Wohlfahrt

22.3 Frühförderung

Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass sich im Freistaat Thüringen die ambulante und mobile Frühförderung in den einzelnen Landkreisen und kreisfreien Städten zu einem verläßlichen Hilfe-System für alle an der Frühförderung beteiligten Personen, insbesondere für die Betroffenen sowie deren Familien, eingebürgert hat. Hierbei werden auch die in der Landesplanung berücksichtigten Grundsätze der Subsidiarität und Trägerpluralität deutlich. Die Dienste der ambulanten oder mobilen und überregionalen Frühförderung werden ausschließlich von freien Trägern angeboten. Durch die Regionalisierung der Frühförderung konnte ein flächendeckendes Netz an interdisziplinären Strukturen im Rahmen der Frühförderung aufgebaut werden. Damit ist es gelungen, allen Erfordernissen und Wünschen in diesem Bereich gerecht zu werden.

Die komplexe Aufgabe Frühförderung erfordert die Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem medizinischen, (heil-)pädagogischen, psychologischen und sozialen Bereich, mit entsprechend hoher fachlicher Kompetenz in der Arbeit mit behinderten bzw. entwicklungsverzögerten Kindern und ihren Familien. Die differenzierte Diagnostik, Therapie und pädagogische Förderung in der praktischen Frühförderarbeit sind nicht voneinander zu trennen, bedingen sich gegenseitig und sind aufeinander bezogen. Die Arbeit im Team muss als Dreh- und Angelpunkt der fachlichen Orientierung innerhalb der Frühförderstellen gesehen werden. Dem Anspruch einer hohen Fachlichkeit Rechnung tragend, wurde gemeinsam mit den Krankenkassenvereinigungen, den kommunalen Spitzenverbänden sowie der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege im Interesse des Landes die Vereinbarung über die Vergütung der Behandlung behinderter, von Behinderung bedrohter und entwicklungsverzögerter Kinder bei Maßnahmen der Frühförderung konkretisiert und ergänzt. Diese Ergänzungen bezogen sich auf die räumlichen, sächlichen sowie personellen Anforderungen im logopädischen, physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Bereich.

Derzeit sind im Freistaat Thüringen 30 ambulant und/oder mobil arbeitende Frühförderstellen tätig. Im Jahre 1994 waren es noch 21. Zwei weitere überregionale Frühförderstellen betreuen Kinder mit einer Sehschädigung oder Blindheit. Der Freistaat Thüringen unterstützte mit umfangreichen Mitteln die Betreuung und Förderung von Kindern mit einer Behinderung bzw. Entwicklungsverzögerung in der Frühförderung und trug damit zum Aufbau eines flächendeckenden Netzes an Frühförderstellen bei. Seit dem 1. Januar 1997 erfolgt die Zuwendung des Landes entsprechend der bestehenden Vereinbarung mit den örtlich zuständigen Sozialhilfeträgern über ein leistungsgerechtes Entgelt. Das Land fördert danach 50 % der tatsächlichen Vergütung eines hauptamtlichen Leiters und 50 % der tatsächlichen Vergütung einer Verwaltungskraft innerhalb der durch den örtlichen Sozialhilfeträger anerkannten Frühförderstelle. Weiterhin beteiligt sich das Land an der Fortbildung und Weiterbildung nichtmedizinisch/therapeutischer Fachkräfte. Die Aufwendungen des Landes beliefen sich im Jahr 1996 auf 1.132.000,- DM. Mit der Inkraftsetzung der neuen Förderrichtlinien gewährte das Land 873.733,80 DM in 1997 für nichtinvestive soziale Maßnahmen in der Frühförderung. 1998 stehen 1.100.000,- DM zur Verfügung.

Die Tätigkeits- und Aufgabenfelder der Sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) als medizinisch geleitete, interdisziplinär und ambulant arbeitende Einrichtung reichen von der Prävention und Diagnostik bis zur Behandlung und sozialen Eingliederung von Kindern mit Entwicklungsstörungen sowie drohenden und manifestierten Behinderungen aller Art. Sie stehen als wichtige Anlaufstelle in enger Kooperation mit der Frühförderstellen des Freistaats Thüringen. Die Erhaltung und Förderung der Sozialpädiatrischen Zentren ist ein wichtiges politisch erklärtes Ziel der Landesregierung. Für deren Förderung stellte das Land in den Haushaltsjahren 1996 bis 1998 folgende Mittel zur Verfügung: