Strukturwandel

Ausblick

Wie dargelegt wird in den kommenden Jahren eine staatliche Förderung der beruflichen Ausbildung auch im Land Thüringen weiter notwendig sein. Um dem dualen Ausbildungssystem in seiner Grundfunktion weiterhin gerecht zu werden, wird intensiv über Möglichkeiten und Wege einer stärkeren Wahrnehmung der Verantwortung der Wirtschaft für die Berufsausbildung und damit über eine schrittweise Rückführung des staatlichen Engagements nachgedacht. Insbesondere die flächendeckende Förderung steht auf dem Prüfstand.

Bei allen Überlegungen zur Gestaltung künftiger Förderpolitik steht deshalb neben einer quantitativen Absicherung von Ausbildungsleistungen die Qualität der Ausbildung im Mittelpunkt.

Erste Schritte in diese Richtung sind mit der Neugestaltung der Förderrichtlinien im Jahr 2000 zur beruflichen Aus- und Weiterbildung erfolgt.

Im Rahmen der Abstimmungen der Landesregierung, der Thüringer Wirtschaft, der Gewerkschaften, der Arbeitsverwaltung und der Kommunalen Spitzenverbände zur Thüringer Ausbildungsinitiative Programm 2000 wurden zur Neustrukturierung der Förderprogramme erste Veränderungen vorgenommen.

Priorität hat hierbei in den kommenden Jahren nach wie vor die Unterstützung der Unternehmen zur Erhöhung des betrieblichen Ausbildungsangebotes. Der Anteil betrieblicher Ausbildungsplätze am Gesamtangebot, der zur Zeit bei etwa drei Viertel liegt, muss deutlich erhöht werden. Die Schwerpunkte der künftigen Förderstruktur widerspiegeln die folgenden Thesen:

· Die Gewährung pauschaler Zuschüsse an die Betriebe in Höhe von 2.500 bis 3.500 DM wurde zugunsten qualitativer Maßnahmen auf die Einstellung von Konkurslehrlingen begrenzt.

· Betriebliche Ausbildungsverbünde sowie die Ergänzungslehrgänge im Handwerk werden auf hohem Niveau weiter unterstützt.

· Gefördert werden gezielte praxisorientierte Maßnahmen für schwächere Jugendliche im berufsvorbereitenden Bereich, um eine bessere Integration in Ausbildung und Beschäftigung zu erreichen.

· Die Förderung von Zusatzqualifikationen in der Erstausbildung bildet einen weiteren Schwerpunkt, um damit die Qualität der Ausbildung und die zielgerichtete Qualifikation für spezifische betriebliche Anforderungen zu verbessern.

Angesichts der schon in wenigen Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich zurückgehenden Ausbildungsnachfrage ist die Wirtschaft gefordert, bereits jetzt durch eine verstärkte Ausbildung und eine zielgerichtete Weiterbildung dem Bedarf an dringend benötigten Fachkräften, vor allem in den zukunftsorientierten Bereichen (der IT-Branche, dem Dienstleistungs, aber auch dem Metall- und Elektrobereich) Rechnung zu tragen. Die Förderung der beruflichen Qualifizierung wird verstärkt und künftig deutlicher an wirtschaftspolitischen Belangen ausgerichtet. Es ist vorgesehen, aufbauend auf der Thüringer Qualifizierungsinitiative Top-Fit für Zukunftsberufe Maßnahmen in der dualen Erstausbildung in den sogenannten neuen IT- und Medienberufen, im Bereich der Förderung der Weiterbildung für Arbeitslose und Beschäftigte und bei der Erfassung und Koordination des Qualifizierungs- und Fachkräftebedarfs zu verstärken.

Durch den zusätzlichen Einsatz finanzieller Mittel sollen innovative Maßnahmen zur Entwicklung von Ausbildungskonzepten für IT- und Medienberufe und die Initiierung von Modellprojekten zur Erprobung der Konzepte gefördert werden, die zu kurz-, mittel- und langfristigen Wirkungen zum Abbau der Fachkräftelücke vor allem in den Wachstumsbranchen führen.

C Sektorale Entwicklung

1. Überblick über die sektorale Grundstruktur

Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen

Die Thüringer Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einem tiefgreifenden Strukturwandel, der wie auch in den anderen neuen Ländern tendenziell zu einer Annäherung an die Strukturen in Westdeutschland führen wird.

Wie bereits in den Vorjahren war die wirtschaftliche Entwicklung in Thüringen auch 1999 von einer gespaltenen Konjunktur geprägt. Getragen wurde das Wirtschaftswachstum vom Wachstumstempo im Verarbeitenden Gewerbe, dessen Wertschöpfung preisbereinigt bei über 11,9 Mrd. DM lag. Das entspricht einem Anstieg um 6,3 % zu 1998.

Mit diesem Wert erzielte Thüringen bundesweit neben Mecklenburg-Vorpommern das beste Ergebnis. Im Durchschnitt der neuen Länder erhöhte sich die reale Bruttowertschöpfung dagegen nur um 4,4 %.

Obwohl sich das Thüringer Verarbeitende Gewerbe damit deutlich positiver entwickelt hat als in den anderen neuen Ländern, hat sich das Wachstum im Vergleich zu 1998 (+ 11,8 %) deutlich abgeschwächt.

Mittlerweile trägt das Thüringer Verarbeitende Gewerbe mit 17,0 % zur unbereinigten Bruttowertschöpfung bei. Seit 1991 hat sich sein Anteil in Thüringen kontinuierlich erhöht.

Lediglich in 1992 kam es zu einer geringfügigen Abweichung. Damit liegt Thüringen nach wie vor deutlich über den Werten der anderen neuen Länder. Lediglich in Sachsen leistet das Verarbeitende Gewerbe mit einem Anteil von 15,7 % einen annähernd hohen Beitrag zur Bruttowertschöpfung.

Im bundesdeutschen Durchschnitt beträgt der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung 22,5 %. Unverkennbar ist damit nach wie vor die in Thüringen und den anderen neuen Ländern existierende Industrielücke. Es müssen weiterhin alle Anstrengungen unternommen werden, um die industrielle Basis zu verbreitern.

Entsprechend dem erstmals für die Berechnung verwendeten ESVG 1995 sei hier nur kurz auf die Neuabgrenzung der einzelnen Wirtschaftsbereiche hingewiesen.