Arbeitslosigkeit

Präferiert die Landesregierung die Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien am Standort Thüringen, z. B. Global Positioning Systeme (GPS), Digital Audio Broadcasting (DAB), Digital Versible Disk (DVD)-Systeme, Softwareentwicklungen in den Bereichen Archiv, Suche oder Kryptografie? Welche Technologien sind dies und weshalb wurden sie ausgewählt?

Werden spezielle Förderungen für diese Sektoren und/oder Technologien gemäß der Fragen 3.7 und 3.8 geleistet, und falls ja, welche? Welche sollen in Zukunft geleistet werden?

3.10 Welchen Stellenwert misst die Landesregierung den klein- und mittelständischen Unternehmen in ihren Konzepten zu den Sektoren und Technologien in der Informationswirtschaft zu? Welche Fördermaßnahmen praktiziert sie bereits, und will sie diese bis 2005 fortführen und ausweiten? Falls ja, in welcher Art und Weise sowie in welchem Umfang?

3.11 Wie werden längerfristige, raumstrukturelle Auswirkungen von neuen Wirtschaftssektoren und den damit verbundenen Technologien, Organisationsstrukturen und Anwendungsmöglichkeiten in der raumordnerischen Planung in Thüringen berücksichtigt? Wie können Informations- und Kommunikationstechnologien für raumordnerische Zielstellung sinnvoll eingesetzt werden, und wo gibt es einen speziellen Ausgleichsbedarf, z. B. für strukturschwache Räume?

4. Auswirkungen der Einführung und Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen

Über welche Daten verfügt die Landesregierung hinsichtlich der derzeitigen Beschäftigungsstruktur des Medien-, Informations- und Kommunikationssektors, insbesondere nach Geschlecht, Alter, Qualifikation und Art der Beschäftigungsverhältnisse? Mit welchen zukünftigen Tendenzen rechnet die Landesregierung insbesondere?

Kann die Landesregierung Aussagen darüber machen, mit welchen mittel- und langfristigen Beschäftigungseffekten durch die Entwicklung des Medien-, Informations- und Kommunikationssektors in Thüringen zu rechnen ist?

In welchem Ausmaß werden nach Schätzung der Landesregierung Informations- und Kommunikationstechnologien zu mehr Teilzeit- und Telearbeitsplätzen führen? Welche Chancen und Risiken birgt die Einführung von Telearbeitsplätzen nach Ansicht der Landesregierung in sich? Sind weitere Arbeitsformen und Arbeitszeitorganisationen absehbar und welche?

Sind von Seiten der Landesregierung Untersuchungen zu tarif-, arbeits-, mitbestimmungsrechtlichen und betriebsorganisatorischen Fragen geplant, und wo werden diese angesiedelt sein?

Welche neuen Berufe sind durch die angebotenen Informations- und Kommunikationsleistungen bereits entstanden, und welche neuen Berufsfelder sind im Entstehen?

Wie hat sich die Landesregierung im Bereich der beruflichen Ausbildung auf die Nachfrage nach solchen neuen Berufen bereits eingestellt, und welche neuen Ausbildungsangebote sind in Erarbeitung?

Wie wurden diese Ausbildungsangebote bisher nachgefragt (z. B. Screen- oder Web-Designer o. a.)?

Gibt es bereits mit den Gewerkschaften und Kammern getroffene Verfahrensweisen zu Angeboten und Inhalten?

Falls ja, wie lauten diese?

Welche Studiengänge auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationswissenschaften und -techniken werden mit welchen Kapazitäten an thüringischen Universitäten und Fachhochschulen angeboten bzw. geplant, und in welchem Umfang sind diese Studiengänge gegebenenfalls heute schon ausgelastet?

Was unternimmt die Landesregierung, mit hoher Medienkompetenz und Qualifikation zur Handhabung der Informations- und Kommunikationstechnologien im Land zu halten? Wie werden in diesem Zusammenhang unternehmerische Ausgründungen aus dem Hochschulbereich, speziell im Bereich der neuen Medien, von der Landesregierung unterstützt?

4.10 Welche Rolle nehmen die neuen Berufsbilder der Informationsgesellschaft derzeit im Bereich der beruflichen Fortbildung ein? Besteht ein differenziertes Angebot an Maßnahmen?

4.11 Welche Anstrengungen werden in der Arbeitsmarktpolitik unternommen, um Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Beschäftigte durch berufliche Qualifizierungen auf den vermehrten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechniken in den Betrieben vorzubereiten? Gibt es bereits berufliche Qualifizierungsangebote in Berufsfelder der Informations- und Kommunikationswirtschaft? Wenn ja, werden diese in Thüringen angeboten?

Das Thüringer Ministerium für Wirtschaft und Infrastruktur hat die Große Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 4. September 1998 wie folgt beantwortet:

1. Grundstruktur der Informations- und Kommunikationsgesellschaft

Zu 1.1: Moderne Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) prägt weltweit die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Keine andere Zukunftstechnologie wird in absehbarer Zeit ähnlich große und wachstumsstarke Märkte oder auch nur annähernd vergleichbare Wechselwirkungen hervorbringen und dabei die Gesellschaft so drastisch verändern.

