Welche Möglichkeiten wurden den Lehrerinnen und Lehrern angeboten um sich auf die Umsetzung der Vorläufigen Lehrpläne

Worin unterscheiden sich die Vorläufigen Lehrpläne qualitativ und quantitativ von den Vorläufigen Lehrplanhinweisen?

2. Welche Möglichkeiten wurden den Lehrerinnen und Lehrern angeboten, um sich auf die Umsetzung der Vorläufigen Lehrpläne vorzubereiten?

3. Welche zeitlichen Vorstellungen gibt es für die Weiterentwicklung der Vorläufigen Lehrpläne zu Lehrplänen?

4. Wie wird in der weiteren Lehrplanentwicklung die fachübergreifende Koordinierung gesichert?

Das Thüringer Kultusministerium hat die Kleine Anfrage namens der Landesregierung mit Schreiben vom 3. September 1993 wie folgt beantwortet:

Zu 1.: Die Vorläufigen Lehrpläne sind das Ergebnis der zweiten Phase der Lehrplanentwicklung im Zusammenhang mit der Neustrukturierung des Thüringer Bildungswesens. Sie stellen gegenüber den vorangegangenen Vorläufigen Lehrplanhinweisen eine neue Qualität hinsichtlich ihrer Entwicklung und ihres Ergebnisses dar.

Während die Vorläufigen Lehrplanhinweise - in kürzester Zeit durch die Lehrplankommissionen erarbeitet lediglich als Orientierungshilfen dienen konnten, sind die Vorläufigen Lehrpläne in praxisnaher Curriculumarbeit über zwei Jahre entstanden - aufgrund einer Befragung von Lehrern und Fachschaften und unter Beteiligung von Eltern und Schülern an der Lehrplandiskussion.

In den Vorläufigen Lehrplänen waren

- didaktisch-methodische Innovationen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen,

- Unstimmigkeiten und Überschneidungen zwischen und innerhalb der Fächer zu beseitigen,

- die besonderen Bedingungen der Schularten und Veränderungen in der Stundentafel zu berücksichtigen,

- fachübergreifende Lernziele einzuarbeiten,

- die Lehrpläne in den Klassenstufen 5 und 6 von Regelschule und Gymnasium in Folge der Stundentafelveränderung einander anzugleichen.

Die Vorläufigen Lehrpläne als Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit

- sind lernzielorientiert,

- sind Minimalpläne,

- stellen ein offenes Curriculum dar, das dem Lehrer die Freiheit und Verantwortung für die didaktischmethodische Gestaltung und stoffliche Reihenfolge überträgt, ohne Zeitrichtwerte und Hinweise auf spezifische Leistungskontrollen,

- vermitteln den Gedanken der Einheit von Erziehung und Bildung u.a. durch spezifische fächerübergreifende Ziele wie Friedenserziehung, Umwelt- und Gesundheitserziehung,

- sind erstmals alles eigene Thüringer Lehrpläne,

- sichern die Durchlässigkeit sowohl im Bereich der Regelschulen als auch im Bereich der Gymnasien und zwischen den Schularten in den dafür vorgesehen Klassenstufen,

- verdeutlichen das spezifische Profil von Regelschule und gymnasialer Oberstufe. Erstmals liegen Lehrpläne für das Gymnasium vor, die alle Klassenstufen von 5 bis 12 umfassen.

Zu 2.: Die Fachberater wurden regelmäßig durch Mitglieder der Lehrplankommissionen über Intention und Stand der laufenden Lehrplanarbeit informiert.

Die Vorläufigen Lehrpläne wurden im Juli vor Schuljahresende ausgeliefert.

Für alle Fächer finden bis Ende September Einführungsveranstaltungen mit Fachberatern statt, die diese in ihren Regionen multiplizieren.

Das Programm des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien bietet Veranstaltungen zur Umsetzung der Vorläufigen Lehrpläne an.

Zu 3.: Im Schuljahr 1993/94 erfolgt die erste Erprobung. In der weiteren Evaluierung bis 1995 werden schulpraktische Erfahrungen, punktuelle Untersuchungen zur Umsetzung, Meinungen von Lehrern, Schülern und Eltern sowie Stellungnahmen von Wissenschaftlern zusammengetragen. Im Sommer 1996 wird die dritte Phase der Lehrplanentwicklung mit endgültigen Thüringer Lehrplänen abgeschlossen sein.

Zu 4.: Aus dem Katalog fachübergreifender Themen der Kultusministerkonferenz wurden vier ausgewählt: Erziehung zu Gewaltfreiheit, Toleranz und zum Frieden, Umwelt- und Gesundheitserziehung, Berufswahlvorbereitung und Informationstechnische Grundbildung.

Hierzu wurden jeweils am Arbeitsgruppen gebildet mit dem Ziel, eine Rahmenplanung und Handreichungen für die Lehrplankommissionen und die Lehrer zu erarbeiten. Weiterhin erfolgt eine

- Abstimmung in speziellen Konferenzen für die Lehrplankommissionen und eine

- Qualifizierung der Lehrplankommissionen in gesonderten Fortbildungsreihen des Althaus Minister.