Wohlfahrt

Die Landesregierung teilt die Auffassung der Kommission. Damit die Kinder- und Jugendverbände diese Aufgabe erfüllen können, fördert das Land die 32 im Landesjugendring organisierten Jugendverbände kontinuierlich, die ihrerseits wiederum 108 landesweit tätige korporative Mitglieder haben. Auf der Grundlage der Richtlinien für die Förderung der Jugendverbände und des Landesjugendringes Thüringen e. V. vom 01.07.1993 steigerte sich die Förderung des Landes von 1994 1.350.000 DM auf 1998 2.020.000 DM.

Für 1999 beträgt der Haushaltsansatz wiederum 2.020.000 DM.

Darüber hinaus erhalten die Jugendverbände auf Landesebene Personalförderung für Jugendbildungsreferenten, für so genannte innerverbandliche Stammkräfte sowie im Einzelfall Mittel für internationale Jugendarbeit, für außerschulische und kulturelle Jugendbildung sowie für jugendpolitische Höhepunkte. Diese zusätzliche Förderung betrug 1996 876.613 DM 1997 1.012.262 DM 1998 1.334.062 DM.

Ein wichtiges Ergebnis des Landesjugendförderplans ist, dass die Förderung der Jugendverbände ab 1999 durch eine neue Richtlinie Landesjugendförderplan erfolgen wird. Den Kinder- und Jugendverbänden wird es dadurch ermöglicht, innerhalb der jeweiligen Verbandsförderung flexibler mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umzugehen. Als zusätzliche zweckgebundene Mittel stehen den Jugendverbänden 1999 erstmals 100.000 DM für Maßnahmen der Kinder- und Jugenderholung und weitere 150.000 DM für Maßnahmen der internationalen Jugendarbeit zur eigenen Verwaltung zur Verfügung. Damit wird dem gesetzlichen Auftrag entsprochen, die eigenverantwortliche Tätigkeit der Verbände zu stärken.

Mit der 1997 eingeführten Jugendpauschale (Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen an örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe zur Stabilisierung und Schaffung von Dauerarbeitsplätzen im Bereich der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und der ambulanten erzieherischen Hilfen im Freistaat Thüringen - Jugendpauschale vom 09.06.1997) hat die Landesregierung auch auf der Ebene der örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe mit dafür Sorge getragen, dass die Maßnahmen zur Unterstützung der Kinder- und Jugendverbände bedarfsgerecht berücksichtigt werden können. Der Einsatz dieser Mittel erfolgt auf der Grundlage der örtlichen Jugendhilfeplanung, insbesondere des Jugendförderplans, der vom Jugendhilfeausschuss (und in der Regel auch vom Kreistag bzw. Stadtrat) verabschiedet worden ist. Die von der Landesregierung veranlasste Evaluation der Auswirkungen der Jugendpauschale untersucht bis Ende 1999

· die Stabilisierung und den bedarfsgerechten Ausbau der Angebote einschließlich der Angebote für Kinder;

· die Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung (z. B. in welchem Maße wird der Handlungsspielraum für die örtlichen Träger der Jugendhilfe erweitert und wie nutzen sie ihn?

Hat sich die Qualität der Jugendförderpläne durch die Jugendpauschale erhöht?);

· die Förderung der Träger der freien Jugendhilfe, deren Bedeutung bei der Entwicklung einer regionalen Angebotstruktur und insbesondere den Stellenwert der Kinder- und Jugendverbände (z. B. wie sind die freien Träger in die Umsetzung der Jugendpauschale einbezogen worden? Wie ausgewogen ist das Verhältnis von Kinder- und Jugendverbänden, Wohlfahrtsverbänden und kleinen lokalen Trägern?);

· die Überführung von ABM- und AFG-Stellen in Dauerarbeitsplätze.

