Integration

C.V. Medienkompetenz

­ Empfehlungen ­ sollen verstärkt Kenntnisse über geschlechtsspezifische Mediennutzung vermittelt werden.

4. Die Kommission empfiehlt anhand der vorliegenden Ergebnisse anderer Bundesländer zu prüfen, ob und inwieweit sich Thüringen an der Entwicklung und Nutzung von e-Learning-Projekten beteiligen sollte.

Der Entwicklung und immer bedeutsameren Nutzung multimedialer Medien auch im Bildungs- und Erziehungsbereich könnte durch die Beteiligung an e-Learning-Projekten Rechnung getragen werden. Diese Möglichkeit der schnellen und unkomplizierten Wissensvermittlung und -ergänzung zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sollte in den Erziehungs- und Bildungsprozess eingebunden werden, wenn damit eine Erhöhung der Unterrichtsqualität einhergeht. Daher bietet sich vor der eventuellen Teilnahme an einem solchen Projekt die Auswertung der Erfahrungen derjenigen Bundesländer an, die bereits an solchen Projekten arbeiten.

C.VI. Lebenslanges Lernen

­ Bedeutung ­

VI. Lebenslanges Lernen

1. Bedeutung

Die stark ausgeprägte Fähigkeit zu lernen gilt in Verbindung mit der nur schwachen Steuerung durch angeborene Reflexe und Verhaltensschemata zu den herausragenden Merkmalen des Menschen. Lernprozesse steuern die Entwicklung bereits vor der Geburt, erreichen aber erst im Säuglings- und Kindheitsalter, nach der Reifung der Sinne und der Motorik, ihre volle Funktion. Die große Flexibilität des menschlichen Gehirns erlaubt langfristige und zunehmend anspruchsvollere Lernaktivitäten, welche Kultur und Gesellschaft mit ihren vielschichtigen Traditionen und komplexen Wissensbeständen auch immer stärker einfordern. Lernen war immer schon die Grundlage der Anpassung des Menschen an seine physikalische, soziale und kulturelle Umgebung; Bildung und Qualifizierung setzen Lernen voraus.

Dass heute vielfach vom lebenslangen Lernen die Rede ist, liegt daran, dass die Entwicklung des Menschen unter der Perspektive des Lebenslaufes oder des Lebenszyklus gesehen wird. Die Vorstellung, dass der Mensch jahrzehntelang vom Erlernten zehrt, ist wissenschaftlich nicht mehr haltbar und gesellschaftlich überholt. Die menschliche Lernfähigkeit ist auch im höheren Lebensalter ­ wenngleich in modifizierter Form ­ noch erstaunlich gut und kann auch deshalb besser als früher genutzt werden, weil die Lebensspanne durch medizinische Fortschritte, bessere Ernährung usw. verlängert wurde und ältere Menschen durch die staatlich geregelte Altersversorgung über viel mehr Gestaltungsspielräume verfügen als dies für frühere Generationen galt. Langfristige Lernaktivitäten werden aber auch gefordert: Die Welt scheint sich in politischer, gesellschaftlicher, kultureller und technischer Hinsicht wesentlich schneller zu verändern als früher, Wissen und Fertigkeiten veralten, früher erworbene Qualifikationen werden unbrauchbar, und immer häufiger werden berufliche und persönliche Neuorientierungen und Wiederanpassungen im Lauf des Lebens verlangt ­ wenngleich die empirischen Befunde dazu mehrdeutig sind1. Somit werden auch Fähigkeit und Bereitschaft zur selbst verantworteten Lebensführung in zunehmendem Maße gefordert.

Mit dem Begriff lebenslanges Lernen sind deshalb aus bildungspolitischer Sicht diejenigen selbst gesteuerten Lernaktivitäten gemeint, die Menschen befähigen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten ständig weiterzuentwickeln, ein eigenständiges Leben zu führen, die Gesellschaft

Vgl. dazu Erlinghagen, M.; Knuth, M.: Beschäftigungsstabilität in der Wissensgesellschaft. In: Institut Arbeit und Technik (Hrsg.): Jahrbuch 2002/2003. Gelsenkirchen 2003, S. 173-186.

C.VI. Lebenslanges Lernen

­ Bedeutung ­ mitzugestalten und ihren beruflichen Aufstieg und ihre Existenz zu sichern. Lebenslanges Lernen dient damit den vier Zielen:

· Sicherung der Qualifikation, das heißt Erwerb und Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit (employability),

· Sicherung der Integration, das heißt der Kompensation und Überwindung von Behinderungen und Benachteilungen sowie ­ bei Migranten ­ der Erleichterung der Handlungsfähigkeit in der Gesellschaft,

· Sicherung der Partizipation, das heißt der selbstständigen Teilnahme als mündige Bürgerinnen und Bürger an der Gesellschaft und ihrer demokratischen Mitgestaltung und

· Grundlegung von Persönlichkeitsbildung und Selbstverwirklichung in selbst bestimmter Lebensgestaltung.

Mit dem Begriff des lebenslangen Lernens sind häufig Konnotationen verbunden, über die man sich im Klaren sein muss. Sie sind nämlich nicht selbstverständlich. So betont dieser Begriff das selbst gesteuerte Lernen, d.h. die vom Individuum erbrachten Lernaktivitäten als Gegenkonzept zu von außen gesteuerten Aktivitäten. Damit wird die aktive Rolle des Lerners für den Erwerb eines flexibel nutzbaren Wissens herausgestellt, ferner wird auf die individuellen Lernbedürfnisse und Lernstile hingewiesen. Andererseits darf man nicht vergessen, dass der Erfolg selbst gesteuerten Lernens von verschiedenen Voraussetzungen abhängt. Dazu zählen die Verfügbarkeit von Lernstrategien, Lernmotivation, Verfügbarkeit und Nutzung von Lernressourcen (Zeit, Geld und Material) sowie die Fähigkeit zum sozialen Lernen. Offensichtlich benötigen die meisten Lernenden auch ein Minimum an didaktischer Strukturierung, wie sie Lehrbücher und Vorträge aufweisen. Insofern sind nicht alle Menschen von sich aus zum selbst gesteuerten Lernen fähig und bereit, was häufig vergessen wird, wenn man Individuen die alleinige Verantwortung für ihr Lernen aufbürden will. Lebenslanges Lernen erfordert somit individuelle, soziale und institutionelle Voraussetzungen, so dass insgesamt eine Aufgabe für die Gesellschaft vorliegt, die sich zu einer lernenden Gesellschaft entwickeln muss und den Einzelnen in seinen Bildungsprozessen nicht allein lassen darf.

Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (Hrsg.): Lebenslanges Lernen.

Programmbeschreibung und Darstellung der Länderprojekte (Heft 88). Bonn 2001, S. 7.

Friedrich, H. F.: Selbstgesteuertes Lernen ­ sechs Fragen, sechs Antworten. Tübingen, Institut für Wissensmedien, o. J., S. 5 ff.

Prenzel, M.: Autonomie und Motivation im Lernen Erwachsener. Zeitschrift für Pädagogik, Band 39, 1993, S. 239-253.