IKT durchdringt immer mehr Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, so dass Auswirkungen durch deren Anwendung in fast allen Branchen zu verzeichnen sind. Zudem verändern sich bestehende Wettbewerbsstrukturen durch Globalisierung, Liberalisierung und Deregulierung.

Im Medien- und Kommunikationsbereich, der durch die Umwandlung von der analogen zur digitalen Technik geprägt ist, wird sich das Verhältnis von Rezipient und Veranstalter bzw. Datenübermittler immer stärker zu einem aktiven, den Informationsprozess selbst gestaltenden Miteinander verändern. Durch die zunehmende Verwendung derselben Technologien in den verschiedenen Branchen, d.h. der zunehmenden Konvergenz der Medien, ist ein Zusammenwachsen von Medien-, Telekommunikations- und Informationstechnologien zu erwarten.

Im Übergang zur Informationsgesellschaft verändert sich die Arbeitswelt grundlegend. Zunächst geht der Wandel zur Informationsgesellschaft mit einer Verschärfung der Arbeitsmarktprobleme einher. Mittelfristig gesehen gewinnen arbeitsplatzschaffende Innovationen stärker an Bedeutung und bieten die Chance, positive Beschäftigungseffekte zu erzielen. Dem Dienstleistungssektor und der Medienbranche kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Im Bildungssektor ist es erforderlich, auf die neuen Qualifikationsansprüche der Unternehmen zu reagieren.

Entscheidende Veränderungen ergeben sich vor allem in den Produktionssystemen. Die Unternehmen werden zunehmend von einem Dezentralisierungstrend geprägt. Statt der hierarchisch und linear strukturierten Systeme vollzieht sich zunehmend ein Wandel zu interaktiven Organisationen. Die organisatorische Fähigkeit der Unternehmen wird zu einem entscheidenden Bestandteil Kommunikation von Informationen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle.

Die Nutzung der IKT ermöglicht und fordert zugleich Veränderungen der Arbeitsorganisation. Telearbeit und Telekooperation in Verbindung mit einer leistungsfähigen Infrastruktur bieten die Chance, neue Organisationsmodelle, wie die Bildung geographisch nicht vereinter Projektgruppen, zu entwickeln. Kooperationen, Fusionen und Übernahmen werden sehr viel leichter als bisher praktizierbar.

Wesentliche Veränderungen werden sich künftig beim Konsumverhalten und den Konsumgewohnheiten ergeben. Für die Verbraucher eröffnet sich die Möglichkeit, künftig mit einem bedeutend geringeren Mobilitätsaufwand über Erzeugnisse und Dienstleistungen zu verfügen, die dabei sowohl die Vorteile der Massenproduktion bieten als auch spezifischen und individuellen Ansprüchen genügen. Ein neues und wesentlich reichhaltigeres Spektrum an neuen Informationsdiensten, Zugriffen auf Datenbanken, audiovisuellen, kulturellen und Freizeitdiensten steht jedermann zur Verfügung.

Zu 1.2: Information und Kommunikation stellt einen wichtigen Wachstumsbereich dar und spielt eine Schlüsselrolle für die zukünftige Entwicklung der Wirtschaft Thüringens. Informations- und Kommunikationsprozesse ersetzen z.T. physische Prozesse, Informationstätigkeiten nehmen gegenüber körperlichen Arbeiten zu, so dass Wirtschaftsunternehmen vor allem mit Wissen und Informationsdienstleistungen bestehen müssen.

Die zunehmende Bedeutung der Verfügbarkeit von Informationen jederzeit und an jedem Ort macht Wissen damit zu einem wichtigen Produktionsfaktor, der die Globalisierung und den internationalen Wettbewerb beschleunigt.

Ausgehend von der zu erwartenden technischen Entwicklung und weiteren Durchdringung des gesellschaftlichen Lebens mit Anwendungen von IKT geht die Landesregierung davon aus, dass die Bedeutung dieses Produktionsfaktors weiter zunehmen wird.

Als Produktionsfaktoren werden im herkömmlichen Sinne alle eingesetzten Mittel bezeichnet, die bei der Herstellung eines konkreten Produkts (und damit auch einer Leistung) benötigt werden. Zu den Produktionsfaktoren werden aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Betriebsmittel, die Werkstoffe und die Arbeit gerechnet. Zeit und Raum, deren Bedeutung mit zunehmender Anwendung von Information und Kommunikation immer mehr wächst, sind bei den genannten Produktionsfaktoren bisher eher implizierter Bestandteil. Information und Kommunikation, verschiedentlich schon als Werkzeuge der Zukunft bezeichnet, sind damit am ehesten den Betriebsmitteln zuzurechnen, stehen aber auch in engem unmittelbarem Bezug zum Faktor Arbeit und können selbst auch als Werkstoff betrachtet werden. Das hängt auch damit zusammen, dass die mit Information und Kommunikation verbundenen Produkte sowohl den Charakter von Hardware als auch Software tragen können.

