Auch wenn dieses Projekt in einem Bereich im Ruhrgebiet stattgefunden hat ist diese Methodik auf andere Bereiche

Der Geologische Dienst hat im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen zwei große Studien erarbeitet. Bei der einen Studie ging es um oberflächennahe Geothermie bis 100 m Tiefe, also die Nutzung der Erdwärme mittels Wärmepumpen für kleinere Einheiten. Die andere Studie umfasste ein Projekt zur Tiefengeothermie bis 5.000 m, also die Nutzung für die Techniken, die im großen Verbund genutzt werden, sprich: Thermalwasser und Tiefensonde - bis hin zum HDR-Verfahren, das zur Stromerzeugung dient.

Auch wenn dieses Projekt in einem Bereich im Ruhrgebiet stattgefunden hat, ist diese Methodik auf andere Bereiche übertragbar.

Ich sitze hier stellvertretend für die Fragen, die untertägig ganz wichtig sind, nämlich die der Lagerstättengeothermie. Bei allem, was sich obertägig abspielt, also dem Ingenieurtechnischen, steigt der Geologische Dienst dann sicherlich aus.

Dr. Rainer Wolf (Geologischer Dienst NRW): Ich komme ebenfalls vom Geologischen Dienst NRW in Krefeld und bin dort für die geowissenschaftliche Landesaufnahme zuständig, also die landesweite Erkundung der Gesteinsschichten im Untergrund. Ich war Projektleiter für das Projekt zur Tiefengeothermie, das wir im letzten Jahr abgeschlossen haben.

Gerd Max (Energieagentur NRW): Ich bin der Leiter der Energieberatung der Energieagentur NRW, die kleine und mittelständische Unternehmen, Kommunen und auch private Endverbraucher mit dem Energieberatungsmobil berät.

Prof. Dr. Rolf Bracke (Geothermie-Zentrum Bochum): Ich bin beim Bochum wissenschaftlicher Vorstand und baue seit einem Jahr eine Verbundforschungseinrichtung von NRW-Hochschulen zum Themenbereich Geothermie auf. Ich bin selber mit meinem Lehrstuhl an der Fachhochschule Bochum im Fachbereich Bauingenieurwesen für die Umwelttechnik zuständig. Wir versuchen, mit dieser Verbundforschungseinrichtung in Bochum eine Schnittstelle zwischen der Hochschulforschung und der Wirtschaft zu installieren, die dann die Themen umsetzen kann, die wir wissenschaftlich vorbereiten.

Michael Würtele (Montanes Ich bin Geschäftsführer der Montanes einer Firma, die einen Sitz in NRW hat, aber auch in Baden-Württemberg ansässig ist.

Wir beschäftigen uns in erster Linie mit der geothermischen Stromproduktion. Uns sind aber auch alle anderen Bereiche der Geothermie - oberflächennah und tief; sei es für Wärme oder Kühlung - sehr wohl bekannt. Auf diesen Sektoren arbeiten wir. Bevor ich bei der Montanes Geschäftsführer wurde, habe ich jahrelang bei der Deutschen Montan-Technologie in Essen gearbeitet und dort den Bereich Geothermie geleitet ebenfalls mit allen Facetten: Wärme, Strom und Kühlung.

Dieter Stratmann (Planungsbüro Stratmann): Ich bin Eigner des Planungsbüros Stratmann. Wir sind Architekten und Stadtplaner und haben den Bebauungsplan Schultenkamp/Dorfheide in Bottrop-Kirchhellen vor 14 Tagen zur Rechtskraft gebracht.

Schon vor langer Zeit haben wir zusammen mit dem Geothermie-Zentrum Bochum, mit

Herrn Prof. Bracke, diesen Bebauungsplan ganz unter das Thema Geothermie gestellt.

Er ist der erste uns bekannte Bebauungsplan in Nordrhein-Westfalen, in dem die Geothermie festgeschrieben wurde. Wir haben mehrere Machbarkeitsstudien durchführen lassen, bei denen festgestellt werden sollte, in welchen Tiefen die Geothermie betrieben werden sollte. Dabei ging es um Tiefen von 2.000 bis 200 m. Im Moment sind wir dabei, dieses Projekt rein privatwirtschaftlich durchzuführen.

Wolfgang Hausmann (Klima-Plan & Co. KG): Ich bin Mitgeschäftsführer der Firma Klima-Plan. Wir sind ein Handwerksbetrieb in Bergisch Gladbach und beschäftigen uns seit 2003 als Kältefachbetrieb mit der Installation von Wärmepumpen. Ein Highlight war, dass wir 2003 bei Gelsenwasser als Subunternehmer eine Wärmepumpe mit 400 installiert haben. Momentan beschäftigen wir uns aber in erster Linie mit der Installation der Wärmepumpe im privaten Hausbereich. Wir bieten alle Arten der Wärmepumpe an: Luftwärmepumpen, Wasserwasserwärmepumpen, Soleanlagen und auch Direktentzug.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Schönen Dank. - Sehr geehrte Abgeordnete, Sie haben jetzt die anwesenden Experten gehört. Ich darf nun um Fragen bitten. - Herr Priggen, bitte.

Reiner Priggen (GRÜNE): Herr Hausmann, meine erste Frage richtet sich an Sie. Ich muss vorausschicken, dass ich früher selber als Ingenieur in der Kältetechnik tätig war.