Die Kommission empfiehlt: Außerdem sollen Einrichtungen für Kinder (...), die Einrichtungen und Maßnahmen der Kinderkulturarbeit und der Jugendverbandsarbeit daraufhin überprüft werden, inwieweit sie Kinder an den Entscheidungen beteiligen, und zwar nicht nur im Rahmen öffentlichkeitswirksamer Projekte, sondern in der Planung wie auch im alltäglichen Miteinander in Gruppen und Einrichtungen. (Seite 231, rechte Spalte, 1. Absatz)

Die Landesregierung stellt fest, dass Nachholbedarf an geeigneten Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche nicht nur innerhalb der öffentlichen Verwaltungen sondern auch bei Kinder- und Jugendverbänden besteht. Sie ist gewillt, zusammen mit den Verbänden geeignete Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche gemeinsam und partnerschaftlich zu entwickeln. Sie will mit den Verbänden diesbezügliche Ziele vereinbaren und an deren Umsetzung mitarbeiten. Deshalb wird sie ab 1999 im Rahmen der Jugendverbandsförderung Fördervereinbarungen abschließen. Auf der Grundlage gemeinsam vereinbarter Zielsetzungen für bestimmte Leistungsbereiche der Verbandsarbeit (z. B. außerschulische Jugendbildung) sollen deren Umsetzung und Evaluation gesichert werden. Die Gewährleistung innerverbandlicher Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Willensbildung wird Bestandteil der anstehenden Vereinbarungen zwischen den auf Landesebene tätigen Kinder- und Jugendverbänden und dem Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit sein.

Die Kinder- und Jugendarbeit soll von den jungen Menschen mitbestimmt und mitgestaltet werden (§ 11 Abs. 1 Satz 2 SGB VIII). Die Landesregierung hat diesem gesetzlichen Auftrag insbesondere durch die Regelungen des § 16 Abs. 2 und dem dort geforderten Jugendförderplan auf örtlicher Ebene sowie durch § 18 Abs. 1 und dem dort vorgeschriebenen Landesjugendförderplan entsprochen.

Nach Ansicht der Landesregierung bestehen insbesondere innerhalb der Jugendhilfeplanung und damit der Jugendförderplanung vielfältige und häufig nicht erschlossene Möglichkeiten zur unmittelbaren Beteiligung junger Menschen. Die Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen müssen weiter entwickelt werden, weshalb die Landesregierung beabsichtigt, auch etwaige Modellvorhaben von Kinder- und Jugendverbänden auf örtlicher Ebene zu unterstützen.

Zusätzlich bietet das Landesjugendamt den öffentlichen und freien Träger der Jugendhilfe nicht nur Beratung bei der Entwicklung der Jugendförderplanung an, sondern auch bei der Erarbeitung von Partizipationsmodellen.

Darüber hinaus ist auf § 14 Abs. 3 hinzuweisen. Jedes Kind und jeder Jugendliche hat das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an den Jugendhilfeausschuss bzw. Landesjugendhilfeausschuss sowie an die Verwaltung der Jugendämter zu wenden. Da Angebote der Jugendarbeit der Entwicklung junger Menschen dienen sollen, gewährt diese Vorschrift jedem Kind und jedem Jugendlichen eine Art Petitionsrecht und eröffnet ihnen so weitere Chancen, auf die Gestaltung der Jugendarbeit Einfluss zu nehmen.

Die Kommission empfiehlt: Kinder- und Jugendverbände, offene Kinderarbeit und die Kinderkulturarbeit bieten Kindern interessante Freizeitbeschäftigungen, fördern aber zugleich auch Bildungsprozesse jenseits der Schulcurricula, ... Leider sind kinderspezifische Angebote noch nicht genügend ausgebaut, wenn sich auch einige Jugendverbände und Einrichtungen der offenen Arbeit gezielt an diese Gruppe wenden. Das Angebot erreicht die Kinder nicht in gleichem Maße, denn es gibt erheblich unterversorgte Zielgruppen (...) und Regionen (neue Bundesländer, soziale Brennpunkte in Städten, ländliche Regionen). Eine sozialräumliche Orientierung ist von Nöten. (10. KJB, S. 295, linke Spalte, 3. Absatz)

Dieser Feststellung und der daraus resultierenden Empfehlung einer sozialräumlichen Orientierung kann die Landesregierung nur insoweit zustimmen, als den kinderspezifischen Angeboten in den Kinder- und Jugendverbänden sowie in der offenen Kinderarbeit und Kinderkulturarbeit bisher nicht der gebührende Stellenwert eingeräumt worden ist. In diesem Zusammenhang wird der 10. Kinder- und Jugendbericht als zukünftiger Handlungsauftrag betrachtet, um im Rahmen der landespolitischen Möglichkeiten eine weitere fachliche Ausgleichsfunktion ergänzend zu den bisherigen Schwerpunkten wahrzunehmen.

