Forschungseinrichtungen und Staatliche Studienakademie Thüringen

Das Bedürfnis der Wirtschaft und von Unternehmen des Sozialwesens nach Führungskräften, die über wissenschaftliche Kenntnisse mit Praxisbezug und zugleich über praktische Erfahrungen und Kenntnisse auf wissenschaftlicher Grundlage verfügen, nimmt ständig zu. Daneben wächst die Zahl der Hochschulzugangsberechtigten, die vor Studienbeginn eine Berufsausbildung absolvieren oder die eine Verbindung von Berufsausbildung und Studium anstreben.

Aufgrund dieser Entwicklungen hat der Wissenschaftsrat bereits in seinen zehn Thesen zur Hochschulpolitik in der Entwicklung entsprechender dualer Studiengänge, die sich durch die Verbindung der Lernorte Hochschule und Betrieb auszeichnen, einen sinnvollen Weg für eine weitergehende Differenzierung der Studienangebote im tertiären Bildungsbereich gesehen.

Auch wenn die Hochschulen bereits eine Reihe von Ansätzen entwickelt haben, bietet die Berufsakademie die konsequenteste Kombination von wissenschaftsorientierter und praxisintegrierter Bildung. Die Berufsakademie ist mit ihrem dualen Ausbildungssystem bildungspolitisch eine Entwicklung eigener Art. Sie gehört - wie die Hochschulen - zu den Einrichtungen des tertiären Bildungsbereichs, die wissenschaftliche Bildungsinhalte vermitteln. Daneben verbindet sie organisatorisch die Vermittlung wissenschaftsbezogener Bildung mit praxisintegrierter Ausbildung. Das Prinzip der Berufsakademie beruht auf einer engen Verbindung von wissenschaftlich-theoretischer Bildung in der Staatlichen Studienakademie und der betriebspraktischen Ausbildung in Betrieben der Wirtschaft, Einrichtungen der freien Berufe oder sozialen Einrichtungen.

Die Betriebe und Einrichtungen werden nach besonderen Kriterien ausgesucht und arbeiten eng mit der Staatlichen Studienakademie zur Erreichung des Ausbildungsziels der an der Berufsakademie Studierenden zusammen. als Studierender setzt zunächst den Abschluß eines dreijährigen Ausbildungsvertrags mit einer anerkannten Ausbildungsstätte voraus. Im übrigen ist für die Zulassung zum Studium die allgemeine oder die einschlägige fachgebundene Hochschulreife erforderlich. Der dreijährige Ausbildungsgang ist in mehrere zwölfwöchige, einander abwechselnde Ausbildungsphasen an der Staatlichen Studienakademie und im jeweiligen Betrieb gegliedert. Während der gesamten Ausbildungszeit an der Berufsakademie erhält der Studierende eine Ausbildungsvergütung von dem Unternehmen, mit dem er den Ausbildungsvertrag geschlossen hat. Das Studium endet nach erfolgreich abgelegter Prüfung mit dem Abschluß Diplom (BA), der den entsprechenden Abschlüssen der staatlichen Fachhochschulen als gleichgestellt wird.

Durch die Errichtung einer Berufsakademie in Thüringen werden gleichzeitig Änderungen des Thüringer Hochschulgesetzes, des Thüringer Studentenwerksgesetzes und des Thüringer Personalvertretungsgesetzes erforderlich.

B. Zu den einzelnen Bestimmungen

Zu Artikel 1:

Zu § 1: 1 wird die Errichtung der Berufsakademie Thüringen und der Staatlichen Studienakademie Thüringen zunächst in einer Erprobungsphase festgelegt. Die Vorschaltung einer Erprobungsphase ist darin begründet, dass derzeit verbindliche Zusagen von Thüringer Unternehmen zur Bereitstellung von Be21 rufsakademie-Ausbildungsplätzen lediglich für drei Jahre vorliegen. Insbesondere vor dem Hintergrund der nicht absehbaren Entwicklung der mittelständischen Wirtschaft in Thüringen ist eine verläßliche Prognose der Nachfrageentwicklung über diesen Zeitraum hinaus derzeit nicht möglich. Die Erprobungsphase wird durch Absatz 5 auf die Immatrikulationsjahrgänge 1998 bis 2000 erstreckt. In Satz 2 wird klargestellt, dass die Studierenden der Berufsakademie Vertrauensschutz im Hinblick auf die Beendigung ihres Studiums genießen.

