schuldienst erhoben und nach der Untersuchung schuldhafter Verstrickungen in das DDR-Unrechtssystem (z. B. als Funktionsträger oder durch Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit).

Von diesen Ideen der Wende ist die nachfolgende Neugestaltung des Thüringer Schulwesens entscheidend geprägt worden. Für das am 25. März 1991 verabschiedete Vorläufige Bildungsgesetz gaben sie Grundintentionen und künftige Zielbestimmungen von Schule und Unterricht vor. Damit entstanden die Rahmenbedingungen für ein plurales, gegliedertes Schulsystem, das auch die reformpädagogischen Traditionen in Thüringen berücksichtigte.