Die Landesregierung Thüringens, die in ihrer Wirtschaftspolitik vor allem auf neuer Technologien und damit auf die Verbreiterung der industriellen Basis und gleichzeitig auf die Entwicklung der modernen Dienstleistungen setzt, schafft gerade für alle mit der Information und Kommunikation verbundenen Bereiche der Wirtschaft ein investorenfreundliches Klima. Die Landesregierung ist sich bewusst, dass Information und Kommunikation künftig eine immer entscheidendere Rolle nicht nur in der Wirtschaft, sondern im gesamten gesellschaftlichen Leben spielen werden. Das insbesondere deshalb, weil ihr Einsatz und ihre Nutzung als Produktivitätsfaktor wesentlich dazu beiträgt, dem ökonomischen Prinzip entsprechend ein Maximum an Nutzen zu erzielen.

Dementsprechend wird Thüringen auch weiterhin seine Kapazitäten im verarbeitenden Gewerbe zur Herstellung entsprechender Hardwarekomponenten sowie sein Potential im Dienstleistungsbereich (sowohl zur Produktion der notwendigen Software als auch zur umfassenden gemeinsamen Nutzung der Hard- und Software in entsprechenden Anwendungsbereichen) entwickeln.

Da die Informations- und Kommunikationswirtschaft weltweit als Zukunftsbranche mit den höchsten Wachstums- und Marktpotentialen gilt, lässt sich ableiten, dass auch in Thüringen deren Beitrag zur Bruttowertschöpfung und Beschäftigung künftig absolut und relativ beträchtlich steigen wird.

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die strukturellen Schwerpunkte bei dem Auf- und Ausbau der Informationswirtschaft in Thüringen insbesondere in folgenden zukunftsorientierten Anwendungsbereichen liegen:

· mikroelektronische Bauelemente und Elektronikbaugruppen,

· Computer, Komponenten und PC-Systeme,

· Rundfunk-, Fernseh- und Nachrichtentechnik,

· Software,

· kommunikationstechnische Lösungen und

· branchenspezifische bzw. technische Dienstleistungen.

Nach 1989 hat sich in Thüringen nach der Umstrukturierung und Modernisierung der informationstechnischen Branche neben einigen Großunternehmen eine erhebliche Anzahl kleiner und mittlerer Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen etabliert. Im Bereich Rundfunk-, Fernseh- und Telekommunikationstechnik sind derzeit nahezu 30 Unternehmen mit mehr als 3 000 Beschäftigten tätig. Die Software-Branche entwickelte sich nach 1990 in Thüringen besonders schnell. Das Potential umfasst heute schon rund 200 Unternehmen, deren Mehrzahl Kleinunternehmen sind.

Für die weitere Entwicklung der Informationswirtschaft erlangen die Universitäten und Fachhochschulen mit ihrer verstärkten Ausrichtung auf Informations- und Kommunikationstechnologien eine zunehmende Bedeutung.

Zur weiteren Profilierung Thüringens als Wirtschafts- und Technologiestandort werden seitens des Landes wichtige wirtschaftsnahe Forschungseinrichtungen für die Anbieter und Unternehmen im Bereich der IKT ebenso unterstützt wie auch die Entwicklung solcher zukunftsträchtiger Technologiefelder wie z. B. Nachrichtentechnik und IKT-Systeme, Software und Simulation, Verkehrssystemtechnik sowie Sensorik. Dazu dienen gezielte Maßnahmen wie Technologieinitiativen des Thüringer Ministeriums für Wirtschaft und Infrastruktur (TMWI) und des Thüringer Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (TMWFK), die von zahlreichen Förderprogrammen ergänzt werden. Für die künftige Entwicklung bietet die bereits bestehende hochmoderne Telekommunikationsinfrastruktur (zu 100 Prozent digitalisiert) beste Voraussetzungen.

Zu 1.3:

Die aktuelle Entwicklung wird durch drei Innovationstendenzen beschrieben: Digitalisierung, Miniaturisierung und Integration. Dabei ermöglicht die Konvergenz von Telekommunikation, IKT und Medien, auch als Multimedia bezeichnet, zahlreiche neue Anwendungen.

Analoge Übertragungsformen werden zunehmend auf digitale umgestellt, was die weitere Bearbeitung durch Mikroelektronik unterstützt. Die Mikroelektronik ist durch steigende Miniaturisierung und Leistungssteigerung gekennzeichnet.

In Entwicklungsprojekten arbeitet man an Prozessoren mit Taktfrequenzen von zehn Gigaherz, Glasfasernetzen von über zehn Gigabit Durchsatz, Speichermedien mit einer Kapazität von einen Terabyte pro Kubikzentimeter und organischen Speichern, die 0,17 Terabyte auf Scheckkartenformat speichern können.