Das ist jetzt aber 15 Jahre her. Damals haben wir auch Wärmepumpen verkauft. Mir haben die Kunden manchmal leidgetan, weil die Wärmepumpen damals noch auf einem problematischen technischen Stand waren. Die Leute, die sie einbauten, wollten etwas Vernünftiges. Wenn dann eine Störung auftrat und man einen Monteur rausschicken musste, entstand leicht eine Rechnung von 500 oder 600 DM. Das war schon etwas hart. Heute hören wir, dass die Technik doch deutlich besser geworden ist.

Mich interessiert Folgendes: Wie bewerten Sie die heutige Technik der Wärmepumpen?

Ich meine jetzt den Einsatz von oberflächennaher Geothermie als Heizungsersatz für Ein- und Zweifamilienhäuser. Welche Leistungszahl haben diese Wärmepumpen? Wie bewerten Sie heute vor dem Hintergrund der gestiegenen Strom- und Gaspreise die Wirtschaftlichkeit? Wie wird das von Ihnen als jemandem, der diese Wärmepumpen verkauft, gesehen?

Wolfgang Hausmann (Klima-Plan & Co. KG): Bei Wärmepumpen gibt es verschiedene Systeme. Hinter jedem System steht eine Leistungszahl. Sie kann bei einer Luftwärmepumpe bei etwa 3,2 bis 3,5 liegen. Das Ganze geht hin bis zur Direktentzugswärmepumpe, wo wir mit Leistungszahlen von 5,2 bis 5,3 arbeiten können. Von daher haben wir ein breites Band. Die Leistungszahl einer Soleanlage liegt bei rund 4,6 bis 4,7.

In Bezug auf die Standfestigkeit oder Zuverlässigkeit der Wärmepumpentechnik ist unsere Meinung folgende: Das Produkt - welches auch immer - ist eigentlich nie schlecht.

Die Art und Weise, wie es eingebaut wird und wie es unter Umständen langfristig 5 von 34 tungstechnisch betreut wird, also das Können des Handwerksbetriebes, entscheidet aus unserer Sicht mit darüber, wie gut das Produkt letztendlich ist. Einige unserer Kunden haben seit über 25 Jahren Wärmepumpen. An einer dieser Anlagen haben wir jetzt nach 25 Jahren das erste Mal einen Verdichter gewechselt. Die Kosten für den Verdichterwechsel lagen bei rund 1.000. - So viel zur Standfestigkeit der Wärmepumpen.

Wir als Klima-Plan bieten dem Kunden eine Gewährleistung an, die zwischen fünf und zehn Jahren betragen kann, und zwar mit Abschluss eines Fernwartungsvertrages. Das heißt, dass wir von unserem Rechner in die Wärmepumpe hineinschauen können; bei einer Störung meldet sich die Wärmepumpe. Des Weiteren sind unsere Mitarbeiter speziell geschult. Natürlich muss ich die Kältetechniker nicht auf die Wärmepumpe als kältetechnisches Produkt ausbilden. Auf die Regelung, die heute einen großen Einfluss auf die Funktion der Wärmepumpe hat, werden sie aber ausgebildet. Wir sind also nicht herstellerabhängig und nicht auf den Service des Herstellers angewiesen.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Herr Hausmann, wenn ich die Frage von Herrn Priggen richtig verstanden habe, hat er auch nach der Effektivität der heutigen Anlagen gegenüber früheren Wärmepumpen gefragt.

Wolfgang Hausmann (Klima-Plan & Co. KG): Das hatte ich mit der Leistungszahl angedeutet. Die Leistungszahl ist das Verhältnis aufgewendeter elektrischer Energie zu abgegebener thermischer Energie. Eine Leistungszahl von 4,0 bedeutet also: ein Teil elektrische Energie, vier Teile regenerative Energien.

Vorsitzender Franz-Josef Knieps: Schönen Dank. - Herr Leuchtenberg.

Uwe Leuchtenberg (SPD): In den drei schriftlich vorliegenden Stellungnahmen und den bisher gemachten Ausführungen habe ich von allen Beteiligten gehört: Geothermie ist eine ganz tolle Sache; es gibt keine technischen Probleme und eigentlich gar keinen Grund, warum man sie nicht überall einsetzt. - Meine Frage an die Fachleute, die so etwas vor Ort machen, also an die Installateure und die Planer, lautet: Woran liegt es nach Ihrer Meinung, dass es im Bereich Geothermie in den letzten Jahren zwar eine enorme Steigerung gegeben hat, dass sich das Ganze aus meiner Sicht aber nicht in den Köpfen Vieler festgesetzt hat?

Ein Beispiel: Ich habe in der letzten Woche mit einem ortsansässigen Architekten gesprochen, der mehrere Objekte geplant hat. Auf meine Frage, ob er den Bauherren zu Gasheizung, Ölheizung oder Geothermie rate, sagte er: Wenn dort ein Gasnetz vorhanden ist, wird eine Gasheizung installiert; das ist überhaupt kein Thema. - Geothermie ist in seinem Kopf nicht vorhanden. Liegt das daran, dass bei der Ausbildung nicht vernünftig darauf geachtet wird? Ist das ein Kommunikationsproblem? Muss die Energieagentur da mehr machen? Ich habe auch von Installateuren die Aussage gehört: So einen Mist verkaufen wir gar nicht. - Ich unterstelle einfach einmal, dass die Fachleute fehlen, die diese Anlagen vernünftig warten können.

Herr Würtele, Herr Stratmann und Herr Hausmann, wo liegt nach Ihrer Erfahrung das Problem? Woran scheitert es im Moment?