Erziehung

C.III.5. Schulentwicklung

­ Empfehlungen ­

10. Die Kommission empfiehlt, die Qualität des Bogens Einschätzung zur Kompetenzentwicklung selbst und seine Wirksamkeit im Hinblick auf seine Beratungs- und Förderungsfunktion in den dritten, vierten und sechsten Schuljahren zu evaluieren.

Im Hinblick auf die große Bedeutung, die nach Erkenntnissen der Bildungsforschung den Übergängen zwischen schulischen Institutionen zukommt, sollte die Kooperation zwischen Schulen (den vorschulischen Bereich eingeschlossen) gestärkt werden. Die Verbesserung der Gestaltung dieser Übergänge gehört zu den zentralen Aufgaben der Schulentwicklung. Die Kommission stimmt deshalb darin überein, dass der neu eingeführte Bogen Einschätzung zur Kompetenzentwicklung zusammen mit seinen Beratungsverpflichtungen gegenüber Schülerinnen bzw. Schülern und Eltern einen guten Ansatzpunkt für die Leistungsdiagnose und -förderung darstellt, insbesondere im Zusammenhang mit den Übergängen von Schülerinnen und Schülern.

11. Das Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität mit dem Schwerpunkt Verständnisintensives Lernen ist zu fördern. Die Entwicklungsgruppen sollen einen doppelten Auftrag übernehmen: Sie sollen einerseits Schulen unterrichtsnah helfen, sich in einem Kernbereich ihres didaktischen Handelns zu lernenden Organisationen zu entwickeln, sie sollen andererseits dazu beitragen, die Staatlichen Schulämter zu Dienstleistern für die Schul- und Qualitätsentwicklung neu zu profilieren.

Die Kommission empfiehlt, das Programm nach fünf Jahren intern und extern zu evaluieren. Insbesondere sollte geprüft werden, ob die theoretischen Konzepte des Verständnisintensiven Lernens so weit konkretisiert worden sind, dass sie den Unterricht erreichen.

Das Entwicklungsprogramm für Unterricht und Lernqualität verspricht, Schulen ­ vor jeder internen und externen Evaluation ­ konstruktive didaktische und pädagogische Hilfen zu ihrer eigenen Entwicklung zur Verfügung zu stellen und erfüllt damit eine zentrale PISA-Forderung. In die Ausgestaltung dieses Ansatzes werden die Erfahrungen einbezogen, die im Anschluss an nationale und internationale System-Monitorings gewonnen wurden, insbesondere zu den Erfolgsbedingungen solcher Unterstützungsansätze.

C.III.5. Schulentwicklung

­ Empfehlungen ­

12. Die Kommission empfiehlt, in allen Schularten Rahmenbedingungen für die Differenzierung des Unterrichts zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler zu schaffen bzw. zu verstetigen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Personalausstattung und die Qualifizierung des Personals sowie auf ideelle, materielle und finanzielle Anreize. Für das Personal im Elementarbereich und für Lehrkräfte aller Schularten sollte auch ein Weiterbildungsangebot eingerichtet werden, das die Fähigkeiten zur Verbindung von pädagogischer Diagnostik und didaktischem Handeln verbessert. Die Thüringer Landesregierung sollte sich hierbei der Ressourcen der Universitäten und des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien versichern.

Nach den vorliegenden Erkenntnissen über die Bedingungen des Gelingens von Schulentwicklungsprojekten ist es unerlässlich, diese sowohl durch Anreize als auch durch dichte Qualifizierungsmaßnahmen für das beteiligte Personal zu begleiten. Die Kommission empfiehlt, Reformen des didaktischen Handelns und der Diagnose und Beurteilung durch Lehrerinnen und Lehrer sowie durch das pädagogische Personal im Elementarbereich Priorität einzuräumen. Diagnose- und Beurteilungsfähigkeit beweisen sich in der Schule auch in der Formulierung von Prüfungsaufgaben. Im Anschluss an PISA müssen Lehrerinnen und Lehrer befähigt werden, entsprechende Aufgaben zu stellen und mit ihrem didaktischen Handeln zu verbinden. Auch hierzu sind nach Erkenntnissen der Bildungsforschung die gegebenen Voraussetzungen bei der Lehrerschaft unbefriedigend.

13. Leitungspersonal im vorschulischen und schulischen Bereich sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Aufsichts- und Beratungsgremien benötigen zur Ausfüllung ihrer Aufgaben in der Schulentwicklung eine gezielte Fortbildung. Die Kommission empfiehlt deshalb die Einrichtung postgradualer Studiengänge zur beruflichen Förderung dieser Personengruppen. Die Fortbildung ist breit anzulegen.

Für Fachberaterinnen und -berater, didaktische Referentinnen und Referenten und andere unterrichtlich und erzieherisch tätigen Personen sind Fortbildungsangebote einzurichten, die die Probleme von Bildung und Erziehung umfassen.

Für Leiterinnen und Leiter von schulischen und vorschulischen Einrichtungen soll die Fortbildung die Schwerpunkte Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung einschließen.

C.III.5. Schulentwicklung

­ Empfehlungen ­

Das Weiterbildungsprogramm für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Aufsichtsund Beratungsgremien sollte sich insbesondere auf Aufgaben der Begleitung und Förderung von Entwicklungsprojekten beziehen.

Es gibt im Freistaat Thüringen einige Ansätze zu einer verbindlichen Weiterbildung des Leitungspersonals in Verbindung mit Schulentwicklungsprojekten. Diese Ansätze müssen gestärkt und ausgebaut werden, denn eine lernende Schule erfordert die lernende Schulleitung und die lernende Schulaufsicht. In Zukunft sollten berufliche Karrieren im Schulbereich von dem erfolgreichen Besuch entsprechender Weiterbildungsmaßnahmen abhängig gemacht werden.

14. Die Kommission empfiehlt neben einem Etat für Schulentwicklung auch einen Etat für Schulentwicklungsforschung beim Thüringer Kultusministerium einzurichten.

Aus dem Forschungsetat sollten insbesondere wissenschaftliche Untersuchungen zur Überprüfung des landesweiten Schulentwicklungsprozesses finanziert werden.

Schulentwicklung benötigt ideenreiche Personen, unterstützende Strukturen ­ und Geld.

Der Thüringer Landtag ist aufgefordert, dem Bildungssystem einen ausreichenden Schulentwicklungsetat zur Verfügung zu stellen, von dem die notwendigen personellen und sächlichen Ausgaben bestritten werden können. Schulentwicklung verlangt nicht nur Evaluation (für die Schulen), sie muss selbst der Evaluation unterworfen werden. Ohne systematische Forschung auf diesem Gebiet lässt sich der Schulentwicklungsprozess in einem Bundesland nicht rational steuern.