Weiterbildung

Der Bekanntheitsgrad führt auch immer wieder dazu, dass neue Autoren ihre Manuskripte zur Veröffentlichung anbieten, so dass mitunter auch geeignete Themen und qualitätsvolle Ausarbeitungen nicht oder nur gekürzt angenommen werden können.

Für die Planung der Publikationsreihe ab dem Jahr 2000 ­ sofern sie aus Haushaltsgründen uneingeschränkt fortgeführt wird - ergeben sich im Fazit der bisherigen Arbeit u. a. folgende Intentionen:

- Fortführung im Umfang von fünf bis sieben Heften, dabei bevorzugte Übernahme von qualitätsvollen Texten mit einem Umfang unter 60 Seiten,

- ausgeglichene thematische Auswahl zu möglichst allen Regionen Thüringens,

- Fortsetzung der thematischen Gruppen: und Machtmechanismen; lokale/regionale politische Systeme, Abläufe und Beteiligte; Formen der politischen Repression, Erduldung oder Auseinandersetzung an konkret-eingegrenzten Begebenheiten; Geschehnisse, die in der DDRÖffentlichkeit als Tabu-Themen oder weiße Flecken galten; Prozesse von Etablierung und Verfall der DDR-Machtstabilität,

- eigene mittelfristige Projekte für fundierte Themenbearbeitung: Alltag und Staatssicherheit im Thüringer Grenzland; stasi-interner strafrechtsbezogener Umgang mit politischen Gegnern; institutionelle Planspiele der Staatssicherheit in der Wendezeit; Wirken der Staatssicherheit in einem typischen Großbetrieb in Thüringen u. ä.,

- sparsame und sorgfältige Auswahl von angebotenen Autoren-Arbeiten mit dokumentarischem Charakter, bevorzugte Veröffentlichung von Manuskripten mit sachlich-lebendiger Lebensdarstellung bzw. mit einem hohen Grad an thematischer Durcharbeitung und Prägnanz,

- geeignete Beiträge für die Beschäftigung von Schülern (ohne DDR-Lebenserfahrung) mit den politischen Mechanismen in der DDR.

An dieser Stelle steht der Dank an alle Autoren und geistigen Förderer, die zu Fünf Jahren Monographien des Landesbeauftragten beigetragen haben und der Wunsch auf eine weitere gute und ehrenamtliche Zusammenarbeit mit diesen und auch mit neuen Autoren.

Darstellung der Tätigkeit der Behörde im Internet

Der Landesbeauftragte ist seit 1998 im Internet vertreten. Zum einen in Form einer Mail-Adresse und zum anderen mit einer Homepage in der Dienstleistungen und Veranstaltungen der Behörde vermerkt sind. Im vergangenen Jahr gab es mehrfach Nutzer, darunter Studenten und Westeuropäer, aber auch Thüringer Bürger. Antworten und Informationen auf diese Internet-Post erfolgten seitens der Behörde zumeist auf dem herkömmlichen Postweg, da desöfteren Antragsformulare verlangt werden, die nicht per Email verschickt werden können. Es wurde von Nutzern mehrfach der Wunsch geäußert, Sachinformationen über die Staatssicherheit Thüringen direkt abrufbar in die Internet-Seite zu stellen, was derzeit vorbereitet wird.

Eigene Beiträge zur Aufarbeitung

Eine eigene Forschungstätigkeit kann von einer Landesbehörde nur punktuell betrieben werden.

Dennoch kommt der Landesbeauftragte nicht um eigene Recherchen in und Landesarchiven umhin. Bedarf zeigte sich aus der Beratungstätigkeit, aus direkten Anfragen für die Vortrags- und Bildungstätigkeit, aus der Ausstellungs- und Verlagstätigkeit heraus.

In eingeschränktem Maße befasste sich die Behörde speziell im vergangenen Jahr mit gezielter Forschungsarbeit, insbesondere zum in Thüringen und seiner Einbettung in das politische Strukturgefüge der DDR. Im vergangenen Jahr wurde insbesondere Material über das Wechselspiel in den Südthüringer Grenzgebieten zusammengetragen und ausgewertet. In Arbeit befindet sich ebenfalls noch Material über die Untersuchungshaft der Erfurter Staatssicherheit, das nur zum Teil in einigen Ausstellungstafeln Verwendung fand.

Umfangreichere Arbeiten erfolgten außerdem an einem Manuskript, das speziell für die Verwendung in Thüringer Schulen vorgesehen ist.

Projektförderung für Bürger, Vereine und Forschung

Der Landesbeauftragte unterstützt Projekte von Thüringer Bürgern, Vereinen und Privat-Archiven, die sich mit regionaler historischer Aufarbeitung befassen. Die Förderung von Einzelpersonen besteht vorwiegend in der Beratung über die Archivmöglichkeiten zu Recherchen, über Forschungsanträge beim Bundesbeauftragten, über Publikations- und Fördermöglichkeiten, außerdem in der Hilfestellung bei der technischen Gestaltung von Broschüren, Ausstellungselementen u. ä. Hinzu kam die Durchführung eines studentischen Praktikums (über drei Wochen), wo unsererseits Einblick gegeben wurde in den Thüringer Verwaltungsalltag, die Probleme im Umgang mit dem DDR-Erbe und in verschiedene Formen der Bildungs-, Beratungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem gibt es eine Zusammenarbeit auch mit Zeitzeugen, deren inhaltliche Beiträge redaktionell nicht unerheblich von uns mitbearbeitet werden.

