Schule

Dokumentation einer Vielzahl unterrichtlicher Entscheidungen mit recht hohem bürokratischen Aufwand nachweisen muss, dass das Abweichen vom Regelfall nicht auf einer fehlerhaften Gestaltung des Unterrichts basiert und kein Verstoß gegen die in den §§ 1 und 2 dargestellte individuelle Förderung vorliegt.

Die Wiederholerquote ist in Nordrhein-Westfalen insgesamt zu hoch und wir raten, durch Förderprojekte zu versuchen, die Zahl möglicher Klassenwiederholer abzusenken. Eine Maßnahme hierzu kann die Bildung kleinerer Klassen und Lerngruppen - zumindest in einzelnen Fächern - sein, die sich positiv auswirken würde. Ich verweise auf die Ergebnisse der DESI-Studie.

Darüber hinaus regen wir insbesondere zu § 50 Abs. 3 an, beispielsweise Lehrkräfte einzustellen beziehungsweise einzusetzen, die nach dem Halbjahreszeugnis versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler gezielt unterstützen. - Wenn man so will: Blick auf Speziallehrkräfte in Finnland. - Die Teilnahme an entsprechenden Förderangeboten muss allerdings verbindlich sein.

Nicht pädagogisch sachentscheidend, aber unter ökonomischen Gesichtspunkten nicht uninteressant ist dabei, dass die Klassenwiederholung eines Schülers zusätzliche Kosten für das Land von ca. 4.500 verursacht. Allein fünf Schülerinnen und Schüler einer Schule, die über eine individuell ausgerichtete fachliche Begleitung statt wiederholen zu müssen, die Versetzung erreichen würden, würden somit vollständig die Personalkosten einer Lehrkraft für ein halbes Schuljahr abdecken.

Bei der Umsetzung individueller Fördermaßnahmen haben sich in der schulischen Praxis verschiedene Organisationsformen bewährt. Bei allen Modellen ist allerdings Voraussetzung, dass ein Kontingent von frei verfügbaren zusätzlichen Stunden in der Stundentafel vorgehalten wird. Diese sollten der Vertiefung, Einübung, Wiederholung wie auch Ergänzung von Unterrichtsstoff - möglichst unabhängig von Lehrplanvorgaben - dienen.

Brigitte Balbach (Realschullehrerverband Nordrhein-Westfalen): Herr Präsident, meine Damen und Herren! Mein Vorredner Peter Silbernagel hat zu dem Punkt Individuelle Förderung schon etwas gesagt, sodass ich mich, vom Realschullehrerverband aus gesehen, auf das Thema Kopfnoten beschränken kann. Kurz vorausschicken möchte ich, dass ich direkt von der Basis komme, aus dem Unterricht in Deutsch einer Klasse 10. Insofern scheine ich hier die erste Lehrerin zum Anfassen zu sein.

Die Stellungnahme unseres Verbandes begrüßt die Kopfnoten so, wie sie im Schulgesetz vorgesehen sind. Wir freuen uns darüber, dass die Politik an dieser Stelle bereit ist, sich deutlich und unmissverständlich zu einer klaren Werteordnung zu bekennen und dieser den Stellenwert in den Zeugnissen der Schülerinnen und Schüler zukommen lassen möchte, der ihr gebührt.

Über lange Jahre haben wir in den Schulen zusehen müssen, wie unser fast krampfhaftes Bemühen um ein gutes Arbeits- und Sozialverhalten durch die fehlende Anerkennung im Notenspiegel eines Zeugnisses ad absurdum geführt wurde und schließlich zu häufiger Nichtbeachtung führte, in der Folge auch in unserer Gesellschaft insgesamt.

Geklagt wurde allerorts über Fehlverhalten und über Verstöße seitens der Schülerschaft gegen soziale Absprachen und eine gute Arbeitsmoral. Getan wurde von politischer Seite so gut wie nichts. Wir Lehrerinnen und Lehrer wurden mit unserem Anliegen allein gelassen. Jetzt sehen wir diesbezüglich endlich Land.

Eine Blitzumfrage unter den Mitgliedern des RLV in den letzten Tagen hat gezeigt, dass diese Neuregelung des Schulgesetzes auf uneingeschränkte Zustimmung und auf landesweiten Beifall stößt. Aus diesen Gesprächen möchte ich einige Punkte vortragen:

Jede Gesellschaft ist dringend auf gutes Arbeits- und Sozialverhalten aller Personengruppen angewiesen. Die Vorstellung, dass es ausreicht, wenn einige wenige sich engagieren und sich für andere einsetzen, greift zu kurz und hat sich als irrig erwiesen. Mit Blick auf die demographische Entwicklung in Deutschland ist die Gesellschaft auf jeden Einzelnen und seinen oft uneigennützigen Einsatz für diese angewiesen. Das muss jeder Einzelne dann schon im Kindesalter lernen. Uneigennütziges Tun, Handeln zum Wohl der Allgemeinheit und andere wertzuschätzende Verhaltensweisen müssen gestärkt, unterstützt und gelobt werden.

Das geschieht in unseren Augen am besten an der Stelle, die Schülerinnen und Schüler selbst auch wertschätzen, nämlich im Zeugnis. Dabei sind Noten nach unserer Erfahrung in jedem Fall besser als individuelle Texte, da sie klare, unmissverständliche Aussagen machen und Vergleichsmöglichkeiten zulassen. Individuelle Texte sind in der Regel in Textbausteine gekleidet, die sich an einem Notenschema orientieren, das selbst nicht transparent wird. Der Zugriff auf eine klare Notenvergabe erleichtert allen Seiten, Schülern wie Lehrern, Eltern und Abnehmern, das gegenseitige Verständnis.