Die von der Kommission geforderte sozialräumliche Orientierung in diesem Arbeitsfeld der Jugendhilfe wird sowohl durch das als auch durch die Förderpolitik des Landes, insbesondere durch die seit 1997 eingeführte Jugendpauschale betont.

Die Förderhöhe der Jugendpauschale errechnet sich u. a. aus der Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Volljährigen im Alter zwischen 10 und 27 Jahren in allen Landkreisen und kreisfreien Städten. Eine weitere Fördervoraussetzung ist die Erarbeitung des in § 16 ausdrücklich geforderten Jugendförderplans. Darüber hinaus berücksichtigt die Richtlinie Leistungen der kreisangehörigen Gemeinden und Städte. Die Landesregierung betont immer wieder, dass die finanzielle Einbeziehung der Kommunen als dem unmittelbaren Lebensumfeld junger Menschen ausdrücklich gewünscht und fachlich sinnvoll ist. Beide Elemente - Jugendförderplanung und finanzielle Einbeziehung der Kommunen - stellen eine wesentliche Voraussetzung dar, um die notwendigen Angebote bedarfsgerecht am jeweiligen Sozialraum zu orientieren. Die Landesregierung vertritt die Auffassung, dass Kinder- und Jugendarbeit unmittelbar dort gestaltet werden muss, wo junge Menschen leben.

Als eine Folge des 10. Kinder- und Jugendberichts veranlasste die Landesregierung inzwischen, dass die derzeit stattfindende Evaluation der Auswirkungen der Jugendpauschale ausdrücklich die Untersuchung der Angebotsstruktur für Kinder einbezieht.

Zur Entwicklung und Erprobung neuer Arbeitsformen der Kinder- und Jugendarbeit in ländlichen Räumen beteiligt sich die Landesregierung mit drei Projekten und einer Förderung in Höhe von knapp 260.000 DM an dem Modellvorhaben Jugendarbeit im ostdeutschen ländlichen Raum des Kinder- und Jugendplans des Bundes, das vom Herbst 1998 bis zum Sommer 2001 laufen wird. Ausgangspunkt ist die Unterversorgung mit Angeboten und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe insbesondere für die schulfreie Zeit an den Wochenenden und in den Ferien. Die Träger dieser drei ausgewählten Projekte sind: Bund der Deutschen Katholischen Jugend Thüringen e. V. (BDKJ), Evangelische Jugend in Thüringen (EJTh) und Trägerverbund Naturfreundejugend Gotha e. V. mit dem Kreisjugendring Gotha e. V. Diese noch in der Entwicklungsphase befindlichen Modellprojekte bieten die Möglichkeit, ein neu zu entwikkelndes Angebotsspektrum unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen zu gestalten.

Zur Entwicklung fachlicher Standards für die offene Kinder- und Jugendarbeit wurde innerhalb des Landesjugendamtes eine Arbeitsgruppe gebildet. Ein erster Entwurf Ansprüche an die offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt vor und wird im Unterausschuss 4 des Landesjugendhilfeausschusses diskutiert. Wesentliche Grundsätze der offenen und präventiven Kinder- und Jugendarbeit müssen sein: bedürfnisnah, lebenslagenorientiert, mitbestimmt und mitgestaltet, freiwillig, nicht standardisiert und vielfältig in den Leistungen und Angeboten sein sowie einen ganzheitlichen und gleichberechtigten Ansatz haben. Zusätzlich sind folgende spezifische Merkmale zu nennen: flexibel, cliquenakzeptierend, aufsuchend, gemeinwesenorientiert, niederschwellig und vernetzt. Darauf aufbauend werden Aussagen zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität gemacht. Die in den Ansprüchen formulierten Standards entsprechen inhaltlich bereits den Empfehlungen der Kommission des 10. Kinder- und Jugendberichts.