Verantwortung für die Jahr-2000-Fähigkeit

Wie bei anderen technischen Systemen liegt die Verantwortung für die Jahr-2000-Fähigkeit der IT in erster Linie bei den Anwendern.

Während der Jahr-2000-Problematik im Bereich der Daten verarbeitenden IT durch zahlreiche Publikationen bereits Erfolge hinsichtlich des Bewusstseinsgrads zeigt, bestehen im Bereich des Einsatzes von embedded systems (wie Prozessrechnersysteme, Telefonanlagen, Zutritts- und Zeiterfassungssysteme, medizinische Geräte) noch erhebliche Wahrnehmungsdefizite.

Spezielle Förderprogramme für die Unternehmen sind aufgrund der Absehbarkeit des Problems abzulehnen und würden zum jetzigen Zeitpunkt darüber hinaus zu Ungerechtigkeiten gegenüber jenen Unternehmen führen, die sich bereits frühzeitig um eine Lösung des Problems durch Anpassungsmaßnahmen oder Neuanschaffung bemüht haben.

Die Landesregierung wird in Zusammenarbeit und unter Mitwirkung der Wirtschaftsverbände sowie der IHK auch weiterhin durch geeignete Informations- und Koordinierungsmaßnahmen insbesondere zum Erkennen und Lösen der absehbaren Probleme beitragen.

Zu 3.: Eine hohe J2K-Gefährdung in der öffentlichen Verwaltung Thüringens besteht im Daten verarbeitenden IT-Bereich dort, wo Datums- und Zeitberechnungen unmittelbaren Einfluss auf Vorgänge und Abläufe im fiskalischen Bereich haben. Hier ist aber davon auszugehen, dass seitens des TFM eine umfassende Analyse erfolgte.

Im technischen Bereich können elektronische Regelungs- und Steuerungssysteme (embedded systems) vom J2K-Problem betroffen sein. Dazu hat das TFM frühzeitig an alle Dienststellen einen ausführlichen Leitfaden zur Einleitung konkreter präventiver Maßnahmen herausgegeben (siehe auch Antwort zu Frage 2).

Im System- und Netzbereich der IT könnte es zum Stopp und dann zum nicht mehr möglichen Start der Systeme kommen. Die lokalen Netze der Behörden sind, sieht man sich den IT-Gesamtplan der Landesverwaltung an, relativ modern; die Prozessoren verarbeiten in der Regel die gesamte Datumsbreite. Letztendlichen Aufschluss kann aber nur die exakte Analyse geben.

Zu 4. und 5.: Ein Kostenproblem J2K steht natürlich in der Landesverwaltung an, wurde jedoch hinsichtlich von Soll und Ist noch nicht dezidiert analysiert. Die Häuser wurden aber rechtzeitig darauf hingewiesen, soweit nicht schon im Haushalt 1998 berücksichtigt, spätestens bei der Planung für 1999 die erforderlichen Mittel maßnahmenbezogen einzustellen und im IT-Plan auszuweisen.

Die Behörden, die sich eine fundierte J2K-Analyse nicht zutrauen oder nicht die Kapazität dafür haben, sollten die kostenpflichtigen Outsourcing-Dienste von Softwareunternehmen in Anspruch nehmen.

Das TIM greift aber die Fragen als Anregung auf, diese Kosten aus den Ressorts abzufragen und im nächsten Bericht an das Kabinett darzustellen.

Anstehende System-Upgrades (höherer Technologie-Level) sind nicht immer nur dem J2K-Problem zuzuordnen. Um z. B. die mit den gewachsenen Kommunikationsanforderungen erforderliche stärkere Vernetzung der Computer-Arbeitsplätze zu realisieren, sind moderne Hard- und Softwareprodukte erforderlich, bei denen J2K ohnehin kein Problem sein wird. J2K kann aber auch als Chance genutzt werden, schneller und in breiterem Rahmen zu modernisieren und das bisher in der Landesverwaltung noch wenig genutzte Leasing, speziell im PC-Bereich, zu nutzen.

Zu 6.: Zwischen den Staatskanzleien und den Länderministerien bestehen im und mit dem Bund (Ministerkonferenzen, Facharbeitsgruppen) Erfahrungsaustausche zum J2K-Problem.

Eine sehr wichtige Rolle kommt hierbei dem Kooperationsausschuss ADV - Bund, Länder, Kommunaler Bereich zu, in dem die IT-Leiter der Innenressorts und der kommunalen Spitzenverbände bundesweit zusammenarbeiten. Die aus diesem Gremium kommenden Informationen, Empfehlungen, Hinweise u.ä. zur J2K-Problematik werden laufend über den IMA-IT verbreitet und sind sehr hilfreich.

Ein Koordinierungsbedarf innerhalb Thüringens mit dem kommunalen Bereich wird nicht gesehen, da der Thüringische Landkreistag und der Städte- und Gemeindebund Thüringen ähnliche Empfehlungen und Hinweise an ihre Mitglieder gegeben haben wie der IMA-IT an die Landesverwaltung.