Durch die Absätze 2 bis 4 wird festgelegt, dass die Berufsakademie bei positiver Nachfrageentwicklung Regeleinrichtung des tertiären Bereichs werden kann.

Die Entscheidung hierüber trifft die Landesregierung unter Berücksichtigung der Bedarfszahlen für das Studienjahr 2001/2002. Maßgeblich ist die Überschreitung von Untergrenzen für die Studienanfängerzahlen, die vom Ministerium festgelegt werden. Um die Anerkennung der Berufsakademie als Einrichtung des tertiären Bereichs und damit auch die Gleichstellung der Berufsakademie-Abschlüsse mit Abschlüssen der Fachhochschulen zu gewährleisten, ist darüber hinaus die Erfüllung der von der Kultusministerkonferenz (KMK) festgelegten Kriterien für das fachliche Mindestangebot erforderlich. Danach muß die einzelne Berufsakademie mindestens zwei mit jeweils mehreren fachlichen Schwerpunkten umfassen. Daher wird das für die Fortführung der Berufsakademie erforderliche fachliche Mindestangebot ebenfalls festgelegt. Es ist vorgesehen, dass die Berufsakademie zur Vorbereitung der Entscheidung der Landesregierung nach Absatz 2 zum 31. Dezember 2000 einen Bericht vorlegt, der Aussagen zur Nachfrageentwicklung nach Studienplätzen an der Berufsakademie sowie über die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen durch die Wirtschaft enthält. Um die künftige Bedarfsentwicklung abschätzen zu können, soll der Bericht unter Berücksichtigung der tatsächlichen Entwicklung in der Erprobungsphase eine Prognose über die Nachfrage abgeben.

Zu § 2: Absatz 1 beschreibt die Grundidee und das der Berufsakademie. Die Berufsakademie vermittelt keine Berufsausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes, sondern auf wissenschaftlicher Grundlage, die aufbauend auf dem schulischen Abschluß der Sekundarstufe II (allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife) zu einem berufsqualifizierenden Abschluß führt. Sie gehört daher zum tertiären Bildungsbereich. Sie ist keine Hochschule, sondern eine Bildungseinrichtung. Die Bildungsinhalte werden in einem dualen Studium in der Staatlichen Studienakademie und in den Ausbildungsstätten der Praxispartner vermittelt. Das abgestimmte Zusammenwirken der Staatlichen Studienakademie mit den beteiligten Bildungsstätten ist eine wesentliche Voraussetzung für die Erfüllung ihrer Aufgaben.

Absatz 2 definiert die an der beteiligten Bildungsstätten der Praxispartner. Da das praxisintegrierte Studium eine Reihe von personellen und sächlichen Voraussetzungen erfordert, um die Bildungsinhalte der Studienordnungen vermitteln zu können, ist die Geeignetheit jedes Betriebs und jeder Einrichtung positiv festzustellen. Gleichzeitig wird die Verpflichtung der Ausbildungsstätten festgelegt, den Studierenden eine Ausbildungsvergütung zu gewähren, deren Untergrenze sich an den Bedarfssätzen für den monatlichen Grundbedarf für Studierende an höheren Fachschulen, Akademien und Hochschulen zuzüglich den Erhöhungsbeträgen für die Kranken- und Pflegeversicherung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) orientiert. In diesen Mindestbetrag nicht einbezogen sind die Erhöhungsbeträge für Unterkunft nach § 13 Abs. 2 BAföG.