Durch die Aufnahme ihrer diesbezüglichen Leistung in ihr Zeugnis erkennen Schülerinnen und Schüler, wie wichtig der Gesellschaft diese Forderung nach einem guten Arbeits- und Sozialverhalten ist. Bloße Anreden von Lehrerinnen und Lehrern in dieser Hinsicht zeigten dagegen über Jahrzehnte keinerlei Erfolg. Die Schülerschaft lernt an dieser Stelle auch, für ihr Verhalten einzustehen, die Konsequenzen daraus zu tragen und damit eigenverantwortlich zu handeln. Mehr an individueller Förderung an dieser Stelle ist kaum leistbar.

Darüber hinaus findet die Wertevermittlung seitens der Lehrerschaft endlich Unterstützung in angemessener Tragweite. Dies ist von besonderer Bedeutung, da viele Schülerinnen und Schüler von Haus aus kein oder nur ein gering ausgebildetes Wertesystem mitbringen und eine wünschenswerte Einwirkung seitens der Schule deutlich eine Stärkung erfährt.

Allein durch die deutliche Zielsetzung guter Kopfnoten im Zeugnis erhalten Schülerinnen und Schüler aus benachteiligten Familien neue Chancen gesellschaftlicher Akzeptanz. Voraussetzung für die Objektivität von Kopfnoten kann dabei die Transparenz eines abgesprochenen Kriterienkatalogs sein, den die Schülerinnen und Schüler und deren Eltern mitgestalten. Dabei ist uns bei der Befürwortung der Kopfnoten der Effekt auf die Abnehmer durchaus bewusst. Auch dass hier zwei Bereiche zusammengefasst werden, die nicht ohne Weiteres zusammengehören, ist uns klar. Dennoch halten wir die gewählte Kombination für richtig und hilfreich. Eine Trennung der Begrifflichkeit wird von uns nicht gewünscht, da sich dadurch die Gewichtung innerhalb des Zeugnisses zugunsten der Kopfnoten insgesamt erhöhen würde.

Zusammenfassend kann ich also für den Realschullehrerverband vortragen, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer die Kopfnotenregelung so, wie sie vorgeschlagen wird, begrüßen.

Ich habe gestern, nachdem wir das im Verband noch einmal besprochen hatten, auch von der Regelung gehört, die Sie, Herr Kaiser, vorhin vorgeschlagen haben, das Ganze eventuell durch einen schriftlichen Bericht zu unterlegen. Das lehnen wir ab und das möchte ich hier auch in aller Deutlichkeit kundtun, denn meine Deutschnote zum Beispiel erkläre ich auch nicht, indem ich noch ein Handbuch dazu gebe, damit klar wird, warum ich diese Note gegeben habe. Damit wird in unseren Augen auch in gewisser Weise unterstellt, dass wir Lehrerinnen und Lehrer Noten leichtfertig geben. Das ist beileibe nicht der Fall.

Zudem haben wir solche Regelungen schon. Es gibt eine unendliche Liste zu Themen von Arbeits- und Sozialverhalten mit Textbausteinen - es sind zum Teil 80 Textbausteine auf mehreren Seiten -, die wir dann per Zahl auswählen müssen, um sie in das Zeugnis einzutragen. Ich kann nur sagen: Das ist eine Wahnsinnsmehrarbeit und macht es auch insgesamt schwierig, die ganze Sache zum Fahren zu bekommen, auch für Schülerinnen und Schüler.

Wir sind also im Grunde häufig - und das zeigt auch das, was hier für die Zukunft von einigen angedacht wurde - mehr damit beschäftigt, Gutachten und Förderempfehlungen zu schreiben, als guten Unterricht vorbereiten zu können. Auch unsere Zeit ist begrenzt, auch unsere Zeit hat nicht mehr als 24 Stunden am Tag und ich bitte zu berücksichtigen, dass klare Noten immer schon eine gute und klare Aussage gemacht haben.

Ein letzter Punkt, der mir sehr wichtig ist. Aufgrund des Zuhörens von heute Morgen bis zu diesem Zeitpunkt möchte ich an dieser Stelle eine deutliche Lanze für meine Kolleginnen und Kollegen brechen. Immer wieder habe ich unterschwellig den Vorwurf gehört: Sie machen zwar über 80 %, sie arbeiten zwar viel, aber ihnen fehlt es doch noch an der Kompetenz. - Wir haben schon immer und über Jahrzehnte hinweg Noten gegeben und Sie sind das beste Beispiel dafür, dass aus Ihnen trotzdem etwas geworden ist. Deshalb bitte ich darum, dass uns die Kompetenz nicht abgesprochen wird.

Dr. Willi Nikolay (Clara-Schumann-Gymnasium Bonn): Auch von mir ein kurzer abschließender Bericht aus der Praxis. An sich hätte ich heute mit meiner Klasse 9 hier sein sollen, die als Beobachter hätte kommen sollen. Aber es war uns nicht möglich, das nach den Richtlinien der neuen Landesregierung ohne Unterrichtsausfall zu organisieren. So stehe ich jetzt allein hier.

Zu den sogenannten Kopfnoten! Wir vom Clara-Schumann-Gymnasium haben neben Mehrsprachigkeit und Medienkompetenz menschliches Miteinander in unserem Schulprogramm. Von daher waren wir nach einer ausführlichen Diskussion doch sehr überrascht, dass noch unter der Ägide von Frau Schäfer die Möglichkeit gegeben war, freiwillig Kopfnoten zu konzipieren. Wir waren in allen Konferenzen einhellig der Meinung, dass das aufgrund unserer Diskussion nicht nötig sei. Wir haben darauf verzichtet, denn wir hatten ein ungutes Gefühl deswegen.