Zur europaweiten Koordinierung des J2K-Problems hat die EU-Kommission im Februar 1998 eine Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen mit dem Titel. Das Jahr-2000-Computer-Problem veröffentlicht.

Zielstellung der darin benannten europaweiten Koordinierung ist vor allem die Bewusstseinsbildung hinsichtlich möglicher Fehler in informationstechnischen Systemen beim Jahrtausendwechsel und Anregung eines EU-weiten Erfahrungsaustauschs.

Gestützt auf das Ergebnis einer europaweiten Befragung des öffentlichen und privaten Sektors hat die Kommission in der genannten Mitteilung folgende Aktionen aufgeführt:

- Förderung und Erleichterung des grenzüberschreitenden Austauschs von Informationen und Erfahrungen mit fortlaufenden und neuen Jahr-2000-Initiativen der Mitgliedstaaten und der europäischen Verbände mit dem Ziel, festzustellen, wie Synergien geschaffen werden können, damit Doppelarbeiten vermieden und die Gesamtwirksamkeit erhöht wird;

- Herstellung von Kontakten zu den europäischen und internationalen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden der Infrastruktursektoren mit grenzüberschreitender Dimension (Finanzen, Telekommunikation, Energie, Verkehr), um Informationen über die jeweiligen Aktionen auszutauschen und um zu ermitteln, wo kooperiert werden muss; ein Bereich, dem die besondere Aufmerksamkeit gilt, ist die Planung und Durchführung koordinierter grenzübergreifender Tests in den Sektoren, in denen Organisationen aus verschiedenen Mitgliedstaaten zusammenwirken; die Kommission wird Gespräche zwischen relevanten Organisationen und Mitgliedstaaten in die Wege leiten;

- Förderung der Diskussion über die Fortschritte der EU bei der Bewältigung des Jahr-2000-Problems sowie sämtlicher damit zusammenhängender Fragen auf den Ratssitzungen der zuständigen Fachminister, Förderung des Dialogs mit Drittländern, insbesondere mit all den Ländern, die sich um eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union bemühen;

- Diskussion des Jahr-2000-Problems und seiner Auswirkungen über alle relevanten Kontaktstellen in der Industrie und den Mitgliedstaaten, die den Dienststellen der Kommission zur Verfügung stehen; besondere Aufmerksamkeit wird den Auswirkungen auf den Infrastruktursektor und dem Stand der Vorbereitungen in diesem Bereich gelten, den Folgen für die Verbraucher und die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) und möglichen Auswirkungen auf das Funktionieren des Binnenmarkts einschließlich der Wirtschafts- und Währungsunion;

- Pflege eines Web-Site über das Jahr-2000-Problem und die informationstechnischen Auswirkungen der Euro-Einführung (http://www.ispo.cec.be/y2keuro): Der Web-Site bietet Zugang zu Informationen über die Aktionen verschiedener Branchen und Mitgliedstaaten, er verweist auf Informationsquellen zu spezifischen Aspekten des Problems und enthält Links zu anderen Web-Sites sowie zu allen Dokumenten und Berichten, die die Dienststellen der Kommission zu diesem Thema erarbeitet haben;

- Einrichtung eines effektiven Mechanismus für die Koordinierung und Verfolgung dieser extern und einer Jahr-2000-Kontaktstelle für interessierte Parteien.

Die EU-Kommission wird die beschriebenen Aktionen regelmäßig prüfen und periodisch Fortschrittsberichte über diese Maßnahmen und über die Bemühungen in den Mitgliedstaaten vorlegen. Sie prüft, ob weitere Beiträge gemacht werden können, das Problem anzusprechen und bewusst zu machen, und zwar im Rahmen relevanter Politikfelder wie derjenigen für die Industrie, KMU, Verbraucher und Ausbildung.

Zu 7.: Notfallmaßnahmen und -pläne, die die Behebung möglicher Havarien nach dem Jahr-2000-Wechsel regeln, sind dem Verfasser nicht bekannt. Ihre Sinnhaftigkeit ist sicherlich auch nicht problemrelevant. In keiner der bekannten aktuellen J2K-Methodiken wird auf ihr eventuelles Erfordernis hingewiesen.

Die J2K-Prävention hat das alleinige Ziel, Havarien im Vorhinein auszuschließen.

Keine Behörde und kein Unternehmen kommt deshalb an einer fundierten J2K-Analyse mit anschließendem konkreten Maßnahmeplan vorbei. Die erforderlichen Maßnahmen müssen zwingend vor dem 31. Dezember 1999 abgeschlossen sein.

Seitens der für IT zuständigen Stellen in der Landesverwaltung ist alles Machbare unternommen worden, die Dienststellen dahin gehend hochgradig zu sensibilsieren. Ausreichende Anregungen und Hilfestellungen wurden gegeben.

In Vertretung Lehnert Staatssekretär