Neben dieser Einzel-Förderung besteht Kontakt zu Vereinen, die sich mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte befassen. Der Landesbeauftragte unterstützt das Bürgerkomitee Thüringen e. V., die Geschichtswerkstatt Jena e. V., den Verein Amthordurchgang Gera - dies sind zugleich die wichtigsten außerakademischen Initiativen, die sich tatsächlich mit der Aufarbeitung politischer Themen der DDR befassen. Es gab sowohl inhaltliche und organisatorische Unterstützung als auch Beratung, z. B. über Formen der Förderung von Projekten auf Bundesebene.

Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen auf dem Gebiet der politischen Bildung

Der Landesbeauftragte ist fachlich beratendes Mitglied für die Geschichtswerkstatt Jena e. V., leistet vielfältige Unterstützung für Ausstellungen, Videovorträge, Öffentlichkeitsarbeit und fördert die seit Mai 1996 regelmäßig erscheinende Vierteljahrsschrift Gerbergasse 18. Auch für den Geraer Verein Amthordurchgang e. V., in dem das Vorhaben entstand, die ehemalige Stasi-Untersuchungshaft zu einer Gedenkstätte werden zu lassen, wurden verschiedene Abendveranstaltungen mit organisiert.

Außerdem wurde es hier dem Verein ermöglicht, in der Geraer Außenstelle des Landesbeauftragten viele Büroarbeiten zu erledigen und einen Sprechtag anzubieten.

Für die Tage der offenen Tür der Außenstellen des Bundesbeauftragten in Erfurt, Gera und Suhl, aber auch des Thüringer Landtags wurden Kurzausstellungen und Informationsmaterialien zusammengestellt. Es kam außerdem zu zahlreichen Bürgergesprächen über aktuelle Fragen der Aufarbeitung.

Eine Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Deutschen Museum Mödlareuth gab es für die Gestaltung einer Sonderausstellung zur Öffnung der Grenzen vor genau zehn Jahren. Eine Kopie dieser Ausstellung wurde vom Landesbeauftragten übernommen.

Sie wurde zuerst im Hochhaus am Thüringer Landtag präsentiert. Danach folgten als Ausstellungsorte das Christliche Gymnasium in Jena und das Arnoldi-Gymnasium in Gotha. Weitere sind vorgesehen.

6. Schülervorträge und Lehrerfortbildung

Die Problemstellungen sowie die formale Durchführung der Schülervorträge und Lehrerweiterbildungen verlief nach dem Konzept, wie es bereits im letzten Tätigkeitsbericht ausführlich dargestellt wurde. Im Rahmen des Ethik- sowie Sozialkundeunterrichtes wurde anhand der Struktur und Arbeitsweise des im Rahmen der Rechtsstaatsproblematik referiert. Dabei eignen sich die aufgrund ihrer offensichtlich menschenverachtenden Praxis besonders gut, um das DDR-Herrschaftssystems generell in Augenschein zu nehmen. Vor allem in den zumeist doppelstündigen Vorträgen vor Schülern scheint die generelle Bewertung des vergangenen Unrechtssystems auf Interesse zu stoßen. Geurteilt wird, dass es Mängel in der Durchführung des Realsozialismus gegeben hatte, aber die Idee des Sozialismus wird weiterhin als gut empfunden.

Wenn man in die Totalitarismusdiskussion anhand der einsteigen will, geht es natürlich auch nicht darum, die komplexe DDR-Wirklichkeit unter einen Begriff zu zwängen und abzuwerten. Es geht aber darum, dass ein Rechtssystem prinzipiell auf die Freiheitsrechte des Einzelnen aufgebaut ist. Diese müssen vom Staat als Grundwerte verankert sowie vom Einzelnen als wertvoll empfunden werden. Das konträre Staatsprinzip dazu ist die totale Machtausrichtung des Systems. Obwohl es dem Bürger sogar relativ gut gehen kann, weil er seine Grundbedürfnisse stillen kann, sogar an eine sinnstiftende Weltanschauung glauben darf, so verliert er seine Eigentlichkeit. Er wird zum Untertan der Macht, verliert seine Autonomie und erhält dafür die Erlaubnis, Gewalt über seine Mitgefangenen auszuüben. Konkrete Themen in den Vorträgen drehen sich um die Rechtsstaatsproblematik. Aber vor allem verweist die IM-Thematik in das eigentliche Problemfeld. Es geht um die Frage des Menschenbildes. Was ist der Mensch? Und in welcher Weise hat die Staatspolitik ihm zu dienen. Im Hintergrund - oder ist der Mensch als Kollektivwesen, als Rezeptor der Marktstrategien verwaltbar? Damit wird er aber (wieder) für den Machtzweck missbraucht.

Die Arbeit mit Schülern soll in der kommenden Periode weitergeführt werden. Darüber werden wir im nächsten Tätigkeitsbericht ausführlicher berichten.